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25. November 2008

LEUTE

Frauenpower

statt Larmoyanz

Das zehnjährige Bestehen des Fördervereins "Obdach für Frauen" (OFF), so Vorsitzende Renate Lepach, hätte sich auch mit Larmoyanz und Pathos begehen lassen. Doch der Vorstand wollte es mit "Frauenpower" versuchen. Den Geburtstagsgästen im rappelvollen Winterer-Foyer des Stadttheaters am Sonntagabend hat’s gefallen – darunter ein knappes Dutzend Stadträtinnen und Stadträte, die sich OFF verbunden fühlen. Ein Beleg dafür, dass der 55 Mitglieder starke Verein einen "festen Platz im frauenpolitischen Gesamtnetzwerk in Freiburg hat", wie die städtische Frauenbeauftragte Ursula Knöpfle sagte. Inzwischen kann er auf 260 Unterstützer/innen bauen, darunter Freiburgs Stadtplanungsamtsleiter Wulf Daseking, der die Einladungskarte gezeichnet hatte. Zu den Müttern der ersten Stunde gehört Kerstin Andreae und zwar im doppelten Wortsinn. Die damalige Grünen-Stadträtin und heutige Bundestagsabgeordnete gehörte zu den Gründungsmitgliedern und schaukelte während der Vorstandssitzungen ihr Söhnchen, wie Renate Lepach erinnerte. Da jetzt wieder "etwas Grünes unterwegs ist", gab es von OFF eine Neugeborenenausstattung aus der vereinseigenen Secondhand-Boutique "Le Sac" in der Sedanstraße, dieVize Elisabeth Armbruster leitet. Dieser Laden ist nur eines der Hilfsangebote von OFF – immer mit dem Ziel der Selbsthilfe, wie Kerstin Andreae betonte. Der Förderverein arbeitet eng mit der Anlaufstelle "Freiraum" der Diakonie zusammen, die sich um obdachlose Frauen kümmert, er gibt zinslose Kleinkredite, übernimmt Mietgarantien oder hilft, Wohnungen einzurichten. Die "verschämte, unauffällige Obdachlosigkeit von Frauen" habe OFF ins öffentliche Bewusstsein gerückt, lobte Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach, der nicht mit leeren Händen gekommen war, obwohl das Geld von Lehman noch nicht wieder zurück sei. "Aber solange wir noch liquide sind…"Wie schwer der Anfang war, schilderten die Stadträtinnen Pia Federer (Grüne) und Gabi Rolland (SPD) sowie Professorin Cornelia Helfferich. Nach einem Jahrzehnt gehört OFF zu den etablierten sozialen Einrichtungen. Und verleiht selbst einen Preis, benannt nach der schizophrenen Malerin Hildegard Wohlgemuth, die viele Jahre auf der Straße lebte – auch in Freiburg. Im Jahr 2003 starb sie.

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In diesem Jahr erhält das Redaktionsteam der Straßenzeitung "Freie Bürger" den mit 1500 Euro dotierten Hildegard-Wohlgemuth-Preis. Die Laudatio hielt BZ-Chefredakteur Thomas Hauser, der durchaus Parallelen entdeckte, zum Beispiel das Staunen darüber, dass der Laden zusammenhält. Die Straßenzeitung sei parteiisch und informiere aus der Szene, aber nicht für die Szene. "Dabei folgen Sie nicht immer den Regeln journalistischen Handwerks puristisch", beschied Hauser den Kollegen nachsichtig. Dass sie zehn Jahre bestehe und 100 Ausgaben veröffentlicht habe, sei keineswegs selbstverständlich. Das schafften viele ganz normale Medien nicht. Der "Freie Bürger" sei eine wichtige Stimme in der Stadt, keine bequeme. Kein schlechtes Zeugnis für Journalisten. Carsten Kallischko und seine "Freie Bürger"-Truppe versprachen, die Arbeit so weiter zu führen und war sichtlich berührt: "Ich wusste gar nicht, dass wir so gewürdigt werden."

Autor: mac