Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

30. März 2012

Gegen Alkoholmissbrauch und Gewalt

Mit Kursen an Schulen will die Soziale Rechtspflege Ortenau Jugendliche für Themen rund um Gewalt und Alkohol sensibilisieren.

  1. Nicht selten fliegen die Fäuste unter Einfluss von Alkohol. Foto: dpa

LAHR. Psychoterror im Internet, Faustschläge, Verbalattacken und Alkoholmissbrauch: Jedes Wort stellt für sich genommen schon ein Problem dar, das Täter und Opfer hervorbringt. Häufig bedingen sich Alkohol und Gewalt gegenseitig. Die Soziale Rechtshilfe Ortenau thematisiert das in Schulklassen.

Im Internet haben sie sich gegen ihn verschworen. Immer mehr seiner Klassenkollegen schließen sich der Gruppe "Michael ist doof" in einem sozialen Netzwerk an. Michael selbst schaut den Hänseleien im Internet tatenlos zu und leidet darunter. Dann wird der Spieß umgedreht: Statt des Opfers stehen nun die Täter im Mittelpunkt. In einem kleinen Rollenspiel in der Schule werden sie zu den Gehänselten und müssen erklären, wie sich das angefühlt hat. Sie sollen erleben, was sie ihren Opfern antun.

Der geschilderte Fall ist erfunden. Doch er steht beispielhaft für das, was immer wieder unter Jugendlichen abläuft. "Gewalt muss nicht heißen, dass man jemanden ins Gesicht schlägt", sagt Oliver Rösch von der Sozialen Rechtspflege Ortenau. Mobbing und Cybermobbing, also der Psychoterror im Internet, sind für ihn Formen von Gewalt. Mit Workshops in Schulen wollen der Sozialarbeiter und seine Kollegen etwas dagegen tun. "Das Internet schafft Distanz", erklärt Einrichtungsleiterin Angelika Roth. Rollenspiele und andere Angebote helfen dabei, Cybermobbing aus dem Internet in die Klasse zu holen. Michael ist nicht mehr bloß ein Name, sondern ein Mitschüler, der im selben Raum sitzt.

Werbung


Cybermobbing ist allerdings nur eines von vielen Themen, mit denen sich die Soziale Rechtspflege Ortenau in den Schulen beschäftigt. Denn die angebotenen Workshops sind Bestandteil des Projekts "Filmriss – Alkohol- und Gewaltprävention an Schulen" für Jugendliche zwischen 14 und 19 Jahren. Dabei geht es laut der Sozialen Rechtspflege vor allem auch darum, den häufig bestehenden Zusammenhang zwischen einem problematischen Umgang mit Alkohol und Gewalt herauszuarbeiten. An der Friedrichschule und dem Scheffel-Gymnasium in Lahr laufen bereits Kurse, in Offenburg soll demnächst ebenfalls einer starten. Die Soziale Rechtspflege Ortenau hat jedoch noch Kapazitäten frei und möchte laut Geschäftsführerin Roth gerne an möglichst vielen Schulen Kurse anbieten.

Die teilnehmenden Klassen erwartet kein Standardprogramm, sondern vielmehr eine Art Baukastensystem. "Wir gucken uns das an und entscheiden gemeinsam mit dem Lehrer, was wir machen", erklärt Angelika Roth. Übungen zur sozialen Kompetenz der Schüler gehören ebenso dazu wie Module zum Thema Gewalt und Alkoholmissbrauch. Auch Polizei und Suchtberatung sind mit im Boot und kommen bei Bedarf in die Schulen.

Zudem werden im Projekt "Filmriss", das bis Herbst 2013 läuft, zwei Anti-Gewalt-Trainings mit je 50 Stunden Laufzeit angeboten. Sie richten sich an Jugendliche, die unter Alkoholeinfluss straffällig geworden sind. Die Baden-Württemberg Stiftung und das Landeskriminalamt fördern "Filmriss" mit 35 000 Euro .

Kontakt: Soziale Rechtspflege Ortenau e.V., E-Mail: info@rechtspflege-ortenau.de,Tel. 07821/37992

Autor: Jens Klein