Fithalten mit "Halli Galli" und Aquajogging

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Von dpa

Sa, 11. August 2018

Leichtathletik

Trotz Verletzung wird Pamela Dutkiewicz EM-Zweite.

BERLIN (dpa). Hürdensprint-Ass Pamela Dutkiewicz hat vor der EM in Berlin oft "Halli Galli" gespielt. Mit dem Mengenwahrnehmungsspiel um die Erkennung von Früchten hat die 26 Jahre alte Wattenscheiderin ihre Reaktionsfähigkeit geschult. Mit Erfolg. In 12,72 Sekunden wurde sie am Donnerstag EM-Zweite vor Teamkollegin und Titelverteidigerin Cindy Roleder. "Ich konnte bis in den Juni hinein wegen eines Muskelfaserrisses im Oberschenkel nur Aquajogging machen", sagte Dutkiewicz. "Da hatte ich das Gefühl, mich mit dem Spiel reaktionsmäßig fit zu halten."

Deshalb war die angehende Grundschullehrerin mehr als glücklich, trotz drehenden Windes und einsetzenden Regens als Zweite ins Ziel zu kommen. "Die Medaille bedeutet mir viel, besonders nach so einem steinigen Weg. Ich hatte eigentlich gedacht, das wird nix mehr", sagte Dutkiewicz zur komplizierten EM-Vorbereitung. "Ich hatte ein schwieriges Jahr und mir gesagt: Wenn du das schaffst, mit einer Medaille um den Hals aus Berlin rauszugehen, dann kannst du Großes schaffen."

Bei der WM 2019 in Katar und bei Olympia 2020 in Tokio sind allerdings die blitzschnellen Läuferinnen aus den USA dabei. In kaum einer Disziplin sind die Amerikanerinnen so dominant wie über 100 Meter Hürden der Frauen: So gewannen sie bei Olympia 2016 gleich alle drei Medaillen – und Weltrekordhalterin Kendra Harrison hatte sich nicht einmal für die Spiele in Brasilien qualifiziert. "Oh Gott, an die denke ich noch gar nicht. Die habe ich mir dieses Jahr gar nichts angeguckt", sagte Dutkiewicz, für die der Wert der WM-Bronzemedaille von 2017 höher ist als EM-Silber.

"Bei der WM war der dritte Platz so überraschend und wunderbar. Solche Emotionen bekommt man nicht noch einmal", sagte sie. "Ich wollte eine Medaille auf heimischen Boden, aber es sind andere Emotionen. Bei der WM war ich losgelöst, nun war es ein Happy End."

Das Rennen von Berlin empfand sie als Drama pur. "Das war hinten raus schon ein Kampf. Ich habe das ganz gut gelöst", sagte sie. Besser war nur die Weißrussin Elvira Herman (12,67 Sekunden). Die deutsche Rivalin Cindy Roleder ließ sie fünf Hundertstelsekunden hinter sich, aber nicht enttäuscht zurück. "Ich bin megaglücklich, nachdem das vergangene Jahr ein Seuchenjahr war", sagte die 28-jährige Roleder.