Fünf Landesgartenschauen

Landesgartenschau: Gute Investitionen ins Stadtbild

Susanne Stoppelbein, Stefanie Adomeit, Karl Kovacs, Andreas Mangiras

Von Susanne Stoppelbein, Stefanie Adomeit, Karl Kovacs & Andreas Mangiras

Do, 12. Juli 2018 um 09:04 Uhr

Lahr

Gleich, wie die Besucherzahlen am Ende ausfallen – die vier Orte, in denen neben Lahr derzeit Landesgartenschauen stattfinden, profitieren auf lange Sicht.

LAHR. Fünf Landesgartenschauen in fünf Bundesländern gehen dieses Jahr über die Bühne. In Lahr wurde kürzlich der 400 000. Besucher begrüßt, die Bilanz fällt positiv aus. Wie sieht es in Bad Schwalbach (Hessen), Bad Iburg (Niedersachsen), Würzburg (Bayern) und Burg (Sachsen-Anhalt) aus? Wo gibt es Lob, wo Kritik? Die BZ hat sich umgehört. Ein Überblick.

Bad Schwalbach

Von Susanne Stoppelbein (Wiesbadener Tagblatt)
Die Kurstadt Bad Schwalbach, einst Reiseziel europäischen Hochadels, hat sich herausgeputzt. Im Sog der sechsten hessischen Landesgartenschau flossen über die LGS-Zuschüsse hinaus weitere Fördermittel. Rund um den Kurpark ist das meiste saniert oder neu. Über 120 000 Besucher haben bislang die 12,4 Hektar große Schau in den beiden Parktälern erkundet, mit der Pop-Band Fools Garden gesungen oder Starkoch Mirko Reeh in der Showküche über die Schulter geschaut. Obwohl es überall blüht, versteht sich die LGS nicht als Blümchenschau, sondern möchte den Gästen die touristischen Reize der Region vermitteln. Dafür steht das Motto "Natur erleben – Natürlich leben". Man kann nicht nur Schaugärten oder Blumenhallen, sondern auch Moor und Landleben erkunden. Im Kurpark weiden vom Aussterben bedrohte Haustierrassen, in einem urigen "Landhaus" gibt es Äppler und Handkäs.

Wer hochrechnet, ahnt, dass trotz wochenlangen sommerlichen Wetters die kalkulierten 500 000 Besucher wohl nicht zu erreichen sind. Von Beginn an haben Fachleute eher 300 000 Besucher als realistisch angesehen, sagt Bürgermeister Martin Hußmann (CDU). Bei ihm wie bei LGS-Geschäftsführer Michael Falk, überwiegt aber die Überzeugung, dass sich die LGS als Projekt der Stadtentwicklung jetzt schon gelohnt hat. "Mindestens ebenso wichtig wie der Eindruck der Besucher ist die Wahrnehmung der Bad Schwalbacher Bürger", findet Falk. Selbst bisher entschiedene Gegner seien "zum weit überwiegenden Teil begeistert". Viele Ehrenamtliche wollen sich nach der LGS weiter engagieren. Die Stadt hofft auf neue Perspektive durch den touristischen Impuls.

Probleme gab es vor allem zum Start mit der Beschilderung für Fußgänger und Autofahrer. Hier wurde nachgebessert. Fördervereinsvorsitzender Karl-Heinz Petry würde sich weit mehr Werbung für die Schau wünschen. "Werbe- und Marketingmaßnahmen laufen nach Plan im ausgearbeiteten Marketing-Mix", so Falk. Insbesondere für den Zeitraum der Sommerferien wolle man aber noch mit zusätzlichen Maßnahmen nachsteuern.

Bad Iburg

Von Stefanie Adomeit (Neue Osnabrücker Zeitung)
273 000 Besucher zur knappen Halbzeit: Für Laga-Chefin Ursula Stecker war die Verkündung dieser Zahl am gestrigen Mittwoch "wie Weihnachten". Die Gästezahlen liegen zehn Prozent über der erwarteten Halbzeitrate. Laga-Experten wissen: Die erste Halbzeit ist meist die schlechtere. Der Großteil der Besucher kommt aus Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, aus den Niederlanden und vereinzelt aus Süddeutschland. Besucher sind jung: im Schnitt zwischen 45 und 50 Jahren.

Dabei haben sich die Bad Iburger ihre Landesgartenschau mühsam erkämpft – gegen einen Stadtrat, der vier Jahre lang Abstimmungs-Pingpong gespielt und die touristische Zukunft des Kneippkurorts im Osnabrücker Land beinahe verspielt hätte. Die Landesgartenscheu hatte Gründe. Man sorgte sich um die Kosten, gewährt Niedersachsen Gartenschauen kein Geld. Wegen des langen Gezänks konnten die Bagger erst zwei Jahre vor der Eröffnung der LGS anrollen – nach einem Bürgerentscheid, in dem 61 Prozent die Laga wollten. Und wie sie wollten: Förderverein, Stadt, Laga-Gesellschaft, Kreis, Nachbarorte, Vereine und viele Ehrenamtliche lassen die Laga gedeihen.Kein Wunder: Unterhalb des Schlosses, in dem Preußens Königin Sophie Charlotte die Kindheit verbrachte, wird auf 27 Hektar viel geboten: ein 440 Meter langer und bis zu 32 Meter hoher Baumwipfelpfad, elf Themengärten, Blumenhallenschauen, Schmetterlingshaus, Blütenterrassen, 14 Lichtungen, ein Kneipperlebnispark und eine Bewegungswiese.

