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05. Februar 2013

Ein klingender Generationenvertrag

Family Affair und Gäste im Lahrer Musikclub Blue Notes.

  1. Lisa Wurtz Foto: PR

OFFENBURG. Symphonic Rock, Folkrock, gespielt von einer Familienband – das könnte eine biedere Angelegenheit sein. Muss aber nicht, wenn die Familie Wurtz heißt, aus Straßburg kommt und sich seit 14 Jahren in der Region ihre Fangemeinde erspielt hat. Am Samstagabend im sehr gut besuchten Lahrer Musikclub Blue Notes sind mit Sicherheit noch ein paar neue Fans dazu gekommen.

Mama Cathérine (E-Bass), Papa Pierre (E-Gitarre), Tochter Lisa (Cello) und Sohn Léo (Schlagzeug) das ist die Band Family Affair. Ganz unter sich bleiben die vier jedoch nur selten bei diesem Konzert, gehören doch mittlerweile auch Michael Goetz (Piano) und Renaud Heitz (E-Gitarre) zur Band. Und alle zusammen rocken das Blue Notes auf ihre ganz spezielle Art, die vor allem durch Lisa Wurtz am Cello bestimmt wird.

Hört man gerade bei Folkrock oft einmal eine Geige, ist das Cello einfach immer noch ein Hingucker und Hinhörer. Zumal wenn es so inspiriert und gekonnt gespielt wird wie hier. Lisa Wurtz wagt sogar ein schier endloses Solo, bei dem sie mit dem Cello ein Bad in der Menge nimmt, einem Zuhörerkind eben mal den Bogen überlässt, und dabei zu immer wieder neuen, rockigen, klassischen, folkigen Assoziationen abschweift. Gelegentlich singt sie mit ihrer warmen, klaren Stimme – und macht sich auch damit zu einer tragenden Säule von Family Affair.

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Schlagzeuger Léo bleibt dagegen immer im Hintergrund – sein Einfluss auf das Gesamtpaket ist dennoch groß. Denn er treibt das Ganze an, sehr professionell und modern, ohne Floskeln, aber dafür mit viel Kreativität und einigem Durchhaltevermögen. Ruhender Pol der Band ist Mutter Catherine am Bass, währen Vater Pierre nicht nur fetzig die Gitarre kreischen und quietschen lässt, sondern auch mit Charakterstimme einige Songs singt.

Die beiden jungen Freunde der Family sorgen für eine zuweilen härtere Gangart, die dem Ganzen sehr gut tut. Zum melodiösen Folk-Rock gesellt sich ein punkiger Up-Tempo-Rhythmus, der dem Publikum sichtlich einheizt.

Dazu kommt, dass Family Affair vor allem Eigenkompositionen spielt. Mal auf Französisch, öfter auf Englisch, oft auch ohne Gesang, rein instrumental – Family Affair zitiert aus dem Genre, bezieht sich hörbar auf Santana, Irish Folk, oder auch mal Klassik, was immer ihnen gerade ins Programm passt.

Mehr als nur ein Zugeständnis an das deutsche Publikum war das Cover von "Flieg’ ich um die Welt", einem Hit der Ost-Band "City", der zum Erstaunen der Band im Publikum gar nicht so bekannt war. Es ist die Mischung von zuweilen klagendem, düsterem Sound, großen Harmoniebögen und rockigem Rhythmus, der Family Affair zu etwas Besonderem macht.

Autor: ej