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26. September 2009 14:00 Uhr
"Der Tafelladen ist mein Schlaraffenland"
Warum geht der Nachbar jeden Abend so früh ins Bett? Und die Frau mit dem Faltenrock, die immer über Schmerzen klagt: Wieso spielt sie mitten in der Nacht auf ihrer Orgel? Die BZ will in einer Serie die Tagesabläufe von Menschen in schwierigen Lebenssituationen chronologisch darstellen. Manchen Tagesgängen sieht man an, dass da etwas ungewöhnlich ist. Andere geben nur wenig von den wahren Problemen der Menschen preis. Umso wichtiger ist es, genau hinzuschauen wenn Menschen in Not sind oder Zuwendung brauchen.
HILDE MUFFLER, 79 JAHRE
Gebürtig im Kaiserstuhl lebt sie nun schon seit vielen Jahren in Lörrach. Aus der Zeit, als sie noch mit sieben Kindern auf 48 Quadratmetern lebte, hat sie sich viele Angewohnheiten erhalten. Zum Beispiel selbst kleine Essensreste aufzuheben, wenn sie ihre Mahlzeit einmal nicht schafft. Sie müsste das eigentlich nicht unbedingt. Es hilft aber, mit ihrer kleinen Altersrente auszukommen. Mit weniger als 900 Euro pro Monat kann sie keine großen Sprünge machen. Mit diesem geringen Einkommen hat sie auch das Recht, im Tafelladen einzukaufen und zu essen. Es ist ihr sehr wichtig, darauf hinzuweisen, dass es viele andere ältere Menschen gibt, denen es finanziell noch wesentlich schlechter geht als ihr.
7.30 Uhr: Aufstehen. Als erstes gehe ich in die Küche und schalte das Heizkissen ein, damit meine Knochen nicht mehr so starr sind. Dann gehe ich barfuß durch die feuchte Wiese vor dem Haus und lese Zeitung.
11 Uhr: Wenn ich Hunger bekomme, frühstücke ich etwas. Dann muss ich häufig los zu einem Arzttermin oder laufe einfach so mit meinem Stock die Straße hoch.
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12 Uhr: Mittagstisch im Tafelladen an der Hofmattstraße. Etwa drei Mal pro Woche esse ich hier.
15 Uhr: Nach dem Essen kaufe ich noch im Tafelladen nebenan ein. Das ist ein richtiges Schlaraffenland dort. Die Sachen kann man zwar meist nicht mehr so lange aufheben, dafür sind sie sehr billig und helfen mir, mein Portmonee zu schonen.
15.30 Uhr: Zu Hause räume ich den Einkauf nach Haltbarkeitsdatum sortiert in den Kühlschrank und ins Regal.
16 Uhr: Wenn im Haus alles erledigt ist, lese ich noch etwas oder sehe fern.
19 Uhr: Später bekomme ich oft nocheinmal Hunger. Dann esse eine Suppe, die ich vom Tafelladen mitnehmen durfte. Oder ich mache mir die Reste vom Mittagstisch warm, die ich nicht geschafft habe.
21 Uhr: Ein kleiner Plausch von Balkon zu Balkon mit den Nachbarn, dann bin ich müde.
21.30 Uhr: Schlafen gehen.
Autor: Protokoll: Bastian Henning
