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24. März 2009 15:22 Uhr

Podiumsdiskussion "Krankenhaus im Umbruch"

Das Ende der Fahnenstange

Bei der Podiumsdiskussion der Freien Wähler Lörrach zum Thema "Krankenhaus im Umbruch" forderte Chefarzt Hans-Heinrich Osterhues bei den Patienten einen Bewusstseinswandel.

  1. Auf dem Podium in der Kaltenbach-Stiftung saßen neben anderen Armin Schuster, Hans-H. Osterhues und Landrat Walter Schneider (von links). Foto: Claudia Gabler

Die von den Freien Wählern Lörrach organisierte Podiumsdiskussion "Krankenhaus im Umbruch" am Montagabend in der Kaltenbach-Stiftung war ausdrücklich als Veranstaltung ohne Wahlkampfbezug angekündigt. Sie sollte ein Bürgergespräch über ein Thema sein, das allen unter den Nägeln brennt und spätestens seit den drastischen Änderungen im Gesundheitswesen für negative Schlagzeilen im Landkreis sorgt.

Im Vordergrund der Diskussion über die Situation der Kreiskliniken stand dabei die durch die öffentliche Debatte und ein energisches Publikum an diesem Abend forcierte Frage nach der künftigen Struktur und Überlebenschance der drei Kreiskliniken in Lörrach, Rheinfelden und Schopfheim. Landrat Walter Schneider sagte, was er zu dieser Frage bereits mehrfach gesagt hat, dass nämlich die Entscheidung hierüber demnächst vom Aufsichtsrat gefällt würde, er aber keine "Standortgarantie" für alle drei Häuser geben könne.

Schneider betonte aber die personellen und infrastrukturellen Vorteile eines großen Krankenhauses und die Notwendigkeit einer neuen Spezialisierung der einzelnen Häuser. Die Unterfinanzierung und der Personalmangel als Folge der Gesundheitsreform wies er der Bundesregierung zu, der Landkreis hingegen habe "seine Hausaufgaben gemacht". Auch Reinhard Hagist, Kreisrat der Freien Wähler und Allgemeinarzt, sagte, ein Krankenhaus könne nicht "bis zum Umfallen" und auf Kosten anderer Häuser erhalten werden. Frustriert sagte er, dass alle Opfer der Gesundheitsreform seien und es in dieser Sache nur Verlierer gebe.

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Weiterer Schwerpunkt der Diskussion war die Nähe zur Schweiz. Die Abwanderung medizinischen Personals ins Nachbarland hob vor allem der CDU-Bundestagskandidat Armin Schuster hervor und forderte, die Schweiz unter Druck zu setzen, ihr Klinikpersonal selbst ausbilden zu lassen. Wie Schuster forderte auch Schneider, eine Privatisierung der Kliniken zu vermeiden, nicht aber ohne zu betonen, dass eine private Trägerschaft eine derart offene und transparente Standortdebatte, wie sie jetzt geführt werde, nicht erlauben würde. In eben dieser Transparenz sieht Schneider auch eine Ursache des öffentlichen Missmuts.

Auch der Chefarzt für Innere Medizin des Kreiskrankenhauses Lörrach Hans-Heinrich Osterhues sieht einen verunsicherten Patienten als Folge des "Kommunikationsproblems", also der öffentlich und kritisch geführten Standortdebatte. Dem Pflegepersonal, das sowieso schon "am Anschlag" sei, tue man mit dieser Transparenz nichts Gutes, sagte er.

Peter Kapitz, der Gesamtbetriebsratsvorsitzende der Kliniken GmbH, beschrieb den Zustand des Personals noch drastischer, wies auf die vielen Krankenhausangestellten hin, die selbst krank seien, und auf das Problem der Hilfskräfte, die kein Ersatz seien für einen ausgefallenen Examinierten. Kapitz sagte: "Wir sind am Ende der Fahnenstange angekommen."

Der Endzeitstimmung hingeben wollte sich Osterhues nicht. Er forderte einen Bewusstseinswandel beim Patienten im Landkreis, der akzeptieren müsse, so Osterhues, dass sich die Situation der medizinischen Versorgung auf dem Land verändere und der Patient durch die verstärkte Spezialisierung der Häuser auch längere Wege zurücklegen müsse. Auch Hagist mit seiner Forderung nach mehr Vertrauen in politische Beschlüsse und Schneider mit seiner Forderung nach Leistungsanreizen für das Klinikpersonal und einer nicht untertariflichen Bezahlung versuchten, Perspektiven aufzuzeigen.

In einer langen, streckenweise sehr emotionalen Diskussion mit dem Podium zeigten die Zuhörer auch mit eigenen Patientenberichten ihren Frust und ihre Angst vor einer zunehmend schlechten medizinischen Versorgung und forderten, statt auf Wirtschaftlichkeit zu achten, die Qualität der Pflege zu verbessern. Optimismus wollte nicht aufkommen an diesem langen Abend in der Kaltenbach-Stiftung.

Autor: gab