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06. August 2011

Höchst vergnügliches Jahrgängertreffen

"Zmizt im Läba": Der Kabarettist Flurin Caviezel erobert das Publikum im Schlössle im Sturm.

  1. Stets treffsicher: Flurin Caviezel im Schlössle Foto: Roswitha Frey

LAUFENBURG. Dumm gelaufen. Da will Flurin Caviezel zum Klassentreffen, fiebert kribblig dem Wiedersehen mit seinem "Schulschatz" Susi entgegen. Und dann das: Er hat den Termin verwechselt und steht nun auf der Bühne im Laufenburger Schlössle vor einem erwartungsvollen Theaterpublikum. Aber der Mittfünfziger macht das Beste daraus und spielt einfach so, als wäre er beim "Jahrgängertreffen" gelandet und träfe seine einstigen Schulkameraden und alten Flammen wieder.

Mit Caviezels ebenso vergnüglichem wie lebensklugem Programm "Zmizt im Läba" landeten die Kulturtage einen Volltreffer. Denn bei dem Bündner Kabarettisten und Musiker sind die Grenzen fließend, sprachlich wie musikalisch. Er singt und erzählt wahlweise auf Schwyzerdütsch, Italienisch, Französisch, Hochdeutsch oder Rätoromanisch; und er switcht auf seinem Akkordeon virtuos durch alle Musikstile: von Bach über Ravels "Bolero" bis zu Schlagern oder den Rolling Stones. Außerdem erlebt man selten einen Kabarettisten, der so spontan und witzig auf spezielle Ereignisse vor Ort reagiert, auf das Brückenjubiläum oder die geballte Politprominenz in der ersten Reihe, wo der Aargauer Großratspräsident Theo Voegtli neben den Stadtoberhäuptern Rudolf Lüscher und Ulrich Krieger sitzt: "Ich habe nicht gewusst, dass heute Abend ein internationales Kabarettistentreffen ist", frotzelt Caviezel.

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In seinem Programm gibt Caviezel einen Mann in den besten jahren, der mit gemischten Gefühlen dem Klassentreffen entgegensieht. Was wohl aus den anderen geworden ist? Aus der blonden Madeleine, die früher nicht blond war, aus Robert mit dem Sprachfehler. Wenn Caviezel zurückdenkt, kommen Erinnerungen hoch an Liebessongs am Lagerfeuer, "ein bisschen wie Woodstock, nur viel kleiner", an Disco in der Waschküche, dekoriert mit Alufolie und Neonröhren. Aber "Tempi passati", stellt Caviezel in einer Mischung aus lebensphilosophischer Reife, treffsicherem Sprachwitz und gelassenem Humor fest. Und so herzlich wie die Leute im Saal lachen, kommen ihnen diese Jugendstorys aus den handy-losen Zeiten sehr vertraut vor.

Mit seinen pointierten Bemerkungen über die Generation 55 plus, übers Älterwerden (je älter, desto testosteron ...!), über Ehe, Familie, Scheidung im Zeitraffer trifft Caviezel ins (Alltags-)Lebensgefühl. Sehr sympathisch, wenn er seine "große Liebe" vorstellt: Victoria, seine Handorgel. Als er sie in Bunga-Bunga-Italien erblickte, war das Liebe auf den ersten Blick. Victoria kann einfach alles: schmachtende Doktor-Schiwago-Klänge, Bach, rätoromanisches Volkslied, Piaf-Chansons, Polonaise und eine schräge Schlagerparodie - "aber bitte mit Sahne und ganz in Weiß"…

Pointensicher und topaktuell sind die Anspielungen auf Gesellschaftspolitisches, auf Euro und Schweizer Franken. Auch seine Nummern als eidgenössischer Mister Magic aus Las Vegas oder – mit Küchentuch um den Kopf – als Araber, der mit seinen sieben Frauen nach St. Moritz reist, haben hintergründigen Witz.

Das Publikum im Schlössle hat der im Wort- und Akkordeonspiel gleichermaßen gewitzte Schweizer mit seinem sympathisch-trockenen Humor jedenfalls im Sturm erobert.

Autor: Roswitha Frey