Lyirk von Heide Jahnke

LESESTOFF: Erstaunen und Warnung

Gabriele Hennicke

Von Gabriele Hennicke

So, 20. Januar 2019

Buchenbach

Heide Jahnke ist Waldgängerin von Kindesbeinen an. Zuerst in Niedersachsen und inzwischen mehr als die Hälfte ihrer Lebenszeit in den Wäldern des Schwarzwaldes. Der Schwarzwald ist der in Buchenbach lebenden Lyrikerin längst zur Heimat geworden. Jahnke entwirft Waldbilder aus allen Perspektiven, sei es von oben aus dem Weltall als flecken auf dem blauen dem schrundigen/Planeten von oben teppiche brandlöchrig, sei es von fern als düsteren, nebelverhangenen Bergwald des Winters oder mittendrin im kirchenhohen Frühlingswald der Kindheit
voll von anarchisch süßem lustgeschrei/der vögel unter dem plafond blassblau des himmels .
"Des Käfers Mentekel" heißt ihr fünfter Gedichtband, der kürzlich im Drey-Verlag erschienen ist. Der Band ist in Schwarz-Weiß gehalten, verfremdete Fotografien der Autorin locken das Auge sofort in die Tiefe des Waldes und bieten ungewohnte Ein- und Ausblicke. des wildes tritt such ich vergebens/verdichtet die matten Gesänge/sind fehl am Platz da/hebt sich die borke vom baum/entdeckt die alte runenschrift/
des käfers menetekel : Diese Larvengänge, die der Borkenkäfer zwischen Stamm und Rinde frisst, sind wahrlich ein Menetekel, ein Warnruf, und zwar vor der fortschreitende Erderwärmung. In ihren Gedichten nimmt Heide Jahnke zwei Perspektiven ein: die der die Schönheit der Natur genauestens Wahrnehmenden und die der Warnenden. glühwürmchen lichtscheue/liebesgedanken im alter/fernab vom flammenstoss/des sonnwendfeuers heißt es an einer Stelle und ein paar Seiten weiter: was denkt wer wald denkt/zwischen mauern spitz gekiester gärten. Die Lyrikerin beobachtet haarscharf und benennt, was der Mensch der Natur antut in einer klaren, manchmal wohltuend altmodischen Sprache. Zugleich lenken ihre Gedichte voll Weisheit und Humor einen tieferen und womöglich neuen Blick auf den Wald und die Natur. blauäugig rotkappig stiefeln wir noch/immer mit kuchen und wein in den wald/dieses bewährte tableau/blumen suchend vornehmlich die blaue/wundern wir uns wenn der wolf/eigne interessen vertritt. Gabriele Hennicke


Heide Jahnke: Des Käfers Menetekel, Drey Verlag, Gutach, 74 Seiten, 20 Euro

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