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12. Februar 2016

Es ist nicht die Homöopathie, die die Gesundheitssysteme in die Knie zwingt

Das schlichte Argument "Was nicht erklärt werden kann, kann nicht funktionieren" ist nicht geeignet, die Homöopathie zu bewerten. Die Deutungsmacht der Wissenschaft wird gemeinhin weit überschätzt. Wir können den Urknall nicht erklären, wir wissen nicht, wo die schwarze Materie steckt, die 90 Prozent unseres Universums ausmacht, wir wissen nicht, warum uns der Mond immer dieselbe Seite zudreht und wie Narkotika wirken.

Also: "Können wir nicht erklären" ist kein Argument gegen Wirksamkeit. Aber wirkt die Homöopathie? Jeder kann sich zunächst eine unabhängige Meinung bilden, indem er sich im Bekanntenkreis umhört. Es gibt darüber hinaus so etwas wie die Evidenz des Marktes: Ich halte es für unwahrscheinlich, dass sich eine preiswerte Methode ohne Wirksamkeit über 140 Jahre am Markt halten konnte. Und ob das Verschwinden von Heuschnupfensymptomen nach einer komplexen Arzt-Patient-Niedrigdosis-Wechselwirkung wie bei mir Zufall, Placebo oder kausale Wirkung ist – niemand weiß es. Es ist am Ende des Tages egal. Kann die Homöopathie prinzipiell wirken? Menschliche Transkriptionsfaktoren wirken noch mit wenigen Molekülen pro Zelle. Solange also einige Moleküle Wirkstoff vorhanden sind, ist eine Wirkung grundsätzlich möglich. Anders sieht es aus bei den Hochpotenzen jenseits D23. Deren Wirkung ist in der Tat unplausibel.

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Doch wir sollten nicht vergessen, dass das Modell einer Welt, die ausschließlich auf molekularen Wechselwirkungen beruht, seit der Quantenphysik überholt ist.
Den Mangel an Studien am Menschen teilt die Homöopathie mit anderen Behandlungsmethoden: Dem US-Institute-of-Medicine zufolge ist mehr als die Hälfte der medizinischen Praxis nicht evidenzbasiert. Übrigens gibt es Studien aus dem Veterinär- und Pflanzenbereich, die positive Wirkungen homöopathischer Behandlung belegen. Das Kostenargument: Es ist nicht die Homöopathie, die die Gesundheitssysteme in die Knie zwingt, sondern die enormen Renditen, die Pharmafirmen meinen, ihren Aktionären garantieren zu müssen, sowie die neuen Therapien, die bis zu sechsstellige Summen pro Patient und Jahr kosten. Die Kosten der Homöopathie sind im Vergleich lachhaft.Prof Dr. Uwe Hobohrn, Kandern

Autor: Prof Dr. Uwe Hobohrn, Kandern