Neue Chance für altes Gebäude

Martin Wunderle

Von Martin Wunderle

Sa, 08. September 2018

Löffingen

Das ehemalige Haus Nickel am Rathausplatz wird versteigert / Die Stadt hat großes Interesse an einer neuen Nutzung.

LÖFFINGEN. Das ehemalige Haus Nickel am Rathausplatz 4 in Löffingen wird versteigert. Es gehört seit ungefähr zehn Jahren dem Donaueschinger Architekten Wolfgang Gilly und erlangte in den vergangenen Jahren traurige Bekanntheit.

Nach einem Band im November 2009 sollte das Haus saniert werden. Damit ist zwar auch begonnen worden, allerdings mit Veränderungen am Gebäude und ohne Baugenehmigung. Das Landratsamt hatte daraufhin den Bau eingestellt, weil keine entsprechenden Baupläne vorlagen. Eine Frist, den das Landratsamt für das Nachreichen der Baupläne setzte, ließ der Architekt verstreichen. Die Situation um das Haus war auch mehrfach Thema im Ausschuss für Technik und Umwelt, doch auch zu diesen Terminen erschien Wolfgang Gilly nicht.

Der aufgestellte Baukran allerdings blieb weiterhin unbenutzt stehen und wurde immer mehr zum Ärgernis in der Stadt. Zum einen störte der Anblick das historische Stadtbild, zum anderen gab es vermehrt Sorgen und die Sicherheit, je länger der Kran stand. Denn nicht nur die Geräusche, wenn sich der Kran im Wind drehte, störte die Anlieger, noch mehr hatten sie Sorgen, dass sich ein Teil lösen könnte. 2013 schritt die Stadt dann ein und ließ den Kran wegen des zu hohen Risikos abbauen. Mitarbeiter des Bauhofs hatten ihn damals vorläufig auf dem Bauhofgelände sichergestellt. Gleichzeitig wurden auch die fehlenden Firstziegel auf dem Gebäude ersetzt, weil auch hier eine Gefahr für die Bevölkerung bestand.

Am Mittwoch, 14. November um 10 Uhr soll das Gebäude jetzt im Amtsgericht Freiburg zwangsversteigert werden. Das Geschäfts- und Wohnhaus direkt gegenüber dem neu sanierten Rathaus hat nach Angaben des Gerichts 687 Quadratmeter Nutzfläche und sei im Rohbauzustand, der Modernisierungs- und Fertigstellungsaufwand erfordere. Der Verkehrswert für das Haus, das auch unter Denkmalschutz steht und dessen Alter nicht zu beziffern sei, ist auf 250 000 Euro festgesetzt. Fest steht nach Recherchen von Heimatforscher Rudolf Gwinner, dass es von 1699 bis 1887 die Gaststätte "Das Kreuz" beherbergte.

Die Gemeinde habe natürlich ein Interesse daran, dass das Gebäude wieder gut aussieht und die Innenstadt bereichert, erklärte Bürgermeister Tobias Link gegenüber der Badischen Zeitung. Die Zwangsversteigerung biete dafür jetzt eine Chance, nachdem Gespräche über einen Kauf des Hauses mit dem Besitzer mehrfach an völlig unterschiedlichen Preisvorstellungen scheiterten, wie Link erläutert. Lieber als ein Kauf durch die Stadt wäre ihm allerdings ein Investor, der etwas Vernünftiges aus dem Gebäude macht, das derzeit bis auf ein kleines Geschäft leer steht. Wichtig sei ihm jedenfalls, dass das Stadtbild aufgewertet wird und dass wieder Wohnraum zur Verfügung gestellt wird, sagt Link.