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13. Februar 2017 16:15 Uhr

Benefizkonzert in Lahr

Mitreißend und teils herausragend

Das Benefizkonzert der Gospelchöre Rejoy aus Seelbach, Golden Harps aus Lahr und des Solisten Christian Ireozor in der Martinskirche war komplett ausverkauft. Im Kirchenschiff fanden sich nur noch Stehplätze.

  1. Die Golden Harps und Rejoy gemeinsam auf der Bühne, mittendrin Christian Ireozor Foto: Wolfgang Künstle

LAHR. Pfarrer Uwe Kündiger von der Luthergemeinde hatte einem Benefizkonzert zugunsten der Binnenflüchtlinge im Nordosten Nigerias Raum gegeben, das auf Initiative des aus Nigeria geflüchteten Christian Ireozor zustande gekommen war. Im Herbst 2015 war Ireozor in Lahr angekommen, hatte sich sehr schnell in der evangelischen Kirche beim Flüchtlingscafé der Christuskirche engagiert und im vergangenen Jahr den Ostergottesdienst in der Luthergemeinde mitgestaltet. Denn seine Stimme legt nicht nur Zeugnis ab vom Schicksal von rund 2,6 Millionen Binnenflüchtlingen in Nigerias Nordosten – er singt auch Gospel aus Überzeugung.

Seine eigene Flucht, sein Überleben angesichts der Verfolgung von Boko Haram, verstehe Ireozor als ein göttliche Rettung, wie Kündiger beim Konzert erklärte. Die Menschen kamen also nicht nur, um der mitreißenden Musik zu lauschen, sondern auch, um mit ihrem Konzerteintritt Hilfe für diese Menschen in Nigeria zu ermöglichen. Die Einnahmen gehen an gut 30 000 Gemeindemitglieder der "Kirche der Brüder" in Nigeria, die selbst Opfer von Boko Haram wurden. Wie Kündiger erklärte, waren unter den Mädchen, deren Entführung aus der Schule von Chibok im Mai 2014 durch die Medien ging, auch Mitglieder dieser Gemeinde. Inzwischen habe sich die Lage dort beruhigt, doch die Rückkehrer stünden vor dem Nichts. Das Evangelische Missionswerk Basel unterstütze die Menschen unter anderem mit diesem Geld beim Wiederaufbau der teils völlig zerstörten Infrastruktur und biete den Opfern Traumaarbeit an.

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Für ihre Spende wurden die Zuhörer jedenfalls musikalisch reich entlohnt. Rejoy und Golden Harps rissen mit ihren schwungvollen Gospels streckenweise das Publikum von den Stühlen und Kirchenbänken, und Ireozor gab acht seiner eigenen Gospels zum Besten. Hörte man auf seine englischen Texte, dann wurde klar, dass es nicht zuletzt diese Art Musik ist, die ihm selbst hilft, die traumatischen Erlebnisse seiner Flucht zu verarbeiten. Immer wieder erklärte er auf Englisch, worum es in seinen Liedern geht: Gebrochenen Menschen wieder Mut zu machen, auf Gott zu vertrauen, ihm für die Rettung zu danken, und dem Weg, den er ihm gewiesen habe, einfach zu folgen.

Glanzpunkte in den Programmen der Gospelchöre sind kaum herausgreifen und extra zu benennen, denn nicht nur das hohe Niveau der Vorträge, zum Teil mit herausragenden Solisten, sondern auch die fast entrückte Stimmung, die gute Gospelmusik bei Sängern wie Publikum entfacht, zog sich durch den rund dreistündigen Abend.

Autor: Babette Staiger