Starke Rendite, schlechte Prognose

Wolfgang Beck

Von Wolfgang Beck

Fr, 22. Juni 2018

Lahr

Hauptversammlung der Bürgerenergiegenossenschaft E-Werk Mittelbaden.

LAHR/FRIESENHEIM (wob). Traumergebnisse haben Vorstand und Aufsichtsrat für Projekte der Bürgerenergiegenossenschaft E-Werk Mittelbaden
(BEG Mittelbaden) am Mittwoch in der Sternenberghalle präsentiert. Im Fokus stand das Geschäftsjahr 2017, für das 3,7 Prozent Dividende ausgeschüttet wurden. Rund fünf Millionen Euro wurden investiert, vornehmlich in Photovoltaik- und Windkraftanlagen. Doch bei aller Euphorie über Bilanzgewinn und Rendite: Künftig werden in der Region kaum noch Projekte angestoßen, sagte die Vorstandsvorsitzende Brigitta Schrempp vor 150 Mitgliedern. Die Genossenschaft sei aktuell für Neumitglieder geschlossen.

Neue Geschäftsfelder seien durch ehrenamtliche Vorstände kaum mehr leistbar, sagt Brigitta Schrempp mit sorgenvollem Blick in die Zukunft. "Vieles, was wir auf dem Präsentierteller geboten haben, gibt es nicht mehr", lautete die ernüchternde Bilanz von Berthold Geppert, der die zukünftige Strategie vorstellte, bei der Anfang des Jahres die Rahmenbedingungen ausgelotet wurden. "Das Ergebnis ist ernüchternd." Denn Investitionen will die Genossenschaft nur in schlüsselfertige Projekte geben, die regional ausgerichtet sind. "Keine Teilnahme an riskanten EEG-Ausschreibungsverfahren", so die neue Strategie, zu der die Forderung gehöre, dass die Rendite neuer Projekte nicht geringer sein dürfe als die bisherige.

Es gibt kaum noch rentable Projekte

Das Ergebnis einer vorstandsinternen Strategiesitzung war laut Geppert: Es gibt kaum noch rentable Projekte im erneuerbaren Bereich. Der Ausbau der erneuerbaren Energien nehme spürbar ab, neue Projekte in der Region würden kaum noch angestoßen. Auch werde es keine großzügigen Projektangebote von Seiten des E-Werks mehr geben, sagte Geppert, auch wenn der Energieversorger gerne mehr Projekte umsetzen wolle.

Für die zukünftige Strategie, so Berthold Geppert, sollen weitere Projekte gesucht werden. "Im aktuellen Umfeld ist nichts sichtbar", so Geppert ernüchternd, der einräumte, "wenn nichts mehr geht, dann geben wir das Geld an die Mitglieder zurück". Er wies auf die erforderliche Beschlussfassung bei der Mitgliederversammlung im Juni 2019 hin.

In der Bewertung der politischen Entwicklung kam BEG-Vorstand Brigitta Schrempp zur Auffassung, dass die neue Bundesregierung beim Thema Erneuerbare Energien zunehmend auf die Bremse trete. Kritik gab es an den Ausschreibungsverfahren, die große Projektierer begünstigten, was zu Nachteilen kleiner Bürgerenergiegenossenschaften führe. "Der Ausbau von Windanlagen kommt bei uns zum Erliegen", zeigte Brigitta Schrempp die negative Entwicklung auf, die durch den Stimmungswechsel in der Bevölkerung begünstigt werde. Kaum rentable Standorte seien mehr vorhanden und der strenge Naturschutz verhindere außerdem neue Standorte. Das Fazit: "Es wird nicht einfacher, wir bleiben aber dran".

Die Erfolgsmeldung über die realisierten Projekte in 2017 steuerte Frank Kunzelmann bei: "Ein hervorragendes Jahr bei Photovoltaik und Windkraft". Von der Photovoltaikanlage auf dem Mattenhof über den Freizeithof Langenhard bis zu den Windanlagen Prechtaler Schanze listete er zweistellige Ergebnisse über Plan mit super Renditen und Einspeisevergütungen auf. "Photovoltaik ist der Renditebringer", sagte Kunzelmann. Auch beim jüngsten Kind, der Photovoltaikanlage auf einem Munitionsdepot in Waltersweier, in die rund eine Million Euro investiert wurde, laufe alles rund.

Weitere Informationen unter http://www.beg-mittelbaden.de