Leserbriefe

Ingeborg Lambert-Sennrich

Von Ingeborg Lambert-Sennrich (Badenweiler)

Di, 21. August 2018

Badenweiler

WOHNBEBAUUNG
Fragwürdige Entwicklung
Zu unseren Beiträgen "Brühl Südwest nimmt Formen an" vom 7. August und "Badenweiler möchte wachsen" vom 22. Februar erreichte uns ein Leserbrief.
Welche Begründung gibt es dafür, dass Badenweiler wachsen soll? Gibt es für ein Neubaugebiet einen wirklichen Bedarf? Und noch dazu in einer solch verdichteten Bauweise? Man kann nur mutmaßen: Will man am allgemeinen Bauboom in der Region teilhaben, nach dem Motto: Wir wollen uns nicht abhängen lassen? Geht es darum mehr Einwohner zu generieren, auch als Einnahmequelle für die klamme Gemeindekasse?
Viele verschiedene Gesichtspunkte stehen einer weiteren Bebauung entgegen. Da gibt es die Beobachtung, dass im Ort einige Häuser – große und kleinere – auf dem Markt sind, dass die in den letzten Jahren entstandenen Überbauungen in der Wilhelmstraße nur schleppend verkauft wurden und, ebenso wie bestehender Wohnraum, vielfach als Ferienwohnungen gekauft – Stichwort: Flucht in Betongold – oder gemietet werden mit entsprechend sporadischer Nutzung. Dies generiert neue Rolladenquartiere, meines Erachtens eine fragwürdige Entwicklung für den Kurort. Ein weiterer Gesichtspunkt ist die demografische Entwicklung, denn in den nächsten Jahren und Jahrzehnten werden nicht nur in Badenweiler altersentsprechend viele Einfamilienhäuser frei werden, warum dann neu bauen? Leerstand zu beseitigen müsste vor Neubau gehen, um den Flächenverbrauch zu bremsen, Renovierung von Wohnungsbestand vor Abriss und Neubau, um Ressourcen zu schonen. Gewichtige Argumente sind die massiven klimatischen Nachteile durch verdichtete Bebauung und Verbrauch von Natur, die mittlerweile für jeden noch so hartleibigen Klimaveränderungsbeschwichtiger leibnah erfahrbar sind.

Und was die Finanzsituation der Gemeinde betrifft: Dem Erlös von Gemeindegrundstücken und dem Einwohnerzuwachs mit höheren Steuereinnahmen stehen auf der Soll-Seite Erschließungskosten, die nicht in voller Höhe auf die Bauherren umgelegt werden können, sowie langfristige hohe Kindergarten- und Beschulungskosten durch Teil- und Ganztagesbetreuungen gegenüber, also eine Milchmädchenrechnung. Ich meine, dass man vor Beginn eines solchen Projekts die Meinung der Bürgerschaft einholen müsste, die eine weitere Höherverschuldung auf lange Sicht durchtragen muss. Gerade kürzlich wurde beschlossen im nächsten Jahr die Grundsteuern zu erhöhen, aufgrund der bereits heute bestehenden und sich weiter verschärfenden Verschuldungssituation der Gemeinde.

Ingeborg Lambert-Sennrich, Badenweiler