Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

17. April 2009

Die Junkies werden älter

Die Lörracher Drogen- und Jugendberatungsstelle verzeichnet immer mehr Zulauf.

LÖRRACH. Immer mehr Menschen suchen Hilfe bei der Lörracher Drogen- und Jugendberatungsstelle (Drobs). 871 Frauen und Männer wandten sich im vergangenen Jahr an die Beratungsstelle. 713 davon waren selbst von Sucht betroffen, 158 kamen, weil sie sich um einen nahestehenden Menschen sorgten. Doch nicht nur um Drogenkranke kümmert sich die Drobs: 55 Jugendliche nahmen hier 2008 an Anti-Gewalt-Kursen teil.

Die meisten Klienten der Drobs haben Probleme mit Opiaten oder sind von mehreren Drogen gleichzeitig abhängig. Bei den Konsumenten von Opiaten sind es einerseits Heroinabhängige, die von den Mitarbeitern von Drobs betreut werden, andererseits Suchtkranke, die eine Ersatzdroge erhalten und bei der Drobs eine psychologische Begleitung finden. Zehn Ärzte gibt es momentan im Landkreis, die Ersatzdrogen verschreiben können, doch ihre Zahl wird mittelfristig abnehmen – zum Nachteil der Suchtkranken. Denn für Mediziner ist es nur wenig attraktiv, zusätzlich als substitutionierender Arzt zu behandeln, berichtete der Suchttherapeut Robert Bischoff vom Drobs-Team in der Jahresbilanzkonferenz. Viele Ärzte fürchten, Junkies in den Wartezimmern könnten lukrativere Patienten fernhalten. Außerdem erfordere die Abgabe von Ersatzstoffen einen hohen bürokratischen Aufwand. Zudem ist ein Lehrgang vorgeschrieben, den die Mediziner aus der eigenen Tasche bezahlen müssen. "Finanziell ist sowas nicht lukrativ", weiß Frank Meißner, Leiter der Lörracher Beratungsstelle.

Werbung


68 Menschen wurden im vergangenen Jahr von Drobs zur stationären Entgiftung vermittelt, 43 zur Behandlung mit Ersatzstoffen. 17 Drogenabhängige traten eine Therapie an. 263 Beratungen und Behandlungen konnten 2008 abgeschlossen werden. In 95 Fällen hat sich die Situation des Hilfesuchenden verbessert. 105 Frauen und Männer waren bei Beratungsende abstinent, bei 50 Menschen blieb die Situation unverändert. In sechs Fällen konnte eine Verschlechterung nicht aufgehalten werde. Sieben Klienten starben – zum Teil an Folgeerkrankungen ihrer Sucht. Aufgrund der Substitution werden viele Junkies älter. "Wir müssen uns auf eine neue Situation einstellen", sagte Robert Bischoff. "Früher war man mit 32 Alt-Junkie, heute sind die über 50."

Mit 178 hat die Zahl der betreuten Jugendlichen um 44 Prozent zugenommen. Hinzu kommen die Teilnehmer der Anti-Gewalt-Trainings. Hier wurde eine neue Gruppe eingerichtet, so dass bei 55 Jugendlichen zwischen 15 und 21 Jahren "zumindest das Gewaltpotenzial auf ein Minimum reduziert werden konnte", wie Frank Meißner berichtete.

Autor: Michael Reich