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08. Oktober 2008 17:13 Uhr

Ausstellung im Georg-Scholz-Haus in Waldkirch

Leben mit dem Auto

Das Auto: Fluch und zugleich Segen? Ohne Autos ist der Alltag nicht mehr vorstellbar. Von Sonntag an zeigt der in Kirchzarten lebende Künstler Jan Blaß seine Werke im Georg-Scholz-Haus. "Manna für auto Mobile" in Waldkirch.

  1. Jan Blaß bei der Vorbereitung der Ausstellung im Waldkircher Georg-Scholz-Haus. Foto: Frank Berno Timm

WALDKIRCH. Diaprojektoren summen. Installationen drehen sich im Kreis. Die erste Begegnung mit der Arbeit von Jan Blaß, der gerade seine Ausstellung in den Räumen des Georg-Scholz-Hauses an der Merklinstrasse in Waldkirch vorbereitet, ist eine Überraschung. Im großen Raum im Erdgeschoss hängt eine verfremdetes Auto aus Papier und Pappmaché an der Decke. Das Tageslicht ist ausgesperrt – so kann Blaß überdimensional groß Rücklichter an die Wände projizieren. Das weiße Auto − wie ein Dackel sein Bein zum Wasserlassen hat es eins seiner Hinterräder angehoben − dreht sich und bricht die Projektionen. Die Front des Wagens ist aggressiv, fast wie die Schnauze eines Haifischs. Nach oben hin ist eine tempel-ähnliche Kuppel angedeutet.

Ausgangspunkt der Arbeit von Jan Blaß ist das Werk von "Hauspatron" Georg Scholz unter dem Titel "Selbstbildnis vor der Litfaßsäule" von 1926, das im Erdgeschoss-Flur hängt. Blaß sagt, es sei entstanden, als Scholz Professor in Karlsruhe geworden war und sich einen großen Wagen aus Stuttgart leisten konnte. Blaß besorgte sich Zeichnungen aus dem Museum des Herstellers und baute ein Papp-Chassis nach den Vorbildern: Es dreht sich, auf die Seite gekippt, in einem der kleineren Räume im ersten Stock – auch hier bricht der Künstler mit Fotos aus dem Waldkircher Auto-Leben. Blaß zeigt, wie beherrschend und verändernd das Auto für unsere Gesellschaft ist. Die massenhafte Präsenz des Automobils drohe "uns zu überrollen", findet er. Ein völliger Verzicht sei zwar unmöglich, aber ein "sehr bewusster Umgang nötig". Blaß will für das, was er sagen will, ganz bewusst die vertrauten, ästhetischen Formen des Autos nutzen, "im Alltag achten wir nicht darauf".

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Was Blaß damit meint, wird nicht nur in den projizierten Fotos von Rücklichtern und Waldkircher Straßenzügen deutlich. In einem der Räume entsteht eine Installation, die mit verfremdeten Zeitschriftenfotos und geometrischen Körpern – mit stilisierten "Autofiguren" − arbeitet. Hier ist die künstlerische Verfremdung und Abstraktion weit stärker als in dem kleinsten Raum im ersten Stock, in dem sich eine Dokumentation über das Dreisamtal vor und nach dem Umbau der B 31 findet. Dort sei der schönste Teil der Landschaft zerstört worden, sagt der in Kirchzarten lebende Künstler. Alternativen zum Auto wiel die Höllentalbahn findet Blaß "nicht flexibel genug, um eine Konkurrenz zu sein", denn sie funktioniere mit Technik aus dem 19. Jahrhundert.

Die Ausstellung "Manna für auto Mobile" wird auf eine zuweilen sehr direkte Weise dem politischen Anspruch der Arbeit im Georg-Scholz-Haus gerecht. Nicht nur die aberwitzigen Spritpreise der letzten Wochen haben drastisch klar gemacht, dass ein radikales Umdenken noch immer aussteht. Auch in Waldkirch ist der Umgang mit dem Auto (Stichwort: Hugenbergtunnel) ja immer wieder Thema.  

Jan Blaß, Manna für auto Mobile, Installation aus künstlerischen Objekten. Vernissage am Sonntag, 12. Oktober, 11 Uhr. Öffnungszeiten: Donnerstag 15 bis 21 Uhr, Freitag und Samstag 15 bis 18 Uhr, Sonn- und Feiertag 10 bis 13 Uhr.

www. georg-scholz-haus.de

 

 

 

 

 

 

 

 

Autor: Frank Berno Timm