Schwindelig gespielt

Juliana Eiland-Jung

Von Juliana Eiland-Jung

Di, 04. April 2017

Lahr

Luca Aarons Minua in Lahr.

LAHR. Der Kulturkreis versorgt mit seiner Reihe "Jazz im Keller" die Lahrer Jazzfans mit Konzerten und bietet vor allem auch dem Jazz-Nachwuchs eine Bühne. Schön, dass dabei auch immer wieder ehemalige Lahrer zu hören sind, wie am Samstagabend der 22-jährige Gitarrist Luca Aaron mit seiner Formation Minua.

Nach Beendigung seines Musikstudiums in Basel, wo er auch seine beiden Mitmusiker Kristin Smári Kristinsson (Gitarre) und den Bassklarinettisten Fabian Willmann kennengelernt hat, hat der ehemalige Schüler des Clara-Schumann-Gymnasiums die Musik zum Beruf gemacht und war Anfang des Jahres bereits mit seiner Formation "Otollo 4" im Stiftsschaffneikeller zu Gast. Beide Ensembles arbeiten mit ähnlichen Mitteln: Rhythmische Patterns und einem "Flow", der Musiker wie Zuhörer mitnimmt, sind prägend für dieses Genre des Jazz, das zugleich frei und improvisatorisch wie auch durch minimalistische Figuren strukturiert ist. Besonders im ersten Teil des einstündigen Konzerts wird deutlich, was die drei jungen Jazzer darunter verstehen: Die einzelnen Stücke, die mit Titeln wie "Liquiprom" oder "Jumps" assoziativ überschrieben sind, werden aneinandergehängt, entwickeln sich auseinander heraus, ergeben einen Klangteppich, in dem man immer wieder Muster erkennt. Vor allem aber entsteht ein Sog, der sich mal meditativ, mal eruptiv entwickeln kann.

Die Besetzung ist so ungewöhnlich wie effektvoll. Die beiden Gitarren werden durch allerlei technisches Equipment gesampelt oder mit Soundeffekten verfremdet. Doch es geht auch ohne große Technik: So greift Luca Aaron einmal zu Blechdose und Tuch, um seiner Gitarre eine wahre Explosion an Tönen zu entlocken, die ohne die musikalischen Vorgänger aus der Rockmusik nicht denkbar wären. Mit ihren rhythmischen Verschachtelungen und Verwebungen, die in den gezupften Passagen vorherrschen, spielen die beiden Gitarristen die zwei Dutzend Zuhörer des Konzerts geradezu schwindlig.

Dazu kommt die Bassklarinette, gleichberechtigt gewichtet im Klangkosmos von Minua, die mit ihrem warmen, tiefen Klang dem Trio seine ganz eigene Anmutung verleiht. Fabian Willmann ist eigentlich Saxophonist und hat eigens für diese Formation zur Klarinette gewechselt – eine hervorragende Entscheidung.

Viel Applaus für einen spannenden, überraschenden und jungen Jazzabend.