Breiten- versus Spitzenförderung

Ansgar Taschinksi

Von Ansgar Taschinksi

Mi, 14. November 2018

Lörrach

Differenzen beim Phaenovum zwischen Geschäftsführung und zwei Fachbereichen / Sternwarte soll gebaut werden .

LÖRRACH. Bei der 13. Mitgliederversammlung des Schülerforschungszentrums Phaenovum wurde der Bau einer Sternwarte für das Schülerforschungszentrum beschlossen. Zugleich wurden Differenzen zwischen der Geschäftsführung und mehreren Fachbereichen über den zukünftigen Kurs deutlich. Die Vorstandswahlen wurden verschoben, da man vergessen hatte, diese vorab auf die Tagesordnung zu setzen.

Mehr als 500 Mitglieder habe der Verein mittlerweile, so Geschäftsführerin Helga Martin. Im vergangenen Jahr nahmen über tausend Schülerinnen und Schüler an den Kursen und Forschungsprojekten teil. 57 Prozent kamen aus Lörrach, 14 Prozent aus der Schweiz, der Rest aus dem Landkreis.

In vielen Wettbewerben, national wie international, belegten sie wieder vordere Plätze. Dank der Kooperation mit dem Phaenovum wurde das Hans-Thoma-Gymnasium von der Kultusministerkonferenz mit dem zweiten Platz der besten Jugend-forscht-Schulen Deutschlands ausgezeichnet. "Für mich persönlich als Betreuer war das der schönste Erfolg der vergangenen Jahre", so Hermann Klein vom Fachbereich Physik, der auch Lehrer am HTG ist. Der Fachbereich IT/Robotik organisierte den dritten RoboRave Germany. Auch die Sparte Life Sciences erreichte mit drei Projekten den Landeswettbewerb von Jugend forscht. Mit ihrem "Pill-O-Mat" zur Dosierung von Medikamenten gewannen Schüler einen Sonderpreis und durften ihr Projekt bei der Nobelpreisträgertagung vorstellen.

Einstimmig angenommen wurde ein Antrag von Hermann Klein für die Einrichtung einer Sternwarte. Der Vorstand sprach sich für das Projekt aus. Seit knapp einem Jahr beschäftigt sich der Fachbereich Physik mit der Planung. Sie würde nicht nur das Kursprogramm erweitern, sondern sei auch für Schulen im Umkreis eine Chance, das neue Unterrichtsfach "Informatik, Mathematik, Physik" mit astronomischen Inhalten besser zu unterrichten, so Klein.

Für eine Sternwarte brauche es ein Gelände in dunkler Lage mit Blick auf den Horizont und Anbindung an den Nahverkehr, so Klein. Auf eine gute Erschließung legte auch Oberbürgermeister Lutz Wert. Leider habe sich kürzlich bei einem Gespräch gezeigt, berichtete Klein, dass das anvisierte Gelände in Inzlingen wegen des Widerstands der Inzlinger Jäger nun doch nicht zur Verfügung stehe. Zwei weitere Grundstücke stehen derzeit in Aussicht. Ayla Busch, die selbst drei Kinder am Phaenovum hat, hielt ein flammendes Plädoyer für das Zentrum und die Chance, die eine Sternwarte böte.

Über die Zukunft des Phaenovum gibt es auch intern heftige Diskussionen. Hintergrund sind Bedenken der Fachbereiche Physik und Life Sciences wegen der weiteren Ausweitung des Kursprogramms und die Zielsetzung der Einrichtung. "Es muss sichergestellt werden, dass durch eine Ausweitung in die Breite die Qualität des Kernbereichs des Phaenovum, die Spitzenförderung, erhalten bleibt", sagte Christiane Talke-Messerer vom Fachbereich Life Sciences. Die Geschäftsführung habe mehr die Steigerung der Schülerzahl im Blick als die Sicherung der Qualität, fand auch Hermann Klein. So fehle etwa für die neue Werkstatt ein klares pädagogisches Profil. Auch den Zuwachs an Außenstellen betrachte er mit Sorge. Die Einrichtung lebe von wenigen motivierten Leuten, die den Verein tragen. "Es besteht die Gefahr, dass sich das Phaenovum verzettelt und das Niveau nicht gehalten werden kann", so Klein.

Geschäftsführerin Helga Martin kommentierte den Dissens nicht. Lars Möllendorf vom Fachbereich IT/ Robotik sagte, er verstehe nicht ganz, woher die Diskussion komme. Auch er finde die Spitzenförderung wichtig. Er wolle das Angebot aber auch für Schüler aus allen Schulformen öffnen und damit die Hemmschwelle senken, besonders in einem neuen Fachbereich Technik.

Mit der strategischen Ausrichtung werde man sich im kommenden Jahr in einer weiteren Vorstandssitzung auseinandersetzen, kündigte Jörg Lutz an.