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10. Februar 2017

Leserbriefe

KLEINGÄRTEN
Beiträge zu Natur- und Umweltschutz
Zum Bericht "Äcker werden Kleingärten" über städtische Pläne, in St. Georgen auf bisher landwirtschaftlich genutzten Flächen Ersatz zu schaffen für Kleingärten, die im Stühlinger wegfallen (BZ vom 28. Januar).

Eine Kleingartenanlage für Bauplätze platt zu machen und als Ersatz daneben die Ackerflächen der Bauern dafür zu belegen, erinnert an einen Kuhhandel, bei dem die Kleingärtner und die Bauern die Verlierer sind. Trotz dieses Tausches bleibt es bei einem Flächenverbrauch von 185 Kleingärten. Dazu kommen die 76 Hektar landwirtschaftlich genutzten Flächen im Dietenbach-Areal für Bauvorhaben.

Gewiss sind bezahlbare Wohnungen fundamental wichtig, jedoch kann das Bauwachstum in dicht besiedelten Städten nicht unbegrenzt sein. Im Baugebiet Gutleutmatten im Stadtteil Haslach verschwanden neulich rund 220 Gärten, obwohl das Freizeit-Interesse der Bürgerinnen und Bürger an den Gärten riesig ist. Auf wen hören, wenn nicht auf die Bürger?

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In Deutschland sind laut Angaben des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung und des Umweltbundesamte 50 Prozent der Siedlungs- und Verkehrsflächen versiegelt. Täglich kommen etwa 110 Hektar dazu.

Der demographische Wandel hat Mobilitätseinschränkungen älterer Menschen zur Folge. Längerem, selbstbestimmtem Wohnen in vertrauter Umgebung steht deshalb auch ein langer Anfahrtsweg zu außerhalb gelegenen Kleingärten und der Inklusion entgegen. Kleingärten sind auch Beiträge zur sozialen Inklusion, die Menschen mit Immigrationsgeschichte gerne annehmen würden.

Kleingärten sind überdies Beiträge zum Natur- und Umweltschutz und ein Gegenpol zum beschleunigten Klimawandel. In der BZ las man kürzlich in mehreren Beiträgen – auch von Umweltverbänden – von verschwindenden Insekten- und Vogelarten oder einer Dezimierung der Honigbienen. Auch diese Lebewesen benötigen Flächen mit allerlei Pflanzen.

Das Bewusstsein für Mensch – Tier – Pflanze müsste in den Schulgärten beginnen. Wo sind die grünen Klassenzimmer? Garten-PC-Spiele bieten keinen Ersatz für das reale Leben. Dafür braucht es Flächen. Eine weitere Möglichkeit nannte der Deutsche Städtetag (2013): "Durch Kooperation mit Altenheimen können aktive Kleingärtner den Zugang von hilfsbedürftigen älteren Menschen zum öffentlichen Leben verbessern". Die Integration von Migrantinnen und Migranten sei ebenfalls eine "wichtige gesamtgesellschaftliche Aufgabe".

Kleingärten erfüllen eine Reihe sozialer Funktionen und sollten, der Empfehlung des Arbeitskreises "Kommunales Kleingartenwesen" folgend, als Chance erkannt werden, kulturelle Kontinuität und Verwurzelung in der agrarischen Produktion und Kultur nicht abreißen zu lassen. Viele Kleingartenvereine engagieren sich über die eigene Anlage hinaus für Naturschutz und eine gesunde Ernährung.
Gerhard Schiff, Wiehre

Autor: Gerhard Schiff, Wiehre