Der Einladung "Tauch ein in den neuen Zauber" folgen aber nicht nur Auswärtige. Die Iburger feiern ihren neuen Garten gerne abends: Mit Picknickkorb geht’s auf den Lieblingsplatz. Die Reihe der Events ist lang, sie reicht von Wildbienen-Wanderungen über das Landes-Chorfest und Steampunk-Festival bis zu Kräuterkunde und Selbsthilfeangeboten. Der Verzicht auf große Stars minimiert finanzielle Risiken – und das Interesse an den 1800 Veranstaltungen ist groß.

Würzburg

Von Karl Kovacs (Badische Zeitung)
Das Gartenschaugelände im fränkischen Würzburg befindet sich auf einer Hochfläche etwa zwei Kilometer von der Innenstadt entfernt. Dort, wo einst US-Streitkräfte stationiert waren, entsteht der neue Stadtteil Hubland. Der Park ist das Herzstück der Schau. Mit knapp einer Million Besuchern rechnen die Verantwortlichen zwischen dem 12. April und 7. Oktober. Ende Juni berichtete die Gartenschau GmbH von 350 000 Besuchern, einige Wochen zuvor von 23 000 verkauften Dauerkarten. Mit den Zahlen sind die Verantwortlichen zufrieden.

Zu wenig Blumen, zu viel Asphalt, zu hohe Preise und das gastronomische Angebot: Schon früh äußerten Besucher Kritik. Im Juni, nach zwei Monaten, besserte die LGS GmbH nach. Vorher-Nachher-Bilder sollen das Gelände besser erklären, Studenten beantworten an Wochenenden die Fragen der Besucher und helfen ihnen, sich auf dem 28 Hektar großen Gelände zurechtzufinden. Weitere Neuerung und Parallele zu Lahr: In Würzburg gibt es von Juli an eine Bahn, die ihre Runden übers Gelände ziehen wird. Auch bei der Fahrt sollen die Besucher über die wichtigsten Stationen informiert werden.

Die Preise für Speisen und Getränke werden ebenfalls kritisiert, außerdem bemängeln Besucher, dass zu viel Fast Food angeboten wird. Sie vermissen regionale Produkte mit frischem Gemüse. In der Main Post sagt LGS-Geschäftsführerin Claudia Knoll, dass sich kein Betrieb aus Unterfranken für das Catering beworben habe. Grund sei die lange Laufzeit von 180 Tagen. Die Firma Polster Catering betreibt in Würzburg alle fünf Gastro-Standorte. In Lahr betreibt das Unternehmen aus Sachsen das Zelt im Bürgerpark mit Platz für 700 Menschen.

Burg

Von Andreas Mangiras (Volksstimme)
Die Landesgartenschau Burg ist nach Einschätzung von Erhard Skupch, einem der beiden Geschäftsführer der Laga GmbH, auf gutem Weg. Dennoch kämpft die Laga mit Besucherzahlen: Zum aktuellen Zeitpunkt habe man mit 187 000 gerechnet, derzeit sind es 20 000 Besucher weniger. Ob die Laga ihr Ziel von 450 000 Besuchern bis zum 7. Oktober erreicht, ist fraglich. Viele heiße Tage haben den Besucherstrom etwas austrocknen lassen. "Mit der Abkühlung kommen die Gäste wieder verstärkt", ist Skupch zuversichtlich. Auch die Halbjahreskarte, die ab Juli angeboten wird, soll Gäste bringen.

Absolute Renner sind laut Skupch die drei Spiellandschaften, die mit Wasser, Sand, ungewöhnlichen Anlagen eine Verbindung zur Burger Geschichte herstellen. Auch die großzügig angelegte Skateranlage, mit viel Engagement der örtlichen Szene entstanden, ist ein Besuchermagnet. In das 420 Quadratmeter große Areal flossen für die Jugendkultur 150 000 Euro. Zufrieden sind die Laga-Leute mit dem Zuspruch bei Veranstaltungen auf der Hauptbühne: Die Partys regionaler Radiosender oder der Auftritt von Ost-Schlager-Ikone Ute Freudenberg haben Fans angezogen. Am 11. August soll Max Giesinger vor allem die Jugend rocken.

Auf Hinweise und Kritiken wollen die Macher schnell reagieren, betont Skupch. So wurde das Leitsystem korrigiert, weil doppeldeutige Infos Gäste in die Irre führten. Für die Bimmelbahn, mit denen Besucher über einen Rundkurs alle Attraktionen anfahren können, wurde der Fahrtakt verkürzt, um Wartezeiten zu verringern. Am Wochenende fährt sie am Tag eine Stunde länger. Das Gastroangebot sei nach Kritik verbessert worden. Die Preise seien laut Skupch angemessen, auch für den Qualitätsanspruch, den die Laga erfüllen soll. Sorgen über Vandalismus und Einbrüche gibt es. Aber sie hielten sich bisher in Grenzen. Ein Sicherheitsdienst ist rund um die Uhr in den eingezäunten Arealen im Einsatz.

17 Millionen Euro sind für die Laga in vier Kernflächen investiert worden. Zwei historische Parks wurden neu hergerichtet. Eine Gartenlandschaft entstand entlang dem Flüsschen Ihle. Der Weinberg mit 350 Rebstöcken bietet einen Blick über die Stadt. Die Areale prägen das neue Stadtbild von Burg maßgeblich. Seit 1990 flossen rund 70 Millionen Euro in öffentliche Städtebau-Vorhaben.

Inhaber einer Dauerkarte können die anderen Gartenschauen jeweils einmal kostenlos besuchen.