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10. März 2015

Keine Scheu vor Emotionen

Mit Aloisia und Natalia Dauer traten zwei Ausnahmetalente aus Bad Säckingen in Laufenburg auf.

  1. Aloisia Dauer, Akane Matsumura und Natalia Dauer spielten im Schlössle (von links). Foto: M. Gottstein

LAUFENBURG. Von Bravourstücken über beschwörende Cello-Meditationen bis zu klassischer Klarheit reichte die stilistische Bandbreite des Konzerts am Sonntagabend im Schlössle. Mit Aloisia (Violine) und Natalia Dauer (Cello) traten zwei junge Ausnahmetalente aus Bad Säckingen auf, gemeinsam mit der Pianistin Akane Matsumara. Der Kammermusiksaal war ausverkauft.

Obwohl die Streicherinnen erst 25 beziehungsweise 18 Jahre alt sind, traten sie schon in vielen Ländern auf, aber noch nie zuvor in Laufenburg. Das erste Werk des Abends war Beethoven gewidmet. Dessen Duo Nr. 1 für Violine und Cello zeigte die anmutige, klassische Tonsprache und in den Durchführungsteilen eine große Vielfalt an Ausdrucksfacetten, ohne in grüblerische Tiefen oder Gefühlsüberschwang zu verfallen. Die Musikerinnen zeigten die nötige Leichtigkeit, ihr Spiel war von Ebenmaß und Schönklang geprägt und wirkt lebendig, differenziert und ausdrucksvoll, aber stets im Rahmen der klassischen Ausgewogenheit.

Dass Musik auch andere Prioritäten setzen kann, wurde in den folgenden Stücken deutlich. In Richtung Expressivität zielte Ernest Blochs "Gebet" für Klavier und Cello. Natalie Dauer zeigte in dieser weniger formgebundenen, sondern eher improvisiert wirkenden Musik keine Scheu vor Emotionen. Sie spielte mit dem Vibrato, den Farbwerten und Lautstärken und konnte glaubhaft vermitteln, wie intensiv sie sich mit dieser komplexen Musik identifizierte, die eine Gebetssituation zwischen Flehen und Verzweiflung beschreibt.

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David Poppers Konzertpolonaise in d-Moll war eher dem unterhaltsameren Genre verpflichtet und stellte die Technik der Ausführenden auf eine – stets bestandene – Probe. Ein regelrechtes Salonstück für Violinvirtuosen ist Camille Saint-Saëns "Rondo Capriccioso" in a-Moll. Die Einleitung führte die Geigenstimme in tadellos wiedergegebene Pianissimo-Höhenlagen, und in dem rhythmisch markanten Hauptthema zeigte Aloisia Dauer Mut zum energischen Zugriff. Die Phrasierungen waren präzise ausgeführt, der Ton satt und spannungsgeladen, und die schnellen Läufe niemals undeutlich.

Mit dem Trio in c-Moll von Max Bruch würdigten die Musikerinnen einen ernsthaften, leider unterschätzten Musiker, der der Traditionslinie von Mendelssohn und Schumann treu blieb und Brahms verpflichtet war. Der langsame Satz zeigte jenen romantisch-empfindsamen Stil, in dem die Streicherinnen schwelgerischen Wohlklang zelebrierten. Die Pianistin bewies ihre noble Anschlagskultur und Eleganz in den Arpeggien und Läufen und zeigte sich auch den machtvollen Akkordgriffen gewachsen. Immer war spürbar, dass die Musikerinnen ihre Partien nicht nur bewältigten, sondern mit Emotionen unterlegten, und dies galt auch für die schnellen Sätze, in denen die Virtuosität – im Unterschied zu Popper oder Saint-Saënes – nie Selbstzweck war.

Autor: Michael Gottstein