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24. Dezember 2008

Krippen schauen ist ein alter Brauch

Vom Schwarzwald bis zur orientalischen Festung reichen die Krippen-Bilder in der Seelsorgeeinheit Östlicher Hochschwarzwald

  1. Landschaftstypische Szene aus der schön geschnitzten Schwarzwaldkrippe der Lenzkircher St. NikolauskircheAuch den Lenzkircher Uhrenträger zieht es zum weihnachtlichen Geschehen. Foto: manfred-G. Haderer

  2. Krippe Pfarrkirche Schluchsee, wertvolle Südtiroler Figuren Foto: manfred-g.Haderer

HOCHSCHWARZWALD. Ein Lenzkircher Uhrenträger beugt das Knie vor dem Jesuskind im bewalmten Stall, der Jäger schreitet unterdessen durch den dicht aufgebauten Fichtenwald, eine Bäuerin in traditioneller Bekleidung reicht der heiligen Familie ein selbst gebackenes Brot. Das ist die Weihnachts-Szene, eingebettet in die heimatliche Umgebung, wie sie alljährlich in der Lenzkircher Pfarrkirche St. Nikolaus aufgebaut ist.

Die Kirchenkrippen geben oftmals nicht nur die Darstellung der Geburt Christi aus der Weihnachtsgeschichte wieder. Vielmehr sind sie individuell gestaltete Szenarien, die die Bilderwelt der Adventszeit mit Christi Geburt bis hin zur Ankunft der Könige zum einen mit der Welt dessen verbinden, der diese Kunstwerke geschaffen hat. Zum anderen sind auch Krippen-Szenen abhängig vom Zeitgeist: "Puristische Darstellungen" finden sich ebenso wie ganze Bethlehem-Bilder mit Mauern und Zinnen oder Schwarzwald typische Landschaften.

Nicht umsonst war das "Krippen schauen" mit den Kindern, mit der ganzen Familie in der früher Computer- und fernsehfreien Zeit ein stiller und schöner Brauch an den Tagen zwischen den Jahren, der im Hochschwarzwald einst besonders ruhigen Zeit zwischen Weihnachten und dem Dreikönigsfest. Es gab vieles zu bestaunen, was da aufgebaut war in den Kirchen und Kapellen. Das Weihnachtswunder war in einfachen dreidimensionalen Bildern verständlich gemacht, man liebte die bunten Figuren, Charaktere und Tiere, die die frohe Botschaft so "wirklichkeitsnahe" veranschaulichten. Der weihnachtliche Spaziergang durch die weiße Landschaft, die Wanderung ins Nachbardorf gehörte zu den wenigen kargen Freizeitvergnügen, die man sich gönnte. Nein, diese Zeit gehörte auch dem hineingeborenen Glauben, man war sich sicher, das der Herrgott im Himmel wohlgefällig auf das Brauchtum des Krippenschauens blickte.

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Bewundernd stand man mit den Kindern, mit Opa und Oma vor den Krippen, sang vielstimmig das eine oder andere Weihnachtslied. In einer Zeit, als man noch nicht auf "political correctness" achten musste, warf man in das Kässchen des armen, vermutlich heidnischen "Negerkindes" ein paar Pfennige des Ersparten. Und das nickte dafür dankend und lange. "Vergelt’s Gott’ stand auf diesem einfachen Automaten, ebenso wie auf mancher Kasse, wo sich bei Einwurf eines "Zehnerles" das rot schimmernde Licht im Stall einschaltete, aus einer Spieluhr ein leises Weihnachtslied ertönte oder – welche Kinderfreude – sich doch tatsächlich ein Wasserrad am Schwarzwaldhaus mit dem Krippenstall in Bewegung setzte.

