Lieder der Sehnsucht und des Abschieds

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Do, 15. Februar 2018

Klassik

Die Basler Madrigalisten warten in der Musik Akademie Basel mit einem Geburtstagsprogramm für Joseph Freiherr von Eichendorff auf.

"Eichendorff ist kein Dichter der Heimat, sondern des Heimwehs, nicht des erfüllten Augenblicks, sondern der Sehnsucht, nicht des Ankommens, sondern der Abfahrt." So charakterisiert der Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Rüdiger Safranski Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff, der 2018 seinen 230. Geburtstag feiern würde. Eichendorff (1788 bis 1857) gilt als einer der wichtigsten und bekanntesten Vertreter der deutschen Romantik, gewissermaßen ein Vorläufer der heutigen Popkultur. Manche seiner Liedtexte sind regelrechte Ohrwürmer und zählen zu den Top Ten der Chormusik. Zeilen wie "O Täler weit, o Höhen" oder "In einem kühlen Grunde" sind weithin bekannt. Die Texte dieses wohl meistvertonten deutschsprachigen Lyrikers inspirierten auch namhafte Komponisten von der Romantik bis zur Gegenwart. Unter Leitung von Raphael Immoos präsentieren die Basler Madrigalisten anlässlich Eichendorffs 230. Geburtstags und unter der Überschrift "Happy Birthday Eichendorff!" eine Auswahl solcher Werke. Das beginnt mit Felix Mendelssohn Bartholdy und Auszügen "Aus sechs Liedern im Freien zu singen" oder "Aus sechs Liedern" und seiner Schwester Fanny ("Abendlich" oder "Schöne Fremde"); es folgen Robert Schumann, Richard Strauss, Hugo Wolf bis Zeitgenössischem wie Hans-Martin Linde und Liedern aus dessen Eichendorff-Gesängen oder vom 1995 verstorbenen Günther Bialas.

Tatsächlich steckt in vielen Volksliedern Lyrik Eichendorffs. Der artifiziell gebrochene Volkston seiner Gedichte gilt neben seiner musikalisch durchdrungenen poetischen Sprache als Grund dafür, dass sie so zu Vertonungen reizten. Die musikalische Rezeption seiner Lyrik war im 19. Jahrhundert allerdings von Beginn an auf den "romantischen Volksdichter" fixiert. Sie beginnt mit den ersten Vertonungen namentlich der Komponisten-Generation um Mendelssohn Bartholdy bis zur Eichendorff-Renaissance um 1900, als die Vertonungen seiner Texte bereits zum repräsentativen Liederbuch-Material gehörten.

Doch Eichendorff ist nach wie vor aktuell. Die Texte faszinieren bis heute, da sie in symbolischer Weise unsere Welt deuten, und die Basler Madrigalisten greifen dieses Faszination im großen Saal der Musik-Akademie Basel auf. Die 1978 von Fritz Näf an der Schola Cantorum Basel gegründeten Basler Madrigalisten sind der älteste und erste professionelle Kammerchor der Schweiz. Sie sind spezialisiert auf die Interpretation Alter und Neuer Musik, haben ein Repertoire von der Renaissance bis zur zeitgenössischen Musik und vergeben regelmäßig Kompositionsaufträge an Komponisten, deren Werke sie in Ur- und Erstaufführungen erlebbar machen. Mehr als 30 CDs und regelmäßige Rundfunkaufnahmen dokumentieren ein einmaliges Repertoire, für das das Berufsensemble mit etlichen Preisen ausgezeichnet wurde. Bei dem Konzert ergänzen Lea Ziegler und Meret Klee das Gesangsensemble an der Gitarre.

Konzert: Freitag, 16. Februar, 19.30 Uhr, Großer Saal der Musik-Akademie Basel, Leonhardsstraße 6,