Aufholjagd am Unterkrummenhof

Annemarie Zwick

Von Annemarie Zwick

Mo, 14. Mai 2018

Leichtathletik (regional)

Benedikt Hoffmann und Stefanie Doll gewinnen den 34. Schluchseelauf, Biathlet Benedikt Doll macht Tempo für seine Schwester.

SCHLUCHSEE. Der Ex-Freiburger Benedikt Hoffmann und Stefanie Doll vom SV Kirchzarten haben gestern bei perfekten Temperaturen den Schluchseelauf über 18,2 Kilometer gewonnen. Bei der 34. Auflage des Frühjahrsklassikers kamen im Hauptlauf 2683 Männer und Frauen ins Ziel. Für beide Veranstaltungstage lagen Ausrichter LG Hohenfels laut Cheforganisator Hartwig Potthin rund 4500 Meldungen vor.

"Da kommt noch einer." Der Warnruf von hinten gilt den Zuschauern, die den Waldweg betreten haben, nachdem die erste Startgruppe der Läufer und Läuferinnen durch ist. Schnell wird wieder Platz gemacht und der Nachzügler demonstriert mit aneinandergelegten Händen unter dem zur Seite geneigten Kopf lächelnd, weshalb er sich verspätet hat. Blieb für ihn zu hoffen, dass es sich am Muttertag nicht noch um Vatertags-Nachwehen handelte.

Einen ausgeschlafenen Eindruck machten dagegen die Läufer an der Spitze. Auch wenn sich der Favorit anfangs vornehm zurückhielt. Benedikt Hoffmann, der im vergangenen Jahr den Streckenrekord am Schluchsee auf 59:13 Minuten verbessert hatte, ging das Rennen verhalten an. Omar Tareq (TuS Lörrach-Stetten) dagegen suchte sein Heil in der Flucht, weil er wusste, dass Hoffmann am Berg stärker ist. Das Mitglied der deutschen Berglauf-Nationalmannschaft "wollte eigentlich schon am Berg dran sein", verrät der für die TSG Heilbronn startende 33-Jährige im Ziel lächelnd. Um 25 Sekunden Rückstand aufzuholen, brauchte er dann aber doch bis zum Unterkrummenhof. Dort schloss er nach Hälfte der Strecke zu Tareq auf. Etwa zwei Kilometer hielt sich Hoffmann noch hinter dem acht Jahre jüngeren Laufenburger mit dem schwarzen Dutt auf dem Kopf, bis er antrat und schnell einen respektablen Vorsprung herauslief.

Der wuchs bis ins Ziel, das Benedikt Hoffmann nach 1:00,24 Stunden jubelnd und begeisterte Zuschauer abklatschend erreichte, auf eine gute Minute an. Seine Rekordzeit aus dem Vorjahr blieb bei seinem dritten Sieg in Serie außer Reichweite, doch das war nur zwei Wochen nach dem Start bei der deutschen Marathonmeisterschaft in Düsseldorf nicht anders zu erwarten. Ohnehin war der Schluchseelauf für den Vielstarter nur eine Durchgangsstation auf dem Weg zum 100-Kilometer-Lauf in knapp zwei Wochen in Florenz. "Ich musste voll im Training bleiben", erklärte der frühere Wahl-Freiburger, der nun in Stockach wohnt. Das sei "immer eine Gratwanderung, aber es hat geklappt".

Omar Tareq rettete in 1:01,26 Stunden Rang zwei vor Peter Fane (Hüfingen/ 1:01:42) und egalisierte damit seine beste Platzierung beim Schluchseelauf 2014. Tareq war am Samstag mit seinem Longboard gestürzt und hatte um seinen Start bangen müssen. Er hatte Schmerzen an der Hüfte und humpelte nach dem Rennen. Der 37-jährige Fane aus dem Bergkönigreich Lesotho im südlichen Afrika, der auf der Baar eine zweite Heimat gefunden hat, wurde zum dritten Mal Dritter.

Wenn keine Gegnerinnen in Sichtweite sind, treibt frau eben die Männer vor sich her. Nur 14 der 1779 männlichen Finisher schafften es gestern vor Stefanie Doll ins Ziel. Dass die für den SV Kirchzarten startende Hinterzartenerin bei ihrem zweiten Sieg am Schluchsee den drei Jahre bestehenden Streckenrekord von Ingalena Heuck (1:09:02) pulverisierte, überraschte sie selbst. Ihre "drei Baustellen Knie, Achillessehne, Fuß" hatten monatelang nur Radtraining zugelassen, laufen konnte und durfte die 30-jährige Physiotherapeutin erst seit April wieder. Dass dennoch die Siegerzeit von 1:07:35 Stunden möglich war, lag mit am Verzicht auf Kuchen und Schokolade sowie an den Schrittmacher-Diensten von Bruder Benedikt. "Er hat mich gut gezogen", lobt Stefanie Doll den Sprint-Weltmeister im Biathlon. "Schneller hätt’s nicht sein dürfen", gesteht der 28-jährige Spitzenathlet schmunzelnd ein. Knapp fünfeinhalb Minuten nach Stefanie Doll läuft die elf Jahre jüngere Alicia Moser (USC Freiburg/ 1:13:00) als zweite Frau vor Laura Pauli (1:16:10) ins Ziel.

Stefanies und Benedikts Vater Charly Doll ist übrigens nicht der einzige Starter, der an allen Schluchseeläufen teilgenommen hat. Auch der 60-jährige Erich Faist vom SV Schapbach startete gestern zum 34. Mal und verpasste als Vierter der M 60 das Siegertreppchen nur knapp.

Den Lauf über 10,4 Kilometer beendeten 158 Männer und 223 Frauen. Die Tagesbestzeit von 40:18 Minuten legte Jugendläufer Jonathan Göppert (WSC Breisgau-Staufen) vor, bei den Frauen gewann Stephanie Morath aus Freiburg (45:05).