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29. September 2012

Ich sage klar "Nein" zu einer Strafbarkeit

Geht man von den Leserbriefen zum Thema Beschneidung aus, sind augenscheinlich fast alle Leser der BZ Befürworter einer Strafbarkeit der Beschneidung von männlichen Säuglingen. Dies ist aus meiner Sicht bedenklich, weil sich bei einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Nachrichtenagentur dpa nur 45 Prozent der deutschen Bevölkerung für eine Strafbarkeit aussprachen. Haben wir hier in Baden vielleicht ein besonderes Problem mit diesem Thema?

Die ausschließlich auf religiöse Praktiken reduzierte Diskussion erscheint mir verfehlt. Aber auch die vielfach geäußerte Prämisse eines "grenzenlosen Schutzes" der körperlichen Unversehrtheit ist juristisch nicht haltbar. Oder, wie halten es denn die Bestrafungsbefürwörter mit einer Strafbarkeit bei den "modernen" Säuglingsimpfungen, die in nicht wenigen Fällen ganz erhebliche gesundheitliche Folgen haben? Und wo ist die vielpropagierte Toleranz gegenüber anderen Kulturen und Religionen geblieben? Mir ist kein Land bekannt, in dem die Beschneidung von männlichen Säuglingen unter Strafe steht.

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Soll gerade Deutschland hier eine weltweite Vorreiterrolle übernehmen? Ich sage klar "Nein" zu einer Strafbarkeit. Jedem, der das Alte Testament richtig gelesen hat, ist bekannt, dass das jüdische Volk einen "Bund der Beschneidung" mit Gott hat und dass es über diesen Bund seine Identität definiert.

Die Beschneidung wird für einen jüdischen Mann als so wichtig angesehen, dass er nach 1. Mose 17, 14 ausgerottet werden soll, wenn er nicht beschnitten ist. Eine Strafbarkeit der Beschneidung muss also jeden gläubigen Juden in ernste Konflikte stürzen. Schon aus dem Grund sollten wir Deutschen diesen fundamentalen Angriff auf den Bund Gottes mit den Juden unterlassen.

Autor: Christian Schwarz, Breisach