So aktuell wie bei der Uraufführung 1752 in Venedig

Susanne Ramm-Weber

Von Susanne Ramm-Weber

Fr, 08. Dezember 2017

Lahr

Die Komödie im Bayrischen Hof bringt das Lustspiel "Die Wirtin" von Carlo Goldoni auf die Bühne der Lahrer Stadthalle.

LAHR. "Die Wirtin" ist eine Lustspielkomödie des italienischen Autors Carlo Goldoni (1707 bis 1793), uraufgeführt im Jahr 1752 in Venedig. In einer Inszenierung der Komödie im Bayrischen Hof (München) hatte dieses zeitlose Stück nun Premiere in der Stadthalle Lahr, deren Foyers nun umfassend saniert werden. Zwar sind die Kostüme antikisierend, das Stück jedoch erzählt von allgemeingültigen Dingen, die zu jeder Zeit aktuell sind – der Werbung, Eroberung und dem Besitz einer freien Frau.

Als diese macht Mirandolina, überzeugend gespielt von Mariella Ahrens, eine Bella Figura. Zwei Herren, der Graf von Albafiorita, den Peter Rappenglück mit brummig bäriger Stimme gibt, und der von Gilbert von Sohlern klar devot angelegte, verarmte Marchese von Forlipopoli, werben um die Gunst der Wirtin. Der eine tut‘s mit Geld und Schmuckgeschenken, der andere bietet seinen Schutz an. Beiden ist Mirandolina, die ihr Vater dem alerten Diener Fabrizio (Ricardo Angelini) versprochen hat, nicht allzu gewogen. Den hinzugekommenen Frauenverächter Cavaliere von Ripafratta, der an verwundetem Herzen leidet, hingegen versucht sie mit weiblichen Listen wie einer vorgespielten Ohnmacht, derart für sich einzunehmen, dass er schließlich tatsächlich in Liebe entbrennt und sich echauffiert, als das bloße Spiel zum Vorschein kommt. Derweil sind mit Ortensia (Esther Kuhn) und Dejanira (Laura Rauch), zwei Komödiantinnen eingetroffen, die eine im roten, die andere im blauen Kleid. Sie bereichern die Szene und lenken den Grafen und den Marchese von der Wirtin ab.

Das Bühnenbild ist denkbar einfach gehalten. Einige Leinwände zeichnen die umgebenden Häuserfronten nach. Angelegt ist eine "Sonnenterrasse", Stege, die an Venedig bei Hochwasser erinnern, in Sonnenform. Das verwundert, denn eigentlich spielt die Handlung in Florenz. Einfache Wirtshaus-Bestuhlung ergänzt das Bild, und eine Wäscheleine mit weißer Unterwäsche und Bettlaken zeugt von der Reinheit des koketten Spiels, das mit Kalauern unter der Gürtellinie (Die Wirtin bei Regen: "Keine Sorge, ich werd nicht so schnell feucht") und Wortspielen ("Pomodori auf den Augen") angereichert wird. Als wunderbar erweist sich die Begleitung des Stückes durch einen jungen bulgarischen Geiger, Dilyan Kabranov, den der Regisseur Thomas Pekny in München auf der Straße quasi aufgelesen hat. Kabranov untermalt sensibel die Handlung, Melodiefragmente aus George Bizet’s Oper "Carmen" oder "Peter und der Wolf" von Sergej Prokofiev geben dem Sprechtheater eine warme Note. Mitunter gibt es Sonderapplaus für die Zwischenstücke zwischen den drei Akten. Das Spiel geht munter, nicht allzu schnell, und wird immer wieder von lustigen Momenten aus der eher ruhigen Grundstimmung emporgehoben, etwa als der Marchese vom Steg aus angelnd zeitgleich einen "Fisch" fängt, als Mirandolina und der Cavaliere sich küssen.

Am Ende resümiert Mirandolina über die Liebe, die sich zeige, wenn der Mann eifersüchtig werde angesichts von Konkurrenz, und nicht in Geschenken. Am Ende nimmt sie dann doch Fabrizio, der stets ihr treuer Diener war und zur Seite stand, um fortan als brave Ehefrau zu leben. Viel Applaus für eine gelungene Premiere.