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14. September 2017

Kegeln

Die Kegler des KSV Hölzlebruck starten in die Zweitligasaison

  1. Auf die Jungen wie Marc und Jan Grießhaber wird es in der zweiten Liga ankommen. Der KSV Hölzlebruck will die Punkte zum Klassenerhalt auf der Heimbahn holen. Foto: Jürgen Ruoff

  2. Die Bonndorfer Nationalspielerin Jana-Sophie Bachert schaut der Kugel interessiert hinterher. Foto: scheu

  3. Bettina Helmle ist erfahren, routiniert und bringt für den SKV konstant gute Leistungen. Foto: Scheu

KEGELN. Martin Reichmann hat schon Hunderttausende von Würfen auf Kegelbahnen gemacht. Dieser Sport gehört zu seinem Leben wie essen, trinken und schlafen. Mit elf hat er angefangen. Er hatte es ja nicht weit: Er musste nur im eigenen Haus in den Keller hinunter gehen, wo sein Vater eine Kegelbahn betrieb. Im 200er-Wurf-System kamen im Verlauf einer Saison mehrere tausend Würfe zusammen, beim Training mit der Nationalmannschaft waren es manchmal 600 Anläufe und Würfe an einem Tag. Die Bewegung ist bei ihm in Fleisch und Blut übergegangen. Den Zustand der Nervosität kennt er nicht mehr, "die Zeiten sind vorbei", sagt der 55-Jährige lachend.

Am Samstag beginnt für Reichmann und den KSV Hölzlebruck die Saison in der zweiten Bundesliga. Der Verbandsliga-Vizemeister hat sich überraschend in der Aufstiegsrelegation gegen den Favoriten Friedrichshafen durchgesetzt und die Schwarzwälder dürfen jetzt in der zweiten Liga mitkegeln. "Ich verfolge das interessiert, wie die Jungen damit umgehen", sagt Reichmann und fügt süffisant an, "jetzt kann es der Alte nicht mehr allein richten". Reichmann ist als Immer-noch-Spitzenkegler eine Bank. In der vergangenen Saison hat er im 120er-Wurf-System in einem Verbandsligawettkampf 722 Kegel zu Fall gebracht. Mehr hat erst ein Deutscher geschafft. "In der zweiten Bundesliga können wir es aber nur über die Mannschaftsleistung richten", sagt der Routinier, die Jungen im Team wie Marc und Jan Grießhaber sowie Kevin Raißer werden mehr Druck schultern und sich steigern müssen.

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Seit ein paar Wochen bereitet sich die Hölzlebrucker Männermannschaft, zu der auch Franz Aigner, Andreas und Markus Ketterer sowie Chris Reichmann gehören, auf das Zweitliga-Abenteuer vor. Gemeinsam mit den Frauen wurde ein Trainingslagertag in Freiburg organisiert. "Mein Kader hat richtig Gas gegeben", lobt Reichmann die Trainingsbemühungen seiner Mitspieler in den vergangenen Wochen. Besonders Jan Grießhabers Form ist derzeit exzellent, in zwei Testwettkämpfen kam er auf 606 und 597 Kegel und übertraf Reichmann. Zwillingsbruder Marc Grießhaber hat derzeit mit einem Fersensporn Probleme und Dejan Peric steht nicht mehr zur Verfügung.

Am Samstag gastiert der KSV Hölzlebruck im ersten Zweitliga-Wettkampf beim Mitaufsteiger SG Wolfach-Oberwolfach. Beide Mannschaften kennen sich gut, in den südbadischen Duellen ging es meistens eng her. In Wolfach zog der KSV zuletzt den Kürzeren. "Auf der Anlage ist schwierig zu spielen, der Kegelfall ist irgendwie anders", sagt Reichmann. Die Punkte zum Klassenerhalt sollen vorwiegend auf der Heimbahn in Reichmanns Kegelstube eingespielt werden, "wir sind heimstark, in der Verbandsliga haben wir hier alle Spiel gewonnen". Der ASV Neumarkt ist für Reichmann in der zweiten Liga Südwest der Topfavorit auf den Titel. Der KSV hat andere Pläne: Klassenerhalt. "Das wird als Aufsteiger schwierig genug", sagt Reichmann.

Mach’s noch einmal SKV Bonndorf

Dem Frauenteam des SKV Bonndorf ist als Aufsteiger in die erste Bundesliga der Klassenerhalt in den vergangenen Runden auf beeindruckende Weise gelungen. Nach Problemen zu Saisonbeginn steigerte sich das Team und sicherte sich frühzeitig den Ligaverbleib. "Ja, wir haben echt gute Spiele hingelegt", findet Mannschaftsführerin Jana-Sophie Bachert, " als der Klassenerhalt feststand, war allerdings die Luft ein bisschen raus". Die 21-Jährige, die dem deutschen U-23-Kader angehört, hat über den Sommer durchtrainiert. Im Juli sind ihre Mitspielerinnen Andrea und Tanja Cosic, Bettina Helmle, Andrea Eder und Birgit Dornfeld wieder ins Training eingestiegen.

Im ersten Wettkampf treten die Schwarzwälderinnen am Sonntag beim SKK Poing in Bayern an. "Das bedeutet früh aufstehen und eine lange Fahrt", sagt Bachert, beim Vorjahresvierten waren die SKV-Frauen zuletzt chancenlos. "Ich weiß nicht, woran es liegt. Vielleicht kommen wir mit den Plattenbahnen dort nicht zurecht." Das ist Ansporn, es dieses Mal besser zu machen. "Ja", sagt Bachert, "wir gehen zuversichtlich in die Saison, denn wir wissen, dass wir gute Leistungen bringen können". Die Erstliga-Premierenrunde hat dem Selbstvertrauen gut getan. Wieso soll nicht gelingen, was einmal gelang – der Klassenerhalt?

Die Hölzlebrucker Frauenmannschaft gehört als Vizemeister der Vorsaison zu den Topteams in der zweiten Bundesliga. Entsprechend entspannt gehen Sportwartin Nicole Langenbacher und die Mannschaft die Saison an, denn sie wissen, dass sie sportlich in der zweithöchsten deutschen Spielklasse mehr als nur mithalten können. "Die Frage ist, ob wir die erfolgreiche Saison und unsere guten Leistungen weitertragen können", sagt Langenbacher. Als Sportwartin kümmert sie sich mit Jessica Eckert um die Mannschaftsaufstellung. Der Blick auf die eigenen Stärken ist dabei wichtiger, als die Analyse des Gegners – was das neue Selbstbewusstsein unterstreicht. Zum KSV-Team gehören ebenfalls Ayleen Kaltenbach, Claudia und Alisa Reichmann sowie Veronika Waldvogel.

Den ersten Härtetest hat der Mitfavorit aus dem Schwarzwald am Sonntag beim ESV Rottweil zu bestehen. Die dortigen Plattenbahnen "haben wir mittlerweile ganz gut im Griff", sagt Langenbacher, die als Sportwartin – ebenso wie die Sportwartin des Gegners – vor jedem Wettkampf ein paar Worte im Namen ihres Teams sagen darf: "Da begrüßt man den Gegner und wünscht sich einen fairen Wettkampf", sagt Langenbacher. Die rituellen Höflichkeiten hören jedoch auf, wenn die ersten Kugeln rollen und die Kegel fallen. Von da an wollen beide nur noch den Gegner bezwingen.

Autor: Jürgen Ruoff