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12. September 2012 09:15 Uhr

"Original Markgräfler Straußi" in Lörrach-Tüllingen

Das älteste Tüllinger Haus wird wieder zur Straußi

Im Lörracher Stadtteil Tüllingen steht ein Bauernhaus, dessen Grundriss seit 1592 nicht verändert wurde. Es beherbergt nun die "Original Markgräfler Straußi" – und führt damit eine Tradition vor.

  1. Schild der Straußi aus den 1930er-Jahren. Foto: ZVG

  2. Michael Lindemer unter dem Sandsteinbogen des Tüllinger Hauses. Foto: Benedikt Müller

Wer den Gastraum der neuen Straußenwirtschaft von Michael Lindemer in Tüllingen betritt, muss sich gelegentlich etwas ducken. Über wenige Stufen geht’s bergab in den ehemaligen Wein- und Kartoffelkeller. Der dezente Geruch alten Gemäuers vermischt sich mit dem Duft frischer Kiefernmöbel. Wo früher ein Weinfass neben dem anderen stand, werden ab Freitag, 14. September, Gäste auf neuen Holzbänken Platz nehmen. Der Lehmboden ist einem Nussbaumlaminat gewichen, vom alten Eichengebälk hängen moderne Lampen aus Aluminium herab: In der "Original Markgräfler Straußi" verbindet sich Junges und Altes auf besondere Art und Weise.

Bestes Beispiel: Das Haus, in dem Lindemer von Freitag an seine Gäste empfangen wird, ist stolze 17-mal so alt wie er. Seit 1592 wurde der Grundriss des alten Bauernhauses nicht mehr verändert. Der runde Sandsteinbogen – einer von nur noch zweien, die es an Haustüren im Höhenstadtteil gibt – bezeugt die Jahreszahl. "Das ist das älteste noch erhaltene Haus in Tüllingen", sagt der 24-Jährige. Sein Urgroßvater Albert Resin hatte es gekauft und in den frühen 30er-Jahren schon einmal eine Straußenwirtschaft darin betrieben. "Die war damals im Wohnzimmer", erzählt Lindemer. "Die haben ein Schwein geschlachtet, hatten ein Fass Wein und haben ein Schild rausgehängt. Dann sind die Leute gekommen, haben mitgegessen und mitgetrunken."

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Im kleinen Tüllingen gab es zu jener Zeit elf Straußenwirtschaften. Doch das gesellige Treiben fand am 20. August 1934 ein jähes Ende: Nach zahlreichen "Exzessen" wurden die Familienlokale verboten. Zu sehr seien die Tüllinger in sittlichen und moralischen Misskredit geraten, heißt es in einem Artikel von Walter Jung.

Heute gibt es noch zwei klassische Weinlokale in Tüllingen. Den familiären Charakter der "Straußi" haben sie sich bewahrt, besitzen aber weitreichendere Gastronomiekonzessionen. "Ich will nicht dasselbe machen wie andere", sagt Michael Lindemer. Für ihn gelten die Straußenwirtschaftsauflagen: maximal 40 Sitzplätze, maximal drei Monate im Jahr geöffnet.

Vor allem ist Lindemers "Straußi" aber ein Familienunternehmen im besten Wortsinne: Vater Walter zeichnet für den Umbau verantwortlich, Mutter Ruth kocht sonntags die Kürbissuppe, Onkel Helmut hilft im Keller, Tante Hannelore backt den Kuchen, Schwester Diana wird die Gäste bedienen. "Ohne die ging gar nix", sagt Michael Lindemer.

Den Traum von der eigenen "Straußi" hegte der 24-Jährige schon lange, nun wolle er probieren, ob es läuft. Konkret wurden die Pläne, als Lindemer im vergangenen Sommer die Pacht eines Winzerkollegen übernahm. "Was machen wir mit dem ganzen Wein?", habe die Familie sich gefragt. Der 24-Jährige hatte eine Antwort parat. Schließlich musste er sich nur an die lange Tradition seines Elternhauses erinnern.

Original Markgräfler Straußi,
Dorfstraße 21, Tüllingen. Von 14. September bis 7. Oktober freitags und samstags ab 17.30 Uhr, sonntags ab 11 Uhr geöffnet.


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Autor: ikt