UN-Klimakonferenz

Mäßigung und Verzicht müssen politikfähig werden

Angela Herlyn

Von Angela Herlyn (Freiburg)

Mo, 24. Dezember 2018

Leserbriefe

Zu: "Es bleiben noch zwölf Jahre", Leitartikel von Christian Mihatsch (Wirtschaft, 15. Dezember)

In seinem Leitartikel bringt Christian Mihatsch mit großer Klarheit zum Ausdruck, unter welchem Zeitdruck die Weltgemeinschaft angesichts der fortschreitenden Erderwärmung steht. Dafür ist ihm zu danken. Der Abschnitt zur Bodennutzung jedoch wirft Fragen auf. Es heißt da: "Nur eine deutliche Steigerung der landwirtschaftlichen Erträge auf den genutzten Flächen ermöglicht den Erhalt von Arten und eine Ausdehnung der Wälder."

Was ist mit dieser Steigerung gemeint? Die industrielle Landwirtschaft, die die natürliche Bodenfruchtbarkeit zerstört, die angewiesen ist auf Kunstdünger, auf bald erschöpfte Ressourcen wie Phosphat und andere, den Einsatz zahlreicher Umweltgifte, genmanipulierte Hochertragssorten mit unkalkulierbaren Folgen? Eine Landwirtschaft also, die weit entfernt ist von einer Kreislaufwirtschaft, die allein die Lebensgrundlage für die kommenden Generationen erhalten könnte? Oder ist vielleicht doch die ökologische Intensivierung, wie sie etwa Felix von Löwenstein fordert, hier angedacht? Der Hinweis auf die nötige "Aufgabe weitverbreiteter Denkverbote" legt leider nahe, dass doch Ersteres hier als klimafreundlich bemäntelt werden soll.

Denkverbote fallen lassen, ist angezeigt, doch in gänzlich anderem Sinn: Die Frage "Was brauchen wir wirklich?" muss politikfähig werden, ebenso müssen es die Worte Mäßigung, Einschränkung, Verzicht werden. Nur ein Beispiel: Wie viel Boden ist nötig, um allein das CO2 zu speichern, das durch unsere verzichtbaren Urlaubsflugreisen entsteht – von der BZ übrigens jeden Samstag mit schönen Bildern propagiert?Angela Herlyn, Freiburg