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11. Oktober 2010

Kampfstarke Männer und reife Frauen

Josef Beha und Jacqueline Keller gewinnen in Bräunlingen.

  1. Mit Handschuhen zum Sieg: Josef Beha Foto: reinhardt

BRÄUNLINGEN. Josef Beha (FC Unterkirnach) und die Schweizerin Jacqueline Keller gewannen gestern den 43. Schwarzwald-Marathon. Der 29-jährige Berglauf-Spezialist hatte nach 2:37:27 Stunden 19 Sekunden Vorsprung vor dem Vorjahreszweiten Hans-Jörg Dörr (TV Hatzenbühl), Dritter wurde der Triathlet Moritz Blessing (SV Lauffen/2:42:50). Hinter Keller, die ihren vierten Sieg in Bräunlingen feierte, behauptete Brigitte Matt (LG Hohenfels) Rang zwei vor der nur zwei Sekunden langsameren Carol de Vack Reichel (LG Baar). Ins Ziel kamen bei neblig-kühlem Wetter 470 der 486 gestarteten Marathonläufer und 1262 von 1271 Halbmarathon-Teilnehmern.

Bei Temperaturen unter zehn Grad erwärmte der Zieleinlauf von Jacqueline Keller die Herzen der Zuschauer. Mit der Schweizer Flagge in der Hand genoss sie sichtlich die letzten 50 Meter auf dem roten Teppich. "Nach 23 Jahren, das ist das Wichtigste, das ist bewegend", sagte die 48-Jährige aus Gebenstorf im Kanton Aargau. 1987 hatte die damals 25-Jährige zum ersten Mal den Schwarzwald-Marathon in Bräunlingen gewonnen, damals in 2:55 Stunden, danach 1988 und 1995.

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Ihr gestriger Start-Ziel-Sieg kam für sie "völlig überraschend". In Abwesenheit der gemeldeten Vorjahressiegerin Simone Meiniger lag Keller bei den Frauen gleich vorn. Nach fünf Kilometern signalisierte ihr Charly Doll am Wegesrand, dass sie die erste Marathonläuferin war. Nach zehn Kilometern kam die selbe Botschaft von ihrem Mann, "der konnte es selber kaum glauben", sagte Keller im Ziel schmunzelnd. Ihre Siegerzeit von 3:19:17 Stunden fand sie zweitrangig: "Es war schwer heute." Allerdings merkte die Schweizerin kritisch an, es sei doch eigentlich traurig, wenn eine 48-Jährige noch einen Marathon gewinnen kann.

Doch dass Alter nicht vor Leistung schützt, belegten auch die Frauen auf den nächsten Plätzen. Die Vorjahreszweite Brigitte Matt, inzwischen 52 Jahre, wiederholte diese Platzierung. Am Ende wurde es knapp, die zwei Jahre jüngere Carol de Vack Reichel spurtete von hinten heran, doch Matts spektakulärer Sturz ins Ziel "war nicht geplant", beteuerte die Lauchringerin: "Der Kopf wollte noch, aber die Beine nicht mehr."

Gewinnen wollte Josef Beha schon beim Start. Seine Taktik – "sich nicht an den anderen orientieren, nur nach Gefühl und Zeit laufen" – ging auf. Im Sprühnebel vor Hubertshofen nach knapp acht Kilometern lag der 29-Jährige knapp vor Dörr, elf Kilometer später in Oberbränd hinter ihm, doch Beha lächelte und überholte bald darauf. Bei Kilometer 35 in Unterbränd hatte er eine gute Minute Vorsprung, doch nachher schwanden ihm die Kräfte. Der 45-jährige Pfälzer arbeitete sich auf 200 bis 150 Meter heran, doch Beha konnte sich noch motivieren und mit persönlicher Bestzeit siegen.

Autor: Annemarie Zwick