BZ-Interview

Wie sollte man mit paranormalen Phänomenen umgehen?

arü

Von arü

Di, 27. Dezember 2016

Liebe & Familie

BZ-INTERVIEW mit Walter von Lucadou, der als Deutschlands bekanntester Spukforscher und Parapsychologe gilt.

Was ist von paranormalen Phänomenen zu halten? Anita Rüffer holte sich Rat bei Walter von Lucadou. Der 70-jährige Psychologe und Physiker leitet die Freiburger parapsychologische Beratungsstelle.

BZ: Herr von Lucadou, wie häufig kommen paranomale Phänomene vor?
Von Lucadou: Die Wissenschaft unterscheidet zwischen Traumaerinnerungsfälschungen, bei denen ein traumatisches Ereignis wie etwa ein Unfall erst im Nachhinein mit Vorahnungen und Träumen in Verbindung gebracht wird, und den so genannten Wahrträumen: Jemand schreibt einen Traum auf oder erzählt anderen davon, und dann tritt das geträumte Ereignis tatsächlich ein. Wem das öfter passiert, der kann nicht an einen Zufall glauben. In einer repräsentativen Umfrage in den USA sagten zwei Drittel der Befragten, sie hätten so etwas schon mal erlebt. Es handelt sich also um ein ziemlich häufiges Phänomen.
BZ: Der gesunde Menschenverstand sträubt sich dagegen, solche Vorkommnisse zu glauben. Wie lassen sie sich erklären?
Von Lucadou: Der gesunde Menschenverstand ist dabei kein guter Ratgeber. Wir gehen von einem Verschränkungszusammenhang aus und greifen damit zurück auf einen wissenschaftlichen Begriff aus der Physik. Die geht davon aus, dass es in der Natur neben dem kausalen Ursache-Wirkung-Prinzip solche von Raum und Zeit unabhängigen Verschränkungszusammenhänge gibt. Sie wurden experimentell in großen Studien nachgewiesen. Dass sie auch in anderen Disziplinen eine Rolle spielen könnten, hat man nicht für möglich gehalten – bis Wolfgang Pauli, der Nobelpreisträger für Physik, sie in den 1950er-Jahren für die Psychologie entdeckte. Verschränkung kommt durch Bedeutung zustande. Sie ist ein Zeichen für die Verbindung, die wir zu einem anderen Menschen oder zu unserer Umgebung haben. Wenn zum Beispiel ein Mensch, der mir sehr nahe steht, genau das ausspricht, was ich in diesem Augenblick denke, gibt es dafür keinen kausalen Zusammenhang. Auch die Liebe lässt sich nicht kausal erklären. Die Bedeutung eines Ereignisses ist das Entscheidende bei paranormalen Phänomenen.
BZ: … die somit nicht als Spinnerei abzutun sind?
Von Lucadou: Sie als krank abzutun, ist absoluter Unfug. Es hat tatsächlich Wahrträume gegeben, die ein Unglück verhindert haben. Solche Verschränkungswahrnehmungen können in unterschiedlichen Formen vorkommen: als Träume, Ahnungen, ein Bauchgefühl, in denen das Unbewusste zu einem Menschen spricht. Mit psychiatrischen Erkrankungen hat das überhaupt nichts zu tun. Die drücken sich so nicht aus.