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17. Mai 2009 16:42 Uhr

Hebelbund verleiht Schatzkästlein

Auszeichnung für Markus Manfred Jung

Der Wehrer Mundert-Lyriker Manrkus Manfred Jung wurde in Lörrach mit dem Schatzkästlein des Hebelbundes ausgezeichnet. Jung könne wie Hebel das Alemannische "zum Dichten bringen", sagte Hans-Jürgen schmidt vom Hebelbund bei der Preisverleihung.

  1. Karl-Heinz Ott, Preisträger Markus Manfred Jung, Hans-Jürgen Schmidt, Ulrike Ebert-Wirminghaus und Trachtenmädchen beim „Schatzkästlein“. Foto: Martina David-Wenk



LÖRRACH.
Wenn einer das "Schatzkästlein" verdient hat, dann Manfred Markus Jung. Dichter, Verlagsgründer, Initiator einer Mundartwerkstatt, Preisträger über den hiesigen Sprachraum hinaus – wenige haben so viel für die alemannische Sprache getan wie Manfred Markus Jung aus Wehr. Mit der Verleihung der jährlichen Auszeichnung an den Lyriker gelang dem Hebelbund gleichwohl eine Überraschung.

Dass er die Auszeichnung in Lörrach bekommt, wo er aufwuchs, beim TuS Stetten Sport trieb, im Hebel-Gymnasium sein Abitur ablegte und später auch als referendar tätig war, freue ihn außerordentlich, sagte Jung. Und dass zwei "Maideli" in der Zeller Tracht ihm diese Auszeichnung darbieten, noch einmal dazu, denn, wie er erzählt, hatte er diese Tracht als Kind selbst getragen.

Wie er wohl seinen Deutsch-Unterricht gestalte, fragte der Vorsitzende des Hebelbundes, Hans-Jürgen Schmidt, in seiner Laudatio. Auch im Dialekt? Soweit geht die Liebe zur heimischen Sprache dann doch nicht, der Germanist spricht in seinem Unterricht "Schriftdeutsch", auf dem Sportplatz jedoch nicht. Er würdigt seinen Vater, seine Mutter, die ihm aus Hebels Schatzkästlein vorgelesen haben, seinen Deutschlehrer Fritz, der ihn auf einer Mauer gestellt habe, an einem Hebeltag des Hebel-Gymnasiums und wo er vor versammelter Schülerschaft, das "Spinnlein" vorgetragen habe.

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Als Dichter, so sagte Hans-Jürgen Schmidt, könne Markus Manfred Jung könne, was schon Johann Peter Hebel bewiesen habe: er habe die Sprache "ins Dichten gebracht" und gezeigt, dass die "Menschen hier mit dem Alemannischen eine Sprache zur Verfügung haben, die viel mehr könne als Hochdeutsch." Sie könne ausdrücken, wer wir ganz in unserem Innersten sind, so der Präses. Das Alemannische ist bei Manfred Markus Jung lebendig geblieben und zeitgemäß, das zeigt auch der Preis der Deutschen Schallplattenkritik, den er gemeinsam mit Uli Führe bekommen hat.

Johann Peter Hebel ist eben nicht im 18. oder 19. Jahrhundert verortet, wie der "Vorträgler" Karl-Heinz Ott, Schriftsteller, Essayist und Philosoph aus Freiburg aufzeigt. Von Marx durchdrungen sei er gewesen, als er seine erste Hebel-Lesung gehört habe. Wen Walter Benjamin, Bloch und Brecht als Lieblingsdichter preisen, dessen Werk wollte er kennenlernen. Mittlerweile sei seine Ausgabe des "Schatzkästlein" zerfleddert, habe Rotweinflecken, und er verteidige seinen Hebel noch immer auch gegen Angriffe aus berufenem Munde. Seine Welt würde im Wirtshaus spielen, mit gestandenen Männern und Frauen höchstens am Rande des Geschehens, habe eine Germanistin in den USA versucht, Hebel verächtlich zu machen. Karl-Heinz Ott ließ dies nicht gelten und zeigte, auf welch feine humorvolle Art und Weise Hebel die Welt sah. Er wolle die Menschen nicht besser machen, er kenne sie zur Genüge und mit Güte beschreibe er sie treffend. Dies sei eine Folge seines christlichen Weltbildes, das für Hebel nie im Widerspruch zu den revolutionären Erkenntnissen der Naturwissenschaften Zeit gestanden habe.

"Wenn ich gewusst hätte, dass Du das Schatzkästlein bekommst," sagt Ott später zu Manfred Markus Jung. Selbst der "Vorträgler" war ahnungslos, zu wessen Ehre er hier eigentlich sprach. Auch Ulrike Ebert-Wirminghaus, die den Prolog gesprochen hatte, wusste von nichts. Dabei, und diese Verbindung legte erst Manfred Markus Jung offen, standen sie schon einmal beide gemeinsam auf der Bühne, beide erhielten damals am Hebel-Gymnasium den Scheffelpreis für die beste Abitursarbeit in Deutsch.

Autor: Martina David-Wenk