Ohne Scheu vor Genregrenzen

Juliana Eiland-Jung

Von Juliana Eiland-Jung

Mo, 22. Mai 2017

Lahr

Das Hartmut-Saam-Trio in Lahr.

LAHR. Den Badenern wird vom Rest Deutschlands ja gerne italienisches Lebensgefühl bescheinigt, Dolce Vita begünstigt durch gutes Wetter. Der Akkordeonist Hartmut Saam bringt Baden und Italien noch näher zusammen in seinem Trio mit Giovanni Rago an der Gitarre und Massimo Magaldi am Schlagzeug. Am Samstagabend begeisterten sie das Publikum im Lahrer Stiftsschaffneikeller.

Das halbe Jahr über lebt Saam in Süditalien und kündigte an, seinen Zweitwohnsitz in Freiburg bald ganz aufzugeben. Seinen deutschen Fans wird er aber erhalten bleiben, denn die kleinen Konzerttourneen in den "Foresta negra, wunderbar" sollen weiter bestehen. Die gleichnamige Eigenkomposition von Saam ist entstanden nach einer Tour durch den Hochschwarzwald, bei der seine musikalischen Mitstreiter deutsche Vokabeln lernten. Klingen tut das Ganze dann aber mehr nach italienischer Leichtigkeit statt Schwarzwald-Düsternis, und so ist es auch den ganzen Abend. Viel Schwung, Temperament, Drive steckt in den Kompositionen und in den teils freien Adaptionen von Chanson-Klassikern wie Edith Piafs "La Foule" oder Jacques Brels "Dans le Port d’Amsterdam". Im Original ein Walzer wird er hier zu einem drängenden Derwischreigen entwickelt. Das Hartmut-Saam-Trio verlegt das Ganze in den entspannt-lässigen Rhythmus des Reggae, und das passt auch, hatte Brel doch lange Jahre auf einer Südseeinsel gelebt.

"Musik aus Europa" hat Saam zusammengestellt, und keine Genregrenzen gescheut. Eine "Gnossienne" von Eric Satie wird zum Latin-Jazz-Standard, Astor Piazzollas "Libertango" zum Virtuosenstück in Improvisationen aller drei Musiker. Massimo Magaldi erweist sich als Meister der Besen und Doppelschläge und ist immer in Bewegung mit kleinen Akzenten und mit zu recht heftig beklatschten Soli. Giovanni Ragos Spiel an der halbakustischen Gitarre ist weich und kreativ, mal klingt es nach Pink Floyd, mal nach russischer Balalaika, und insgesamt einfach richtig gut. Hartmut Saam ist mit seinem virtuosen, oft auch rhythmisch verschränkten Spiel auf beiden Seiten des Akkordeons Dreh- und Angelpunkt des Trios. Riesenapplaus, zwei Zugaben, ein toller Abend.

Info: Am 23. 5. gastiert das Hartmut Saam-Trio mit Thomas Bauser (Hammond) im josfritzcafé, Freiburg. Beginn 20.30 Uhr.