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06. November 2009

Beim Musikalischen Herbst geht es Schlag auf Schlag

Lörracher Reihe mit sechs Konzerten innerhalb von acht Tagen / Zu hören sind ausschließlich Werke von Bach und Mendelssohn

  1. Herbert Deininger, der künstlerischer Leiter des Musikalischen Herbstes Lörrach. Foto: BZ

LÖRRACH. Der Musikalische Herbst 2009 ist äußerst konzentriert – terminlich wie inhaltlich. Mit sechs Konzerten innerhalb von acht Tagen, in denen ausschließlich Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy und Johann Sebastian Bach zu hören sind, ist die 16. Ausgabe der Reihe der evangelischen Kirchengemeinde und des Kirchenbezirks Lörrach kompakt wie seit Jahren nicht mehr. "Es geht Schlag auf Schlag", sagt der künstlerische Leiter Herbert Deininger. Ein Problem sieht er darin nicht: Jeder picke sich Seines raus; zu allen Konzerten gehe kaum jemand.

Mendelssohn lag thematisch nahe, wurde der bedeutendste deutsche Komponist der Romantik doch vor 200 Jahren geboren. Zentrale Bedeutung in seinem Schaffen hatte die Auseinandersetzung mit Bach. Nicht von ungefähr gilt der "Mozart des 19. Jahrhunderts" (wie ihn Robert Schumann nannte) als Wiederentdecker der Werke des barocken Meisters. Vor 180 Jahren, fast 80 Jahre nach Bachs Tod leitete Mendelssohn mit der erstmaligen Wiederaufführung der Matthäuspassion eine Bach-Renaissance ein.

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Manche warfen Mendelssohn sogar vor, er kopiere Bach, was freilich Unfug ist. Er entwickelte die Musik vielmehr weiter, beispielsweise in seinen Orgelwerken, die einen Schwerpunkt des Musikalischen Herbstes bilden. Was naheliegt, weil sämtliche Konzerte in Kirchen stattfinden, wo eben Orgeln stehen. "Kammermusik kann man überall machen", erklärt Deininger. In drei Konzerten in drei Kirchen und mit drei verschiedenen Interpreten sind alle sechs Orgelsonaten des Jubilars zu hören.

Die Aufgaben teilen sich die Organisten der Partnerstädte Lörrach, Sens und Senigallia. Luc Paganon, Organist an der Kathedrale von Sens, ist erstmals in Lörrach zu hören (8. November, 17 Uhr, Bonifatiuskirche), Federida Iannella ist an der Kirche Santa Maria della Neve, einer eher unscheinbaren Kirche in Senigallia tätig, die aber – was in Italien eher eine Seltenheit ist – über eine richtige Orgel verfügt (13. November, 20 Uhr, Kirche St. Fridolin). Jeder der drei stellt je zwei Mendelssohn-Sonaten in einen anderen Kontext, in dem die jeweilige Spezialität zum Ausdruck kommt. Deininger (10. November, 20 Uhr, Christuskirche) hat sich unter anderem für Bachs erste Triosonate entschieden.
Neben den Orgelwerken und den großen Oratorien schrieb Mendelssohn eine Vielzahl an Motetten. Für die Eröffnung mit dem Ensemble Viva Voce und Organist Willi Tittel (7. November, 19 Uhr, Stadtkirche) hat Deininger drei ausgesucht – passend zum Trauer-Monat November von schwermütigem Charakter und kombiniert mit der rund 25-minütigen Bach-Motette "Jesu meine Freude." Fester Bestandteil der Reihe ist ein Kantatengottesdienst, die "geistliche Musik dort erklingen lässt, wo sie hingehört" (Deininger), dieses Mal mit Mendelssohns Hymne "Hör mein Bitten" und der Sopranistin Birte Niemann (8. November, 10 Uhr, Stadtkirche. Den Schlusspunkt setzt wie üblich ein Chor- und Orchesterkonzert in der Christuskirche (15. November, 17 Uhr). Die Kantorei, das Ensemble musica poetica Freiburg und Solisten stellen je eine Vertonung eines Bußpsalms von Bach und Mendelssohn einander gegenüber.

Vorverkauf: Musikhaus Geissler, Tel.  07621/84460, Stefanie Kugler, Tel.  07621/48502

Autor: Daniel Gramespacher