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13. Oktober 2014

Laufen, bis Körper und Seele glühen

Grenzerfahrung: Der Schwarzwald-Marathon in Bräunlingen lockt an zwei Tagen 1925 Starter / Starke Schwarzwälder.

  1. Im Spätherbst zu Berge: Bei Hubertshofen hatten die Marathonläufer den Nebel hinter sich und noch deutlich mehr als 30 Kilometer vor sich. Foto: Dieter Reinhardt

  2. Nadelöhr: Erstmals liefen die Athleten nach dem Start durchs Bräunlinger Stadttor. Foto: Dieter Reinhardt

  3. Lauf, lauf, lauf: Ansporn mit Abklatschen und Transparent in Unterbränd Foto: Dieter Reinhardt

  4. Gemeinsam auf die Zielgerade: Der Weg war auch beim Halbmarathon für diese Frauengruppe das Ziel. Foto: Dieter Reinhardt

  5. Überraschungs-Zweiter auf der Marathonstrecke: Bernd Weishaar aus Bonndorf Foto: Dieter Reinhardt

LEICHTATHLETIK. "Ein bisschen Spaß muss sein", intonierte die Blaskapelle gestern vor der Kirche in Unterbränd. Die Scharen der Halbmarathonläufer und Walker, die dort die Straße herunterkamen und im rechten Winkel abbogen, wussten die unterstützende Beschallung überwiegend zu schätzen. Und aller sichtbaren Anstrengung zum Trotz strahlten viele der Frauen und Männer mit Startnummern auf den bunten Trikots genau das aus: Spaß.

Allein unterwegs im Wald sah das manchmal anders aus, ebenso im Ziel. Bastian Gloeden zum Beispiel. Nach seinem fulminanten Endspurt war der 23-jährige Bubenbacher so ausgepumpt, dass er sich erst mal langlegen musste. Auf dem blanken Asphalt lag er auf dem Rücken und rang nach Luft, ansonsten bewegungslos. Freundin Carolin hatte ein Auge auf ihn, ließ ihn aber in Ruhe. Ein Sanitäter, der ihn eine Weile beobachtet hatte, kam näher und fragte, ob er Hilfe brauche. "Alles prima", beruhigte Gloeden und rappelte sich langsam auf. Alles prima? "Es war super", bestätigte das Skiclub-Mitglied, das auch ohne Ski ein Langläufer ist.

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"Es muss wehtun,

sonst ist’s

langweilig."

Bastian Gloeden zu den Strapazen

Dabei hatte Gloeden ein Ziel knapp verpasst, das er erst unterwegs vor Augen hatte: die Drei-Stunden-Marke zu unterbieten. Zuvor hatte er für seinen zweiten Marathon eine Zeit von 3:10 Stunden angepeilt. Doch dann war er so gut ins Rollen gekommen, dass die Ambitionen wuchsen. Trainings- und Vereinskamerad Arnt König, am Vortag 32 geworden, hatte ihn 15 Kilometer nach dem Start aufgefordert, sein Glück allein zu suchen. Bei der Marathonpremiere der beiden ein Jahr zuvor war es umgekehrt gewesen, dort hatte sich König besser gefühlt.

Bei Bastian Gloeden lief’s rund. Von Kilometer 30 an war’s allerdings hart, verriet er im Ziel. Sechs Kilometer vor dem Ziel "machte die Wade zu". Trotzdem schaffte er es, die letzten vier Kilometer unter 16 Minuten zu laufen. Weil er unter drei Stunden bleiben wollte, unbedingt. Doch der Kraftakt wurde nicht belohnt: 3:00:34 Stunden lautete seine Endzeit. Dass auch das eine sehr gute Leistung ist, belegen Rang elf in der Gesamtwertung der 325 Marathon-Finisher und der zweite Platz in der Hauptklasse der Männer.

"Einer muss durchkommen", sagte Arnt König mit breitem Grinsen, als er seinem Kumpel gratulierte. Er war als 19. nach 3:06:53 Stunden angekommen und als Dritter der M 30 ebenfalls auf dem Siegerpodest vertreten. Beide steigerten ihre Zeit aus dem Vorjahr um mehr als zehn Minuten. Sich quälen können auch beide: "Es muss wehtun, sonst ist’s langweilig", behauptet Gloeden verschmitzt.

Reiner Sprich verpasste zwar als Vierter (2:47:49) um knapp zwei Minuten das "große" Podium, konnte aber trotzdem zwei Siege feiern. In der M 40 stand der in Titisee wohnende Eisenbacher ebenso ganz oben wie mit seinem Lauftreff Pfohren in der Mannschaftswertung zusammen mit Manfred Kiene (2:49:58) und Matthias Ramp (3:03:52). Bis kurz nach Kilometer 37 in Unterbränd hatte Kiene noch vor Sprich gelegen, dann zog der Hochschwarzwälder am Hüfinger vorbei, der am Ende Sechster wurde.

Sprich freute sich, dass er auf der zweiten Streckenhälfte drei Minuten schneller laufen konnte als auf den ersten 21 Kilometern. Außerdem war er auf dem teils aufgeweichten Waldboden schneller unterwegs und am Ende besser platziert als im Vorjahr – und das ohne spezielles Training und nach nur zwei Wettkämpfen in dieser Saison. "Es war einfach mal ein Versuch und besser geht’s nicht", sagte Sprich rundum zufrieden. Bester Schwarzwälder beim 47. Schwarzwald-Marathon war überraschend Bernd Weishaar vom TuS Bonndorf in 2:42:15 Stunden. Auch er hatte richtig Spaß.

Autor: Annemarie Zwick (Text) und Dieter Reinhardt (Fotos)