Behandlung angemessen vergüten

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Mi, 07. November 2018

Lörrach

Psychiater bezieht Stellung.

LÖRRACH (BZ). Der Landkreis möchte die ambulante Versorgung psychisch Kranker verbessern (siehe Badische Zeitung vom 3. November). Zu diesem Thema bezieht der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Eckhard Dannegger, Stellung. Er ist Mitglied des Landesvorstands des Berufsverbands Deutscher Nervenärzte (BVDN) und der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN).

Krankenkassen erhielten für jeden schwer psychisch erkrankten Patienten viel Geld aus dem Gesundheitsfonds, schreibt Dannegger. Etwa 20 Prozent davon zahlten sie an die Kassenärztliche Vereinigung (KV), diese stelle den Psychiatern eine Fallpauschale von 75 Euro pro Patient und Quartal zur Verfügung. Dass das für eine Akuttherapie schizophrener, bipolarer Psychosen, Suchtkranker und chronisch rezidivierender Depressionen oder Zwangsstörungen reichen solle, sei unmöglich. Die Kassen würden die Verantwortung auf die KV schieben, diese auf die angebliche "Überversorgung". Bleibe die Pauschale, würden Psychiater schwierige Fälle weiterhin in Kliniken einweisen. Dann koste jeder Patient die Kasse etwa 5000 Euro für drei bis vier Wochen Behandlung in der Klinik. Krankenkassen könnten das durch Sonderverträge ändern. "Ambulante Behandlung ist optimierbar, sie muss nur angemessen vergütet werden", fordert Dannegger.

Dass die gesetzlichen Kassen für psychisch schwer kranke Menschen nicht so viel ausgeben, wie sie aus dem Gesundheitsfonds erhalten, sei ein Skandal: "Kassen sparen bei denjenigen, die keine Lobby haben und sich (aus Scham) nicht wehren." Das Grundproblem sei, dass das Regelleistungsvolumen für die Psychiatrie ein ungeeignetes Verfahren sei und eine sachgemäße Therapie verhindere. Wichtig ist Eckhard Dannegger zufolge der Vergleich mit den Verhältnissen in Basel-Stadt und Basel-Land. Psychiater in der Schweiz erhielten ihr Honorar nach individuellem Bedarf des Patienten. "Wenn die deutschen Krankenkassen diese Sparpolitik gegenüber den schwer psychisch Kranken nicht ändern", folgert Dannegger, "werden sich auch keine Psychiater mehr im Südwesten niederlassen."