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29. März 2017 00:00 Uhr

BZ-Interview

Weigl hört als Organisator des Freiburg-Marathons auf

14 Mal stand er als Organisator hinter dem Freiburg-Marathon. Nun veranstaltet Gernot Weigl den Marathon zum letzten Mal. Im BZ-Gespräch spricht er über seine Entscheidung.

  1. Der Freiburg-Marathon als Wohlfühloase: angenehme Strecke, frische Blumen, meist tolles Wetter Foto: Patrick Seeger

  2. Gernot Weigl Foto: Patrick Seeger

Gernot Weigl hört auf. Zum 14. und letzten Mal veranstaltet er den Freiburg-Marathon, der am Sonntag startet. Er nennt verschiedene Gründe für den Abschied. Im Gespräch mit Christian Engel wird der Organisator fast schon poetisch – dabei verrät er auch, dass er nächstes Jahr wohl wieder in Freiburg dabei sein wird.

BZ: In einem BZ-Interview sagten Sie vor neun Jahren, solch eine Veranstaltung könne man nur mit viel Herzblut machen. Ist nichts mehr von Ihrem Herzblut übrig oder warum hören Sie nun auf?
Weigl: Ich bleibe bei der Sache mit dem Herzblut. Man kann sich nur in ein solches Event reindenken, wenn man selber Läufer ist. Andere Organisatoren kaufen oder übernehmen Laufveranstaltungen in der Absicht, viel Geld damit zu machen. Mein Ziel war von Anfang an, den Läufern hier Gutes zu tun.

BZ: Klingt wie Poesie – aber dennoch: Gegen bisschen Geldverdienen werden Sie und Ihre Firma nichts haben.
Weigl: Geld verdienen steht bei mir nicht im Vordergrund. Aber als Geschäftsführer eines Unternehmens muss ich profitabel arbeiten. Dies wurde in den letzten Jahren immer schwieriger.

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BZ: Wieso?
Weigl: Einige Kosten sind enorm gestiegen, beispielsweise die für die Sicherheit. Zudem war die Läufermesse leicht rückgängig, die Aussteller haben nicht mehr so viel Fläche gebucht wie in den Jahren zuvor. Und Sponsoren sind auch ein paar weggeblieben …

BZ: … genauso wie Teilnehmer.
Weigl: Das kommt noch dazu. Die Startgelder machen einen Großteil der Einnahmen aus. Da mussten wir enorme Einschnitte machen.

BZ: Erklären Sie uns das Phänomen: Laufen boomt in Deutschland wie schon lange nicht, die Teilnehmerzahlen bei Marathons nehmen aber ab.
Weigl: Das wundert mich auch. Ich glaube, ein Grund ist, dass Menschen nicht gerne immer nur am selben Standort sind. Sie wollen auch mal andere Strecken laufen, in Basel, Berlin oder Paris. Außerdem ist das Angebot an Läufen, vor allem kürzeren, enorm. Die Konkurrenz für die Veranstalter ist groß.

BZ: Neben Freiburg organisieren Sie den Marathon in München. Dort hören Sie nicht auf.
Weigl: In Zukunft werden wir intensiv am München-Marathon arbeiten, der zu den größten Marathonläufen Deutschlands gehört. Die Sponsorensituation in München ist aber auch eine ganze andere als in Freiburg.

BZ: Zudem sitzt Ihr Unternehmen in München, nach Freiburg mussten Sie all die Jahre pendeln.
Weigl: Das hat die Arbeit in der Tat erschwert. Wir hatten zwar auch ein Büro in Freiburg, aber es hat dann doch stets an einer Führungsperson gefehlt, die alles koordiniert, Einfluss nehmen kann auf Unternehmen und Firmen – eine Person, die die Strukturen dieser Stadt kennt.

BZ: Wünschen Sie sich also einen lokalen Unternehmer, der den Freiburg-Marathon in der Post-Weigl-Ära übernimmt?
Weigl: Ich wünsche der Stadt Freiburg vor allem, dass sie einen geeigneten Nachfolger für den Marathon findet. Aber da bin ich guter Dinge. Wir haben Strukturen geschaffen, auf denen man aufbauen kann. Die Helfersituation ist hervorragend, die vielen unterstützenden Vereine aus der Stadt und der Umgebung waren goldwert – und sind es hoffentlich auch in Zukunft. Ich will weiterhin unterstützen, wenn ich gebraucht werde.

BZ: Sie haben den Freiburg-Marathon 14 Jahre lang großgezogen. Haben Sie manchmal Angst, dass der Nachfolger Ihr Baby verhunzt?
Weigl: Die Stadt wird genau hinschauen, wen sie auswählt – oder sie macht es gleich allein, das wird sich zeigen. Ich hoffe allerdings, dass der Nachfolger nicht in die ausgetreten Spuren von uns tritt, dass er eigene Vorstellungen hat und diese umsetzt. Er soll die Freiheit genießen, vielleicht mit neuen Wettbewerben, einem 10-Kilometer-Lauf beispielsweise …

BZ: … damit Sie in Freiburg endlich mal selbst auf die Strecke gehen können?
Weigl (lacht) : Wenn ich nächstes Jahr gut durch den Winter komme, will ich in Freiburg starten, um mal einen anderen Blickwinkel zu bekommen. Dann laufe ich aber den Halbmarathon.

Gernot Weigl, 64, ist im bayerischen Zwiesel geboren und war als Jugendlicher Skilangläufer. Der Immobilienkaufmann veranstaltet mit seinem Unternehmen Runabout Sports seit vielen Jahren den München- und den Freiburg-Marathon.


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Autor: Christian Engel