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12. August 2009 15:51 Uhr
Alles im Griff
Lebender Dosenöffner: Der neue Krake im Basler Zolli
Ein lebender Dosenöffner kann jetzt im Basler Zoo bestaunt werden. In einem eigens eingerichteten Aquarium tummelt sich seit wenigen Wochen ein Krake.
Der Mittelmeerbewohner verzieht sich tagsüber gern in seine Höhle und tarnt diese mit Steinchen oder Muschelschalen. Zur Fütterungszeit jedoch zeigt er, was er wirklich drauf hat: Geschickt öffnet er mit seinen Fangarmen Konservengläser, Flaschen und Dosen.
"So ein Tier habe ich selber noch nie erlebt", staunt Thomas Jermann, Kurator des Basler Zoos bei der Fütterung des Kraken. Ein Tierpfleger lässt ein zugeschraubtes Glas, in dem sich kleine Fischchen befinden, ins Wasser gleiten. Schnell schnappt sich der Oktopus das Glas mit seinem Futter. Während er seinen Körper drüberstülpt und es so festhält, beginnt ein Fangarm gleich, den Verschluss routiniert aufzuschrauben. Nach nicht einmal einer halben Minute ist das Glas offen und ein Tentakel fischt nach der Beute im Inneren.Im Juli ist der Mittelmeerkrake in ein Aquarium des Vivariums im Basler Zolli eingezogen. Er lebt dort allein, denn Kraken sind Einzelgänger und ertragen außerhalb der Fortpflanzungszeit keine Konkurrenz. Auch Fische sind als Aquariumsgenossen ungeeignet: Sie werden sofort gejagt und gefressen.
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Damit sich der intelligente Meeresbewohner trotzdem nicht langweilt, bieten im die Tierpfleger jeden Tag etwas Denksport. So sieht sich der Krake mal mit einem Joghurtglas mit fest sitzendem Plastikdeckel, mal mit einer Konservenbüchse mit Schraubverschluss konfrontiert, in welcher leckere Nahrung steckt. Meist sind dies Muscheln, Garnelen oder Fische – Kraken essen alles, was tierisch ist. Austern sind ebenfalls hartnäckige Gegner, die dem Kraken einiges an Geduld, Kraft und Geschick abverlangen, bis sie geöffnet sind. Doch das ist kein Problem für den Achtfüßer, denn "er ist ein sehr geschickter Räuber", sagt der Kurator.
Oktopusse oder Kraken gehören zu den intelligentesten Tieren überhaupt. Ihre Verwandtschaft mit den Schnecken ist auf den ersten Blick kaum erkennbar, denn sie bewegen sich schnell, haben acht mit Saugnäpfen bewehrte Fangarme, ein hochentwickeltes Hirn und ausgezeichnete Sinnesorgane. "In den Fangärmen haben sie ebenfalls hirnartige Strukturen", erläutert Thomas Jermann.
Und von noch einer Besonderheit weiß Thomas Jermann zu berichten: Kraken können sekündlich ihre Farbe wechseln, in weiß, grün, blau, je nach der Umgebung – ein perfekte Tarnung. Das ist an sich schon ungewöhnlich, aber erst recht bemerkenswert, wenn man weiß, dass die Tiere farbenblind sind. "Die orientieren sich am Muster der Umgebung", erklärt Jermann.
Kraken gehen vor allem nachts und in der Dämmerung auf die Jagd. Um an ihre Nahrung zu kommen, zeigen Kraken großen Erfindergeist. Mit ihren Armen untersuchen sie den felsigen Meeresboden und auch engste Höhlen nach Fischen, Krabben, Muscheln oder Schnecken, drehen Steine um und wühlen im Kies. Bisweilen verlassen sie sogar das Wasser und bewegen sich einige Meter über Land, um in Wasserbecken zu gelangen, die viel Futter versprechen.
Die Fütterungszeiten im Basler Zoo sind jeweils Montag, Mittwoch und Samstag von 15 bis 16 Uhr. Der Krake lebt im Aquarium Nr. 43.
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Autor: Michael Reich
