Wie ein Hausmusikabend unter Freunden

Juliana Eiland-Jung

Von Juliana Eiland-Jung

Di, 31. Januar 2017

Lahr

Brassel und Eckert: Abendstille.

LAHR. Der Kulturkreis Lahr bietet in seinem Stiftsschaffneikeller immer wieder ganz unterschiedliche Formate an. Ein Glück, dass der ehemalige Weinkeller sich für Jazzkonzerte oder Amateurtheaterabende genauso eignet wie für leise, kleine Formate. Am Freitagabend gastierten zwei unter anderem durch die Heiligenzeller Schlosskonzerte in der Region bestens bekannten Musiker, der Pianist und Cembalist Hans-Wolfgang Brassel und der Cellist Hans Michael Eckert, mit ihrem geradezu intimen musikalisch-literarischen Programm "Abendstille".

"Ein richtiger Hausmusikabend", befand eine der rund 40 Zuhörerinnen nach dem Konzert, und das war als Kompliment zu verstehen. Denn die Atmosphäre des Konzerts war so persönlich, die Darbietungen so unprätentiös, dass sich ein Wohnzimmer-Effekt einstellte, bei dem die Aufforderung ans Publikum, Matthias Claudius’ "Abendlied" doch einfach selbst zu singen, gerne angenommen wurde. Natürlich durfte dieser Klassiker nicht fehlen in einem Programm, das aber weit über das Erwartbare hinaus ging. Nachdenkliches und Heiteres, Musik von Barock bis Romantik, vor allem auch seltener gehörtes wie Johann Caspar Ferdinand Fischers "Chaconne" oder Edward Elgars "Salut d’amour". Mit Georg Friedrich Händels "Ouvertüre für Violoncello und Continuo" und Matthias Claudius’ Gedicht "Ein Lied, hinter dem Ofen zu singen" wurde das Publikum eingestimmt auf den ersten, ernsteren Programmteil, in dem Bachs Schemelli-Abendlied, bei dem Hans-Martin Brassel am Cembalo saß und Hans Michael Eckert mit dem Cello die Gesangsstimme spielte. Genauso machten es die beiden bei Gabriel Faurés Lied "Après un rêve", und damit gelang dem Duo das schönste, berührendste Stück des Abends.

Die Tatsache, dass Brassel vom Flügel zum Cembalo und von dort immer wieder zu seinem Platz als Vorleser wechselte, dabei eine Stehleuchte jeweils neu justieren und seine Textsammlung herbeiholen musste, erzeugte eine charmante Umständlichkeit, die gut dazu passte, dass Brassel nicht deklamierte, sondern einfach vorlas. Die kleine Erzählung von Hanns Maria Lux’ über die von Engelchen verschüttete Milch, die als Milchstraße an Jesu ersten Haferbrei erinnert, war ebenso zu hören wie Kurt Tucholskys Klassiker "Die Musikalischen".

Ein gelungener Abend, für den sich das Publikum mit warmherzigem Applaus bedankte. Bei der Zugabe übernahm einmal mehr das Cello die Gesangsstimme bei Giulio Caccinis Ave Maria. Ein Ohrwurm, mit dem die "Abendstille" noch lange nachklang.