Klassenzimmer wird zum Lernatelier

Barbara Herrmann

Von Barbara Herrmann

Fr, 25. Mai 2012

Lenzkirch

Rektor Stefan Ruppaner aus Wutöschingen spricht im vollbesetzten Kurhaus über das Thema Gemeinschaftsschule.

LENZKIRCH. Im Schulwesen vollzieht sich gerade ein gravierender Wandel. Schularten und Schulstandorte verändern sich. Das Thema Gemeinschaftsschule ist im ländlichen Raum eine Chance, um Schulstandorte auf eine zukunftsträchtige Basis zu stellen. Stefan Ruppaner, Rektor von der Alemannenschule in Wutöschingen, die Starterschule als Gemeinschaftsschule ist, berichtete am Mittwochabend im vollbesetzten Kurhaus über Tagesabläufe, Arbeitsfelder, Begabtenförderung und Betreuung in einer Gemeinschaftsschule.

Bürgermeister Reinhard Feser begrüßte die vielen Zuhörer, bestehend aus Eltern, Lehrern und Gemeinderäten und meinte mit dem Wegfall der Grundschulempfehlung sei das Interesse an Gemeinschaftsschulen enorm gestiegen und es gebe neue Möglichkeiten mit der neuen Landesregierung.

Roland Willmann, Rektor der Sommerberg-Schule (Grund- und Werkrealschule) sieht die Gemeinschaftsschule als Chance für Lenzkirch. Der Antrag für eine Gemeinschaftsschule müsse dieses Jahr gestellt werden. Willmann freute sich über das große Elterninteresse, denn es seien die Eltern, die über die Zukunft ihrer Kinder und somit auch über die Schulen entscheiden werden.

"Gut gerüstet für das Leben in dieser komplexen Welt, sollen Schüler in der Gemeinschaftsschule werden", meinte Referent Stefan Ruppaner eingangs. Durch Eigeninitiative, Selbstorganisation und Selbstverantwortung, können sich die Kinder die Welt selbst erschließen. Wir sind am Anfang, erzählt Rektor Ruppaner. Das Leitbild der Alemannenschule ASW stehe für Anstand, Selbstverantwortung und Willensstärke.

Bildungsarbeit erstreckt sich über vier Arbeitsfelder

Es gibt vier Arbeitsfelder: Raum, Zeit, Lehrer und Schüler, wobei die Schüler das geringste Problem sind. Aus den Klassenzimmern wird ein Lernatelier, ansprechend, ein Zuhause für die Lernenden. So haben sich die Lehrer der Alemannenschule nach Singen in den Baumarkt aufgemacht, um Regale zu kaufen, um sie danach selbst aufzubauen. Diese Lernoasen sind nicht unbedingt mit riesigen finanziellen Mitteln zu stemmen, wichtig ist, das der Schüler mehr Platz bekommt. Eine Gesamtschule braucht eine Sozialarbeit, einen Ganztagsbetrieb und ein pädagogisches Konzept.

Das nächste Arbeitsfeld ist Zeit. Der Wechsel zwischen Arbeit und Freizeit braucht ein ausgeglichenes Maß. So ist in der Alemannenschule in Wutöschingen der Judoverein in das Freizeitangebot miteinbezogen.Zudem wird von der örtlichen Industrie ein Fischertechnikraum gesponsert.

Jeder Tag beginnt mit Musik, gefolgt von freier Stillarbeit, um danach in den Arbeitsblock vernetzter Unterricht einzusteigen. Die Schüler arbeiten teils am Laptop, sodass hohe Kosten für Bücher wegfällt. Nach dem Essen ist Mittagsfreizeit angesagt, die Raum für Spiel und Erholung bietet. Ab 13.30 Uhr ist Zeit für Projekte und Exkursionen, freie Stillarbeit und den Wahlpflichtbereich. Was nutzt es, wenn man weiß, wo die Wutachschlucht ist, wenn man sie noch nie gesehen hat, da muss eine Exkursion her. Hausaufgaben gibt es keine. Die Schule ist der Ort des Lernens.

Der Lehrer ist Lernbegleiter, der dem Schüler hilft und berät, wo es hingeht, Beratungszeit ist eingeplant. Die bisherige Lehrerfahrung wird durch individuelles Fordern und Fördern ergänzt. Die Bewertung der Lernleistung erfolgt über ein Kompetenzraster, das auch für Eltern einsehbar ist. Hierbei wird unterteilt in Mindeststandard, Regelstandard und Expertenstandard. Hieraus geht recht schnell hervor, ob der Schüler ein Schaffer ist und möglichst bald ins Berufsleben eintritt oder etwas anderes anstrebt. Rektor Stefan Ruppaner zeigt eine Karte über das Schulsterben in der Region bis 2020. Kinder haben demnach dann Anfahrten von bis zu zwei Stunden für den Schulweg einkalkulieren, weil es in der Nähe keine Schule ab dem 10. Lebensjahr mehr geben werde. Stefan Ruppaner erzählte von dem etwas anderen Englischunterricht an seiner Schule. Hier liegt der Schwerpunkt bei der Konversation. Dies haben zwei pensionierte Lehrer übernommen. Frontalunterricht gehört der Vergangenheit an. Nach den Dankesworten musste Rektor Ruppaner in der anschließenden Fragerunde noch viele Antworten geben.