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10. Februar 2015 07:14 Uhr

Rötenbach / Löffingen

Tierschützer kämpfen um verwahrloste Ponys

Sie plagen sich mit Hufkrankheiten und Parasiten, sind abgemagert und hinfällig: Im Hochschwarzwald sind neun Ponys in großer Not. Der Tierschutzverein sucht händeringend nach Unterstützung.

  1. Der Hengst hat in seinem Stall kaum Platz sich umzudrehen. Er steht tief in seinem Dung. Foto: Tierschutzverein Löffingen

  2. Dieses Pony nannten die Kinder, die früher zum Reiten kamen, Willy. Heute steht er isoliert in einem Bretterverschlag. Foto: Tierschutzverein Löffingen

  3. Die Tiere sind in erkennbar schlechtem Zustand. Foto: Tierschutzverein Löffingen

  4. Fünf Schafe sind an Unterernährung und Krankheit gestorben. Foto: Tierschutzverein Löffingen

An verrosteten Landmaschinen lehnen blaue Plastikfässer, morsches Holz liegt schneebedeckt in der Nähe des alten Bauwagens, der Müllberg neben dem kleinen Haus reicht fast ans Dach. Drinnen stapeln sich Kisten, Müll und alter Plunder bis unter die Decke. An das weiße Gebäude sind kleine, windschiefe Anbauten aus Holz errichtet worden, Marke Eigenbau, davor improvisierte Gatter, aus Eisenzaun und Planken. Große braune Augen schauen dahinter hervor. Inmitten dieses verwahrlosten Ortes zwischen Rötenbach und Löffingen leben Ponys und Schafe – und sie sind in großer Gefahr.

"Fünf Schafe sind schon tot." Carola Hannes
"Fünf Schafe sind schon tot", sagt Carola Hannes, die Vorsitzende des Tierschutzvereins Löffingen. Sie und ihre Mitstreiter wollen die anderen Tiere retten. Christoph Niederstadt hat sie auf deren Zustand aufmerksamgemacht. Der Reitlehrer war auf der Suche nach einer Wiese für seine Pferde, so kam er in Kontakt mit dem Mann, dem das Gelände gehört. Seit Januar hat Niederstadt die sieben Hektar große Fläche gepachtet. "Die Tiere dort sind in einem schrecklichen Zustand", sagt Niederstadt.

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Großeinsatz für den Tierschutz

Früher hat der ehemalige Besitzer hier Ponyreiten angeboten, doch das ist lange her. Bei den neun Pferden, die auf dem Gelände stehen, wurden keine Huf- oder Gebisskontrollen gemacht, die Tiere haben keine Wurmkuren bekommen, sagt Hannes. Pferdepässe, die die Gesundheit dokumentieren, gibt es nicht. Sie plagen sich mit Hufkrankheiten und Parasiten, sagen die Helfer vom Tierschutzverein. Die verendeten Schafe sollen krank und unterernährt gewesen sein.

"Wir müssen die Koppel richtig umzäunen, mit Material, das der Witterung standhält." Christoph Niederstadt
"Das ist ein Großeinsatz für uns", sagt Hannes. Seit Wochen ist vor allem Niederstadt vor Ort und versucht, die Lebensbedingungen zu verbessern. "Drei bis vier Stunden am Tag bin ich dran. Das ist eine echte Sisyphusarbeit", sagt er. Denn eigentlich muss der Tierschutzverein hier bei null anfangen. Die Tiere müssen untersucht und geimpft werden, außerdem brauchen sie Auslauf. Inzwischen ist eine improvisierte Koppel eingezäunt, damit die Tiere sich etwas bewegen können. "Sie haben kaum noch Muskulatur", sagt Niederstadt.

In den vergangenen Jahren haben sich die Tiere unkontrolliert vermehrt. Damit es nicht noch mehr ungewollten Nachwuchs gibt, müssen die sechs Stuten und die drei Hengste getrennt voneinander ins Freie. Nur dann kann das, was als Stall bezeichnet werden muss, ausgemistet werden.

Wie es so weit kommen konnte, dass die Tiere in einem solchen Umfeld leben, darüber kann nur gemutmaßt werden. "Das sind für mich schon Zeichen von animal hoarding", sagt Carola Hannes. Als Tierhorten wird das krankhafte Sammeln und Halten von Tieren bezeichnet. Der Halter ist nicht mehr in der Lage, sich artgerecht um die Tiere zu kümmern. Schlechte Absichten stehen nicht hinter diesem Verhalten. Schon früher wurde der Tierschutzverein auf die Zustände um das Haus angesprochen. Außerdem sollen Menschen rund um Löffingen und Rötenbach immer wieder freilaufende Schafe und Ponys von dem verwahrlosten Land begegnet sein. Der Tierschutzverein hat sich auch beim Veterinäramt gemeldet, ein Mitarbeiter des Amtes war vor Ort – bislang hatte der Besuch aber wohl keine Konsequenzen.

Jetzt heißt es anpacken

So traurig der Blick zurück sein mag, so wenig hilft er den Tieren heute. Jetzt heißt es anpacken. Aber der Tierschutzverein stößt an seine Grenzen. Allein das Futter der Tiere kostete seit Jahresbeginn eineinhalbtausend Euro. Dazu kommen Tierarztkosten, Baumaterial und Arbeitszeit. Um den Ponys und Schafen wirklich helfen zu können, brauchen sie Unterstützung. "Wir haben unser Netzwerk aktiviert. Ein Spender bezahlt uns etwa eine Kastration einer der Hengste", sagt Hannes. Der Wallach könnte dann mit den anderen Tieren gemeinsam auf die Koppel. Aber es gibt so viel zu tun. "Wir müssen die Koppel richtig umzäunen, mit Material, das der Witterung standhält", sagt Niederstadt. Das Gelände muss aufgeräumt werden, der Tierarzt wird bei jedem Tier mehrere Untersuchungen vornehmen müssen. "Wir brauchen Geld, Helfer und Material", sagt Hannes.

Der Tierschutzverein sucht jetzt dringend Helfer. Dabei ist man für viele Lösungen offen. Menschen können spenden oder mitarbeiten. Wer hat, kann einen Bagger einbringen, Zäune müssen errichtet werden, dafür braucht es Material. Ponyfreunde könnten auch eine Patenschaft für eines der Tiere übernehmen. Möglichkeiten den Tieren zu helfen gibt es viele – aber die Zeit ist knapp.
Kontakt

Tierschutzverein Löffingen
Telefon: 07654/314
E-Mail: info@tierheim-loeffingen.de

Spenden:
- Sparkasse Hochschwarzwald
IBAN: DE38 6805 1004 0004 1360 08
BIC: SOLADES1HSW
- Volksbank Villingen-Schwenningen
IBAN: DE07 6949 0000 0000 0725 08
BIC: GENODE61VS1

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Autor: Sebastian Wolfrum