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28. Januar 2012

"Klangwelten kreieren"

BZ-INTERVIEW mit Jonas Obermüller über sein Studienjahr an der Film School in Vancouver.

  1. Jonas Obermüller an seinem Arbeitsplatz Foto: privat

LAHR. Lahrer, die an Musik interessiert sind, kennen Jonas Obermüller schon seit einigen Jahren: Als Percussionist sorgte er schon früh bei "Magic Drums” oder bei "Jugend musiziert" mit allerlei Schlagwerk für Begeisterung. Der 18-Jährige, der mittlerweile an der Musikhochschule in Trossingen studiert, hat vor kurzem ein Angebot für ein Stipendium im kanadischen Vancouver angenommen. Unsere Mitarbeiterin Juliana Eiland-Jung fragte nach.

BZ: Wie ist es zu dem Stipendium gekommen?

Obermüller: Ich habe bei einem international ausgeschriebenen Wettbewerb der Vancouver Film School (VFS) auf der Website soundcloud.com teilgenommen. Soundcloud ist eine der größten Audio-Plattformen weltweit, auf der Künstler ihre Werke präsentieren und austauschen können und auch ein Feedback erhalten. Ich weiß nicht genau, wie viele Einsendungen es gab, aber es wurden 200 davon über die Publikumsresonanz ausgewählt. Eine Jury aus Professoren der Vancouver Film School bewertete diese Vorauswahl und kürte zehn Finalisten. Die Endausscheidung ging dann wieder über das Internet, wobei sichergestellt wurde, dass jede E-Mail-Adresse nur einmal abstimmen konnte.

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BZ: Wie haben Sie von ihrem Erfolg erfahren?

Obermüller: Ich erhielt einen Anruf aus Vancouver vom Marketing Manager der Vancouver Film School, Thuy Khuk, dass ich den zweiten Platz im Wettbewerb belegt hätte, der mit einem Preisgeld von 10 000 Dollar dotiert ist. Da das gesamte Studienteam der Universität allerdings so begeistert von meiner Arbeit war, wurden mir zusätzliche Fördergelder der Hochschule im Wert von 18 000 Dollar zugesprochen. Damit ist mein Auslandsjahr in Vancouver gut abgesichert.

BZ: Was ist besonders an der Universität?

Obermüller: Die VFS ist eine der wichtigsten Hochschulen für Film weltweit. Ich werde dort den Studiengang "Sound Design for Visual Media" belegen, der sich mit Klängen in Filmen und Videospielen beschäftigt. Man arbeitet dort mit vielseitigen Profis aus der Industrie zusammen, zum Beispiel von Sony und Pixar. Und die Universität hat weitere Partnerschaften mit Firmen wie Adobe oder Hewlett Packard. Der Grundsatz der VFS ist, dass ein Jahr konzentrierter Arbeit mit direktem Bezug zur Praxis viel wertvoller ist als eine vierjährige, rein theoretische Ausbildung. Entsprechend viel wird auch von jedem Studenten erwartet. Man muss akzeptieren, dass man von morgens bis abends und auch am Wochenende an Projekten und Vorlesungen teilnimmt. Wer nicht die geforderten Leistungen bringt, kann ohne weiteres von der Hochschule verwiesen werden.

BZ: Sie studieren ja bereits in Trossingen das Fach Musikdesign. Was kann man sich darunter vorstellen?

Obermüller: Musikdesign ist ein neu gegründeter, zukunftsorientierter Studiengang, der sich auf die heutigen Bedürfnisse des Medienmarktes spezialisiert und vom Land gefördert wird. Meine drei Hauptfächer sind Komposition, Sound Design und Produktion. Wir arbeiten während des Studiums an realen Projekten, komponieren Musik und machen Sound-Design für Film und Werbung, produzieren Klanglandschaften für Messen, Ausstellungen und Museen, oder programmieren interaktive Audio-Anwendungen.

BZ: Also Computer statt handgemachte Musik? Was ist daran so interessant?

Obermüller: Da heutzutage jedes Instrument mit dem originalgetreu am Computer gesampelt werden kann, können auch ganze Orchestersätze digital produziert werden, wie es heute von der Werbung bis zur Filmmusik gang und gäbe ist. Was mich an dem Studium am meisten fasziniert, ist die Möglichkeit, die Vielseitigkeit der Klangmöglichkeiten auszuschöpfen und vollständige neue Klangwelten zu kreieren, die mit herkömmlichen Mitteln nicht zu erzeugen wären.

Jonas Obermüllers Arbeit kann man sich unter http://www.soundcloud.com/jonasobermueller anhören.

Autor: ej