Die Welt, wie er sie sehen will

Juliana Eiland-Jung

Von Juliana Eiland-Jung

Fr, 09. Dezember 2016

Lahr

Durch die Ausstellung des Malers Wilhelm Wickertsheimer auf dem Zeitareal hat Walter Caroli ein großes Publikum geführt.

LAHR. Zur Führung mit Walter Caroli durch die Ausstellung mit Bildern des Lahrer Malers Wilhelm Wickertsheimer hatten sich so viele Interessenten angemeldet, dass noch am gleichen Abend ein zweiter Rundgang angeboten wurde.

Auch bei der Eröffnung Mitte Oktober war das Publikumsinteresse schon groß gewesen, diesmal jedoch gab es zusätzlich zu den 130 Landschafts- und Heimatbildern Aquarelle zu sehen, die Wickertsheimer als Soldat zwischen 1915 und 1916 in Nordfrankreich gemalt hatte. Diese Bilder wurden aber am gleichen Abend schon wieder abgehängt. Als Facette in Wickertsheimers Werk belegen sie Walter Carolis These, dass der Lahrer Maler keineswegs nur Idyllen gemalt hat – auch wenn in der NS-Zeit das "Gesunde" an Wickertsheimers Kunst und seine alemannische Verwurzelung "für das System vereinnahmt wurde", wie er ausführte. "Diese Deutung ist ein Irrtum", betont Caroli, der auch die Texte zu den Infostelen des Wickertsheimer-Wegs verfasst hat und derzeit an einem Buch über den Maler arbeitet.

Die Bilder aus Wickertsheimers Soldatenzeit an der Somme, wo er kurz nach Beginn der alliierten Großoffensive 1916 schwer verletzt wurde, zeigen zwar kein Schlachtengemetzel und keine Verwundeten, sondern – da bleibt der Maler sich treu – einen zurückgezogenen, gewissermaßen entrückten Blick auf Schützengräben, zerstörte Dörfer, verbrannte Erde oder Soldaten im Unterstand. Wickertsheimer, der in seinen Heimatbildern nur wenige Menschen zeigt, und diese oft von hinten und nur schemenhaft, erlaubt sich bei den Somme-Aquarellen etwas mehr Details in den Gesichtern, gleichwohl bleiben die Figuren unpersönlich.

Wickertsheimer verstand sich wohl nicht als Chronist, sondern als distanzierter Beobachter, der in den später ergänzten Bildunterschriften unter den sorgfältig aufgeklebten Aquarellen nüchtern konstatiert, dass eine bestimmte Szenerie "heute sicher zerstört ist". Soldatengräber, ein militärischer Unterstand in einer Familiengruft, das Geäder der Schützengräben im Gelände – Wickertsheimer lässt die Motive für sich sprechen.

Bei den Heimatbildern, von denen Wickertsheimer eine große Anzahl hinterlassen hat, bezogen sich Carolis Erläuterungen zum einen auf den stadtgeschichtlichen Hintergrund. Er verwies auf Straßenszenen, die bis heute fast unverändert sind wie ein Blick in die Friedrichstraße, und auf Szenerien einer gar nicht so fernen Zeit, als es in Lahr an jeder Ecke ein Gasthaus gab, und in der Gärtnerstraße – damals Krizgass – eine kleine Fasentzunft. Zum anderen lenkt Caroli den Blick der Besucher aber auch auf Wickertsheimers unterschiedliche Malweisen, die sich "vom Zeichnerischen zum Malerischen" entwickeln. "Wickertsheimer hat Cezanne, Van Gogh und Hans Thoma verehrt und in einigen Werken versucht, in ähnlichem Stil zu malen."

Blick auf Lahr oder ins Tal

Dabei bleibt Wickertsheimer aber volkstümlich und schreckt auch nicht davor zurück, die Perspektive deutlich zu verschieben, um ein besonders schönes Motiv zu erhalten, das man so in der Natur nicht zu sehen bekommt. Ob beim Blick auf Lahr oder ins Schuttertal, Wickertsheimer nimmt sich das Recht heraus, Bergrücken aus der Blickachse zu verschieben und Größenverhältnisse seinem ästhetischen Empfinden anzupassen. Wickertsheimer malte die Heimat und den Krieg, so wie er es sehen und zeigen wollte.

Info: Die Ausstellung mit Bildern von Wilhelm Wickertsheimer (ohne die Somme-Aquarelle) ist bis einschließlich 15. Januar von Montag bis Freitag, 9 bis 17 Uhr (außer Feiertage) im Zeitareal zu sehen. Der Eintritt ist frei.