Spätestens die 1970er Jahre brachten den Bruch. Die Neuzeit war endgültig eingezogen, andere Interessen standen nun im Vordergrund. Die schönen alten Krippen gibt es zwar noch in der großen Seelsorgeinheit "Östlicher Hochschwarzwald’. Die staunenden Kinderaugen ob einer kirchlichen Krippendarstellung sind allerdings selten geworden. Pfarrer Johannes Buchmüller kennt das Brauchtum des "Krippenschauens" noch aus seiner eigenen Kindheit. Nicht nur in die Kirchen und Kapellen seien die Kinder seinerzeit gezogen, auch zu den Nachbarn führte der Weg, um zu sehen, wie jene ihre Krippenlandschaft unter dem Weihnachtsbaum gestaltet hatten.

Die Badische Zeitung nimmt den Brauch des Krippenschauens auf, wandert einige Krippen in den Kirchen der Seelsorgeeinheit ab. Die wunderschön geschnitzte Lenzkircher Schwarzwaldkrippe haben wir eingangs vorgestellt. Ganz anders zeigen sich die beiden Weihnachtslandschaften in Saig und Kappel. Eine historisch-orientalische Stadt bildet die Kulisse des Weihnachtsgeschehens in Saig. Stimmungsvoll beleuchtet, führen mit allerlei Figuren belebte Wege hinauf zu Häusern, Türmen und Toreingängen. Eingebaut in die Ruinenstadt Bethlehem ist Christi Geburt in der Kappeler St.-Gallus-Kirche dargestellt, am Ziehbrunnen die Hirten, mit Lämmern auf dem Rücken, mit Laterne in der Finsternis.

Viele Krippen sind typisch für die Region
Typisch für die Region dagegen ist die Darstellungen in der Kirche St. Wendelin in Altglashütten, in Blasiwald sowie in der St. Josefskapelle in Faulenfürst, in Fischbach oder in der Lenzkircher Filialkirche in Grünwald. Dabei beeindrucken in Altglashütten die Textilgewänder der Heiligen Familie und der Könige. Im kleinen Faulenfürster Gotteshaus leuchtet der Komet über dem Stall.

Sehr ausdrucksvoll stellt sich die Weihnachtsgeschichte den Betrachtern in der St.-Nikolaus-Kirche in Schluchsee dar. Die charakterstarken Figuren, die das Lukasevangelium beinahe wie gemalt darstellen, stammen aus den Dolomiten. Dort, im Südtiroler Grödnertal, werden bis heute in Schnitzerfamilien Generationen übergreifend klassische Weihnachtsszenarien hergestellt.

Eine Besonderheit ist die Künstlerkrippe der Feldbergkirche
Eine absolute Besonderheit ist auch die Künstlerkrippe in der Feldbergkirche. Die vor einigen Jahren verstorbene Gertrud Langenohl verband gar zeitgenössische Charaktere mit dem Weihnachtsgeschehen. Die Figuren tragen für jeden aufmerksamen Betrachter erkennbar beispielsweise die Züge von Mutter Teresa oder des damaligen Bundespräsidenten von Weizsäcker. Nicht weit davon gibt es noch eine weitere versteckte Besonderheit. Keine Krippe im herkömmlichen Sinne, sondern einen vor knapp 80 Jahren von Hans Franke geschaffenen Flügelaltar mit der gemalten Weihnachtsgeschichte vor der tief verschneiten Feldberglandschaft. Zu finden ist dieses beeindruckende Werk, das vier Bildtafeln ziert, in der öffentlich zugänglichen Kapelle des Caritashauses.

Allesamt erwecken diese Darstellungen jener Heiligen Nacht Erinnerungen. Bei den Älteren an längst vergangen Jahre der Kindheit, in denen Gemüt, Staunen, Glaube und Volksfrömmigkeit noch unangefochten das schönste Fest und die einstmals stille Zeit "zwischen den Jahren" bestimmten. Und vielleicht wird mit dieser Wanderung zu den Kirchenkrippen zwischen Lenzkirch und Schluchsee, zwischen Kappel und dem Höchsten der eine oder andere Leser auch ermuntert, sich in diesen Tagen wieder einmal auf den Weg zu machen, gerade auch mit Kindern unseren schönen traditionellen Kirchenkrippen wieder einmal einen Besuch abzustatten.



Autor: Manfred-G. Haderer