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26. Mai 2012

Die Schule soll auf ein neues Gleis

Gemeinderat beauftragt Verwaltung und Schulleitung einen Antrag für die Umwandlung in eine Gemeinschaftsschule zu erarbeiten.

  1. Die Sommerberg-Schule Lenzkirch, hier das Grundschulgebäude, soll in eine Gemeinschaftsschule umgewandelt werden. Foto: Ralf MOrys

LENZKIRCH. Mit einem historischen Beschluss hat der Gemeinderat am Donnerstagabend eine Signalwirkung ausgesendet und eine neue Weichenstellung für die Bildung im Haslach- städtchen auf den Weg gebracht. Die Sommerberg-Werksrealschule soll auf das Gleis der Gemeinschaftsschulen wechseln. Der einstimmige Auftrag an die Gemeinde als Schulträger und die Schulleitung lautet, "die Einrichtung einer Gemeinschaftsschule ab dem Schuljahr 2013/14 zu prüfen und einen entsprechenden Antrag vorzubereiten. Bis Ende September 2012 muss der Antrag vom Gemeinderat beschlossen und auf den Weg gebracht sein.

Gemeinderat, Eltern und Lehrer haben sich am 2. Mai in Amtzell über die dortige Gemeinschaftsschule und den damit gemachten Erfahrungen informiert und am Mittwochabend berichtete Rektor Ruppaner aus Wutöschingen über die neue Schulform. Das Feld war also bestellt, als Lenzkirchs Rektor Roland Willmann den Gemeinderäten diese Schulform, als eine Chance für Lenzkirch nahelegte. Er werde keine Wertung oder Empfehlung aussprechen, stellte Willmann seinen Ausführungen voran. Persönlich möchte er die Gemeinschaftsschule in Lenzkirch aber haben.

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Den Gemeinderäten lieferte er Fakten für ihre Entscheidung. Nach dem Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung gebe es folgende Schülertrends zu beobachten. Im ländlichen Raum tendieren die Schüler zur Realschule und in der Stadt zu den Gymnasien. Und dies bei rückläufigen Schülerzahlen. Die Sommerberg-Schule ist die zweitgrößte Grund- und Werkrealschule im Hochschwarzwald. Ohne Grundschule ist sie die drittgrößte Werkrealschule im Hochschwarzwald und dies mit einem kleinen Einzugsgebiet der Schüler. 80 Prozent verlassen die Lenzkircher Schule mit der mittleren Reife und davon geht jeder Fünfte an die beruflichen Gymnasien.

Dem Schulstandort Lenzkirch tun sich drei Möglichkeiten auf

Den Blick realistisch nach vorne gerichtet, sprach Willmann weiter von drei Möglichkeiten für den Schulstandort Lenzkirch. Erstens: Lenzkirch würde dem Schulzweckverband Oberes Wutachtal beitreten und vielleicht eine Außenstelle erhalten, was zwar vage aber denkbar sei. Zweitens: Es tut sich nichts und die Sommerberg-Schule bleibt eine Werkrealschule. Hier stelle sich dann die Frage für wie lange kann der Status gehalten werden. Drittens: Die Sommerberg-Schule entwickelt sich zur Gemeinschaftsschule ab dem Schuljahr 2013/14. Für diese Möglichkeit müsse man wissen, ob die Eltern dies akzeptieren. Deshalb ist eine große Umfrageaktion angezettelt, in die auch Vereine und Handwerks- und Industriebetriebe eingebunden werden. Mit dem Ergebnis soll im Juli in ein Treffen mit dem Leiter der Stabsstelle Gemeinschaftsschulen im Kultusministerium, Zeller gegangen werden.

Die Gemeinschaftsschule ist eine Realschule, betonte Willmann, sie sei aber mit einem individuell zugeschnittenen pädagogischen Konzept, angesichts der Förderungsinhalten besser mit Lehrern und Stunden ausgestattet und weise einen kleineren Klassenteiler auf. Die Gemeinschaftsschule könne eine Signalwirkung haben, dass Bildung als ein Standortfaktor gesehen werde, meinte Willmann. Er schloss seine Ausführung mit der Anmerkung ab, dass wer will, einen Weg findet – und wer nicht will, der findet Gründe.

In der Diskussion waren keine Gegenargumente zu hören. Sascha Phlippen sprach von einer einmaligen Chance und mit Rektor Willmann habe man einen guten Mann dafür, um das Thema zu forcieren und umzusetzen. Hubert Kaiser sprach vom Auslaufmodell Werkrealschule. Die Gemeinde habe keine andere Wahl und fand das pädagogische Konzept überzeugend. Wenn der Schritt zur Gemeinschaftsschule jetzt gemacht werde, erhalte man auch genügend Lehrerstunden. Wenn nicht, dann bleibe nur die Grundschule übrig, gab Maria Leufke zu bedenken. Das Thema Hausaufgaben entfalle in der Gemeinschaftsschule, wie das Schleppen schwerer Schulranzen.

Bürgermeister Feser ergänzte, dass der Landkreis prüfe, ob Schulen e-books erhalten. Für Schüler ist es das Richtige, und das war für Christa Winterhalder der Grund dafür zu sein. Außerdem erfreute sei sich am vielen Herzblut, mit diesem Projekt verbunden sei. Die Entwicklung gehe nicht von heute auf morgen, sondern schrittweise und müsse von der Gemeinde langfristig gestemmt werden, meinte Rudi Berg. Klaus Kerdraon erkundigte sich nach der Meinung im Kollegium. Er habe da ein gutes Gefühl, antwortete Willmann. Der Gemeinderat förderte die Aufbruchstimmung und sprach sich einstimmig dafür aus, die Einrichtung einer Gemeinschaftsschule zu prüfen und beauftragte die Verwaltung damit, den entsprechenden Antrag vorzubereiten.

Autor: Ralf Morys