Langer Anlauf Richtung Titel

Johannes Bachmann

Von Johannes Bachmann

Do, 13. September 2018

Frauenfussball

Frauen-Landesligist SV Titisee baut auf ein Trainerduo und einen deutlich vergrößerten Kader.

FUSSBALL-LANDESLIGA, FRAUEN. "Das wird eine verrückte Saison", vermutet Jasmin Kaiser, Trainerin des SV Titisee, die zusammen ihrem Kollegen Frank Furtwängler, der in der vergangenen Spielzeit noch die B-Juniorinnen des SV Titisee coachte, als gleichberechtigtes Duo ein Frauenteam führt, das Großes vorhat. Meister werden wollen Titisees Landesliga-Fußballerinnen, die zum verspäteten Rundenauftakt am Sonntag beim TSV Aach-Linz gefordert sind. "Aber den Titel wollen auch fünf andere Teams, deshalb spucken wir keine großen Töne", so Kaiser.

TSV Aach-Linz – SV Titisee (Sonntag, 15 Uhr). Neun Wochen lang haben sich die Titiseer Fußballerinnen, die auf einem abgewetzten und dringend sanierungsbedürftigen Kunstrasenplatz daheim sind, auf die Saison vorbereitet. Das ist eine Rekord-Anlaufzeit. So lange würde sich kein Männer-Team im Hochschwarzwald vorbereiten (wollen), weil Training ohne Wettkampfaussicht nicht nur prickelnd ist. Frauen ticken da anders, vermutet Jasmin Kaiser und überhaupt seien es ja "nur" sechs Wochen, weil jede ihrer Fußballerinnen in dieser Zeit mindestens drei Wochen Urlaub genommen hatte. Die Begeisterung am Ball sei ungebrochen, in sechs Testspielen gegen höherklassige Teams verschoben die Titiseer Fußballerinnen ihre Leistungsgrenzen und profitierten auch von Niederlagen.

Größer, schlagkräftiger und damit weniger leicht auszurechnen sei der Kader geworden, so Jasmin Kaiser. Zurückgekehrt zu ihrem Stammverein sind zwei Weltenbummlerinnen. Maike Gantert sprüht nach neun Monaten in Australien vor Spielfreude, Anna-Lena Schwörer, "die überall auf der Welt unterwegs war", wie Kaiser aus einem Vieraugengespräch weiß, brennt ebenso vor Ehrgeiz wie Norah Holoch, die vom Landesliga-Konkurrenten FV Marbach zum SVT wechselte. Aus dem Team der B-Juniorinnen den Sprung in die Landesliga schaffen wollen Celina Spee und Laura Birkle. Dazu kommt, nach einer langen Pause in der vergangenen Saison, Leistungsträgerin Sophia Herrmann, "die uns richtig gut tun wird", wie die Trainerin hofft. Die Vorfreude auf die Saison ist groß, "man merkt, dass die Mädels was vorhaben", so Kaiser, "die wollen mitmischen. Ganz vorne". Leidenschaft, die es auch mal zu dämpfen gilt. "Manchmal muss ich die Mädels auch ein bisschen bremsen", sagt die Trainerin. Das gelte allerdings auch für sie selbst. Wie ihre Spielerinnen sei sie als als junge Übungsleiterin noch keine Könnerin ohne Fehler: "Ich muss noch viel dazulernen", so Kaiser "und manchmal bin ich zu impulsiv".

Unterstützt wird sie seit Beginn der Saisonvorbereitung von Frank Furtwängler. Der ist ein Bär von einem Mann und an der Außenlinie die Ruhe selbst. "Wir ergänzen uns prima", so Kaiser, "die Chemie stimmt". Gleichberechtigt führen die zwei das Team, "was der eine nicht sieht, sieht der andere". Das spüren auch die Titiseer Fußballerinnen. "Die Mädels sind jetzt viel mehr unter Beobachtung", so Kaiser – und die Spielerinnen bekämen direkte, schnelle und präzise Rückmeldungen von außen. Unterstützt wird das Übungsleiterduo von Athletiktrainerin Sophia Malaoui und Torwarttrainerin Nadine Kaiser.

Das zeigt, wie professionell Sport auch im Hobbybereich geplant werden kann. "Die Mädels sind definitiv fitter als in der vergangenen Saison", so Kaiser. Das war schon Anfang August zu erkennen, als die Titiseerinnen die Bundesliga-Fußballerinnen des SC Freiburg im Neustädter Jahnstadion erwarteten. Vor 400 Zuschauern war die robuste SVT-Torhüterin Stefanie Preisendanz im ersten Durchgang der erhoffte stabile Rückhalt, immer wieder rannten sich die SC-Fußballerinnen in der massierten Titiseer Abwehr fest. Mit Verve hechtete und faustete Preisendanz, verletzte sich erst am rechten, dann am linken Knie, hatte maßgeblichen Anteil am nur knappen 0:3-Rückstand zur Pause und versprach: "Auswechseln lass’ ich mich hier nicht." Im zweiten Durchgang wechselten Kaiser und Furtwängler fast komplett durch und die Freiburgerinnen, die es jetzt nicht mehr mit der Brechstange durch die Mitte, sondern über die Flügel probierten, feierten noch einen standesgemäßen 13:0-Erfolg im Neustädter Jahnstadion.

"Das war unser erstes Spiel des Jahres", so Jasmin Kaiser, aber da komme sicher noch mehr: "Wir wollen in der Landesliga einige deftige Partien liefern."

Landesliga-Kader SV Titisee

Tor: Stefanie Preisendanz, Manuela Schwörer. Abwehr: Linda Wangler, Katrin Beha, Maike Gantert, Nora Hohloch, Anna-Lena Schwörer, Britta Hog, Anna Felski. Mittelfeld: Lotta Kleiser, Janina Gutzweiler, Sabrina Gutzweiler, Corinna Gfrörer, Sophia Herrmann, Laura Birkle, Celina Spee, Melanie Schülein. Angriff: Amanda Nünninghoff, Johanna Knöpfle. Trainerteam: Jasmin Kaiser, Frank Furtwängler, Sophia Malaoui (Athletiktrainerin), Nadine Kaiser (Torwarttrainerin).