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30. Mai 2012

Organspende

Das setzt umfassende Aufklärung voraus

Zu: "Der Mensch als Lebensretter" und "Vom Hirntod zur Organspende", Beiträge von Michael Neubauer und unseren Agenturen, (Politik, 26. Mai):

Seit den Anfängen der Transplantationsmedizin wird die Gesellschaft nur einseitig werbend aufgeklärt, um die Organgewinnung zu maximieren. Der Bevölkerung wird vermittelt, Organspende sei ein Akt der christlichen Nächstenliebe. Auch wird fälschlicherweise eine Kausalität zwischen dem Tod schwer kranker Menschen und einem Mangel an Organen hergestellt: Täglich würden in Deutschland drei Menschen sterben, weil zu wenig Menschen Organe spendeten.

Die Aufklärung beinhaltet hingegen keine Informationen über die Konsequenzen einer Organentnahme für den Geber und dessen Angehörige. Die Grundannahme, der Hirntod sei der Tod des Menschen und die betroffenen Patienten seien Verstorbene entspricht nicht mehr dem Erkenntnisstand der medizinischen Wissenschaft.

In der international geführten Fachdiskussion werden selbst von renommierten Transplantationsmedizinern und Medizinethikern hirntote Patienten als Sterbende definiert. Damit ist die ethische und rechtliche Frage nach der Rechtfertigung der medizinischen Tötung der Spender durch die Organentnahme aufgeworfen; der Tod tritt zum Beispiel infolge der Explantation des Herzens oder, wenn das Herz nicht entnommen wird, durch Ausblutung des Spenders ein.

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Eine Entscheidung für oder gegen eine Organspende zu fällen, setzt eine umfassende Aufklärung der potentiellen Spender voraus. Es muss der Bevölkerung verständlich erklärt werden, dass ein Organspender während der Organentnahme noch lebt und dass ein Organspender auf dem OP-Tisch als Folge der Organentnahme stirbt. Das Prozedere der Organgewinnung beinhaltet außerdem einen Verstoß gegen die Würde eines Sterbenden, denn er wird zum Objekt degradiert.

Der Mensch ist mehr als eine Maschine mit austauschbaren Ersatzteilen. Er ist ein Individuum, dem Würde zusteht bis zum Schluss – auch und gerade in seiner Entscheidungsfreiheit. Wenn Frank-Walter Steinmeier seiner Frau eine Niere spendet, ist dies seine Entscheidung bei vollem Bewusstsein. Es ist keinesfalls gleichzusetzen mit einer durch normativen Druck und in Unkenntnis aller evidenten Kriterien zustande kommenden Organentnahme – letztlich auf Grund einer nun als falsch erkannten Hirntod-Definition. Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) kündigte ja an: "Wir werden eine große Öffentlichkeitskampagne starten, um die Menschen besser aufzuklären." Auf diese Kampagne bin ich sehr gespannt. Dietmar Krieger, Offenburg

Autor: Dietmar Krieger, Offenburg