Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

04. März 2011

Der Stil des Zunftabends entstand in den Fünfzigern

Auch in der Stadthalle, jahrzehntelang Spielstätte der Narrenzunft, gab es nicht nur Höhenflüge / Im Jubiläumsjahr in großer Form.

  1. Zunftabend 1951 in der Stadthalle: Narrenschule Foto: Foto Hupfer/Archiv Narrengilde

  2. Max Rinkenburger Foto: BZ

LÖRRACH. Mit großem Erfolg präsentieren die Zunftmeister der Narrenzunft Lörrach ihr Zunftabendprogramm im Jubiläumsjahr 75 Jahre Narrenzunft Lörrach. 350 Zunftabende werden es am Samstagabend sein. Es begann im Jahr 1949.

Da begann die Zunft nach dem Zweiten Weltkrieg mit Saalfasnacht im früheren Schützenhaus am Schädelberg. Der Schützenwaldweg, der da hinaufführt, erinnert noch an den Schießstand und den Veranstaltungsort der Schützengesellschaft Lörrach. Schon 1950 zog die Zunft um in die Stadthalle am Niederfeldplatz, da nahm sie das lokale Geschehen noch in der "Narrenschule" aufs Korn. Aber bald bildete sich die noch heute gepflegte Form des Narrenspiels heraus, in dem die Themen in bis ins kleinste Detail ausgefeilten Szenen präsentiert werden. Für diese Form sind die Lörracher Zunftabende bekannt. Spiritus rector dieser Art des Narrenspiels war Max Rinkenburger (1919-1988). Der einstige Fabrikant (Wufa Lörrach) und spätere Sportfunktionär (Generalsekretär des Welthandballverbandes) hatte als Regisseur und Autor entscheidenden Anteil am Stil des Lörracher Zunftabends.

Werbung


Zu dessen Standards gehörten lange die Weltchronik, in der das Weltgeschehen aus dem Blick der jeweiligen Losung betrachtet wurde, und die nicht selten mit spektakulären Kulissen beeindruckte, die singenden "Schlurbi" und die "Märtwiiber". Gelegentlich erlebte auch die Narrenschule als Szene eine Neuauflage. Solo-Vorträge blieben die Ausnahme, wie es auch Tradition der Zunftmänner ist, die Frauenrollen selbst zu spielen. Gelegentlich ließen sie auch mal Frauen auf die Zunftabendbühne – aber das blieben (gelungene) Ausnahmen.

Bis 1998 war die Stadthalle der Schauplatz für die Zunftabende. Bis zu zwölf Zunftabende, einmal sogar 13, wurden anfangs gegeben, später waren es dann acht. Mit dem Schlusslied "Auf Wiederseh’n im Burghof 99" verabschiedeten sich die Zunftmeister von der jahrzehntelangen Spielstätte. Die Ära Burghof blieb kurz. Anspruch und Möglichkeiten waren schließlich nicht mehr zusammenzubringen, dass die Zunft nicht mehr wirten konnte, wurde auch als ein Aspekt genannt. Innerhalb der Zunft gingen schließlich auch die Meinungen auseinander, wohin der Weg den führen sollte. Eine unstete Phase folgte mit Zunftabenden in der einstigen KBC-Kantine bis schließlich eine konsolidierte Mannschaft in der Alten Halle in Haagen eine neue, ideale Spielstätte fand. Auf und Ab in der Zunftgeschichte ist aber nicht der jüngeren Epoche eigen. Karl-Heinz Klettke, mehr als dreißig Jahre Zunftmeister und einer der Protagonisten auf der Bühne, erinnert sich, dass 1964 einmal Zunftabendkarten via KBC und Sparkasse verschenkt wurden, um zwei Zunftabende zu füllen. Das ist schwer vorstellbar, wenn man gerade den famosen Jubiläumszunftabend erlebt hat. Diesmal wurde musste das Team Oberzunftmeister Karl Heinz Sterzel einen achten Zunftabend einfügen – der großen Nachfrage wegen.

Autor: ktz