Schön schräg und hervorragend

Juliana Eiland-Jung

Von Juliana Eiland-Jung

Mo, 11. Juni 2018

Lahr

Stoermer-Quartett in Lahr.

LAHR. Am Anfang klang das Lars-Stoermer-Quartett am Freitagabend im Lahrer Stiftsschaffneikeller ganz schön schräg. Gibt es ein System in diesem rhythmisch verschachtelten Klangkosmos aus expressiv geblasenem Saxophon, kreativ mit klassischen Einflüssen spielendem Piano, ausdrucksstark und dennoch zurückhaltend agierendem Kontrabass und feinsinnig eingesetztem Schlagzeug? Dann plötzlich: Generalpause, ein kurzes rockiges Versatzstück, weiter mit latin-inspiriertem Offbeat, einem kleinen, fast schon träumerischen Piano-Saxophon-Duett, dann scheinbar kindliches Glockenspiel-Geklingel aus der Schlagwerk-Abteilung.

Was das Ganze soll? Lars Stoermer wollte mit seiner Komposition die menschliche Kommunikation schildern, das Hin und Her von Rede und Gegenrede, Verständnis und Missverständnis, das oft genug die Probleme erst schafft, die es hinterher wieder zu lösen gilt, wie er erklärte. Das Publikum ist gespannt, wie es nach einem solch ausufernden Beginn weitergehen wird. Nach zwei Stunden ist klar: Ein hervorragendes Ensemble, das mehr Zuhörer verdient gehabt hätte.

Chet Baker hätte seine Freude am "Liebeslied" gehabt

Vergleiche fallen schwer bei diesen vier fast gleichberechtigt agierenden Musikern, doch einer drängt sich beim von Stoermer selbst komponierten "Liebeslied" schon nach den ersten Klängen auf: Chet Baker hätte seine Freude an diesem romantischen Stück gehabt, so rau und doch schmeichelnd, ruhig und doch voller Spannung schleicht sich der Sound von Vertrautheit und Zuneigung in die Herzen des Publikums.

Das Stoermer-Quartett kommentiert die Welt mit seiner Musik, kein abgehobener Klangexperimente-Jazz, aber auch kein Standard-Geplänkel, sondern ein eigenständiger Sound, in dem jeder Musiker seine Freiräume ausgestaltet und auch in den Soli überzeugen kann. Schlagzeuger Raphael Becker-Foss (dessen Großvater bis 2012 in Lahr lebte und bis ins hohe Alter Konzerte gab) verwendet ausschließlich Besen und gedämpfte Klöppel; Bassistin Clara Däubler gewann das Publikum mit ihrer Komposition "Crepuscule" (Abenddämmerung) für sich; Eike Wulfmeier (Piano) entwarf für jedes Stück eine ganz eigene Handschrift, und Lars Stoermer verband das Ganze mit Saxophon und Bassklarinette zu einer stimmigen Einheit.