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16. August 2010

Emotion und Leidenschaft

Das Tangokonzert von Marcela Arroyo und Puerta Sur im Schlössle löste wahre Beifallsstürme aus.

  1. Tango mal aufregend experimentell: Das Trio Puerta Sur um die argentinische Sängerin Marcela Arroyo begeisterte im Laufenburger Schlössle mit Tangomusik mit kammermusikalisch-jazzigem Einschlag. Foto: Roswitha Frey

LAUFENBURG. Wenn Marcela Arroyo singt, dann brechen Emotion und Leidenschaftlichkeit pur durch: Die Stimme der argentinischen Sängerin geht unter die Haut, sie klingt sinnlich, warm. Und ihre Bühnenpräsenz ist atemberaubend. Mit ihrem Trio Puerta Sur eroberte die bildhübsche Sängerin aus Buenos Aires die Gäste im Laufenburger Schlössle im Sturm. Beim Tangokonzert zum Ende der Kulturtage "Fließende Grenzen" brachte dieses argentinisch-schweizerische Ensemble Tangomusik mal ganz anders als gewohnt auf die Bühne, aufregend experimentell, avantgardistisch, mit kammermusikalisch-jazzigem Einschlag.

Auf ihre Art überschreiten auch die drei Musiker von Puerta Sur Grenzen. Sie brechen das traditionelle Bild des Tangos auf, arrangieren die überlieferten Lieder auf sehr eigenwillige und faszinierende Weise. Das Herz des Trios ist Arroyo, die als gebürtige Argentinierin das Nostalgische, das Wehmütige, aber auch die pulsierende Lebensfreude wunderbar authentisch transportieren kann. Dass der glänzende Kontrabassist Daniel Schläppi vom Jazz kommt, ist hörbar, wenn er improvisiert, feinfühlige Intros spielt und seinen Bass hingebungsvoll zupft und streicht. Geiger Andreas Engler ist in der Klassik zu Hause und bringt dieses Element spannend in die raffinierten Tangoarrangements ein. Auf seiner Violine spielt er viele Harmonien und versucht die Aufgaben von Bandoneon und Gitarre zu übernehmen, und ihm gelingen einfühlsame, aber auch expressive Improvisationen. Es ist ein pures Vergnügen, zu erleben, wie die Musiker einen sehr individuellen Kammer-Jazz-Tango mit argentinischem Herzblut kreieren.

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Gerade die instrumental reduzierte Besetzung erlaubt es, den Tango wie neu zu hören, neue Subtilitäten darin zu entdecken. Nachdem sich das Publikum im gut besuchten Schlösslesaal erst mal hineingehört hat in diese ungewohnten, reizvollen Tango-Interpretationen, ist es begeistert und hingerissen.

"Tango zu singen ist für mich wie Geschichten zu erzählen", sagt Marcela Arroyo mit charmantem schweizerdeutschem Akzent. Beschwörend intensiv klingt ihr Gesang, wenn sie mit verführerischer Stimme den Walzer "Romance de barrio" singt, wenn sie hochemotional in dem traurigen "Acompanada y sola" von der Einsamkeit einer Frau singt oder in "Nostalgias" elegisch das Gefühl von Sehnsucht nach Buenos Aires beschwört. Eines der berührendsten Lieder ist Astor Piazzollas "Escándalos privados", das vom Verschwinden der Liebe erzählt. Wie packend Arroyos Gesang von Geige und jazzigem Bass getragen, umspielt, umschmeichelt, gelegentlich auch kontrastiert wird, hört man in dem rhythmisch aufgeheizten Lied "Oro y plata" mit afrikanisch verwurzelten Rhythmen. Und immer begeistert Puerta Sur mit erfrischenden, innovativen Hörerlebnissen. Wahre Beifallsstürme und Bravorufe ernten Arroyo und ihre Musiker zum Schluss mit dem feurig gesungenen "Yo soy Maria" aus Piazzollas Oper "Maria de Buenos Aires" und dem fulminanten "Volver", einem Klassiker von Carlos Gardel.

Ein tolles Tangokonzert, an das sich der beliebte Tangoball im Schlössle anschließt. Der Freiburger DJ Dirk Boyde legt klassischen argentinischen Tango auf, und die rund 50 Tangoliebhaber können auf dem Tanzparkett gepflegt ihrer Leidenschaft nachgehen. Tangolehrer Manuel Sanchez eröffnet den Ball mit Renata Vogt, bald folgen weitere Paare, die Tanzfläche füllt sich, und zwischendurch führt Sanchez mit seiner Tanzpartnerin Claudia Gärtner einen kleinen Showblock mit Tango, Milonga und Tango-Vals vor. Ausgiebig durfte die lange Tangonacht bis in den frühen Morgen genossen werden.

Autor: Roswitha Frey