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03. Februar 2015 12:04 Uhr

Nostalgischer Verleihservice

Neues Leben für altes Porzellan

BZ-Interview: Die Retter der Tafelrunde über ihre Leidenschaft für alte Dinge

  1. Foto: Die Retter der Tafelrunde

  2. Daniel und Marta Theuerkaufer Foto: Britta Schunck

  3. Foto: Die Retter der Tafelrunde

  4. Foto: Daniel Theuerkaufer

  5. Foto: Daniel Theuerkaufer

  6. Foto: Die Retter der Tafelrunde

  7. Foto: Die Retter der Tafelrunde

  8. Foto: Die Retter der Tafelrunde

  9. Foto: Die Retter der Tafelrunde

Altes Geschirr lebt auf Hochzeiten gefährlich. Meist endet es bereits am Polterabend als Scherbenhaufen. Ein Graus für die Retter der Tafelrunde alias Marta und Daniel Theuerkaufer, die einen nostalgischen Geschirrverleih in Freiburg betreiben. Über ihre Liebe zu Dingen mit Geschichte, Geschirrspülmaschinen und das große Geld sprachen sie mit BZ-Redakteurin Birgit Herrmann.

BZ: Ihr seid die Retter der Tafelrunde. Was genau rettet ihr?
Marta: Wir retten altes Porzellan. Hauptsächlich in Form von Sammeltassen. Das sind Gedecke, die aus Tasse, Unterteller und Teller bestehen. Und wir retten die Tafelrunden von Menschen, die unser Geschirr für eine Veranstaltung mieten wollen. Sei es nun für eine Hochzeit, einen Geburtstag, ein Firmenjubiläum oder für was auch immer.

BZ: Wie seid Ihr darauf gekommen?
Marta: Der Auslöser war unsere eigene Hochzeit. Für diese hatten wir bereits 80 Gedecke gesammelt. Danach haben wir uns gefragt: Was machen wir jetzt mit dem ganzen schönen Porzellan? Und weil es einfach zu schade ist, um es im Schrank stehen zu lassen, haben wir gedacht, es wäre doch schön, wenn auch andere davon profitieren könnten, und dem Porzellan noch mal ein neues Leben geschenkt wird. So wurde die Idee für den Verleih geboren.

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BZ: Wo findet Ihr die Schätzchen?
Daniel: Meist auf Flohmärkten und in Antiquariaten.

BZ: Nach welchem Aspekt sucht Ihr das Geschirr aus?
Marta: Es muss uns einfach gefallen und echt alt sein, also eine Geschichte haben.
BZ: Wie viele Gedecke habt Ihr in Eurem Fundus?
Marta: Wir können Kaffeetafeln für bis zu 200 Personen ausstatten.

BZ: Wer leiht sich Euer Geschirr aus? Vintage-Fans? Oder Senioren?
Marta: Querbeet. Wir haben Jüngere, die heiraten. Aber auch Ältere, die ihren Geburtstag mit dem Geschirr feiern. Auf einen bestimmten Typ festlegen kann man die Ausleiher nicht. Es sind einfach besondere Menschen.

BZ: Muss das Geschirr sauber zurückgegeben werden?
Marta: Nein, nur grob gereinigt. Denn wir spülen das Geschirr mit speziellem Spülmittel. Geschirrspülmaschine ist absolut tabu.

BZ: Wenn wir schon beim Zerstören der Porzellanträume sind: Müssen die Ausleiher denn eine Versicherung abschließen?
Daniel: Bisher haben wir alles heil zurück bekommen, aber klar gibt es eine Regelung für solche Fälle.

BZ: Verleiht Ihr nur Kaffeegedecke?
Daniel: Wir verleihen ganz viel. Und vieles davon ist auch gar nicht auf der Homepage aufgeführt. Da lohnt es sich, uns einfach direkt anzusprechen. In unserem Fundus haben wir unter anderem Silberbesteck, Speisegeschirr, alte Kameras, Weinkisten, Schubladen, Fenster, Spitzendecken. Aber auch ältere Holzdinge wie Schraubzwingen oder Stickrahmen.
Marta: Und wir machen auf Wunsch auch die Blumendeko – vom Brautstrauß bis zum Tischschmuck – passend zum Geschirr.

BZ: Wie sind die Reaktionen der Gäste auf die nostalgischen Tafeln?
Daniel: Sehr positiv. Bei jedem weckt es Erinnerungen. Und damit hat man immer gleich ein Gespräch. Entweder weckt es die Erinnerung an die Großeltern oder an die eigene Jugend. Und dadurch, dass jedes Gedeck anders ist, kommen die Menschen auch gleich ins Gespräch. So nach dem Motto: "Was hast Du denn da?" Und jeder findet auch schnell seinen Platz wieder: "Ich saß bei dem Blau-Grünen."
Marta: Die Jüngeren finden es schön, weil man solches Geschirr im Alltag einfach selten sieht. Und die älteren Herrschaften sagen: "Das kenn’ ich noch von früher. Und schön, dass man sowas mal wieder auf dem Tisch hat." Es ist echt toll, dass man alle Altersgruppen damit anspricht.

BZ: Was kosten Eure Dienste?
Daniel: Ein Gedeck kostet pro Person 3,60 Euro. Uns geht es vor allem um den Spaß und nicht um das große Geld.

BZ: Und wenn jemand Omas gutes Service nun loswerden will, darf er sich an Euch wenden?
Daniel: Klar gerne! Bevor jemand etwas wegwirft, möchten wir es gerne retten.

Autor: bhe