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11. November 2017 15:30 Uhr

Lörrach

Die unterschiedlichen Bräuche und Speisen am Martinstag

Der heilige Martin soll ein asketisches Leben geführt haben. Doch in Lörrach scheint sich am Namenstag fast alles ums Essen zu drehen. Eine Übersicht der Entstehungsgeschichte.

  1. Markus Dorner vom Gasthaus Kranz bietet die traditionelle Martinsgans an. Foto: Jannik Jürgens

  2. „Langsam angoh lo“ wollten’s die Zunftmeister beim Schnäggeesse Foto: Barbara Ruda

  3. Laternenumzug, Schnägge-Esse und Luther-Ausstellung: Das erwartet sie am Martingstag. Foto: dpa

Schnägge-Esse der Narrenzunft
Um 11 Uhr und elf Minuten beginnt die Narrenzunft mit dem traditionellen Schnägge-Esse im Lasser-Saal die Fastnachtssaison. Dabei werden Losung, Protektor und Beförderungen bekannt gegeben. Warum die Narren lieber Weinbergschnecken verspeisen als Martinsgänse? "In Lörrach ist das einfach Tradition", sagt Andreas Glattacker von der Narrenzunft. Wie die Tradition genau entstanden sei, weiß er nicht. Früher habe es am Tüllinger Berg viele Schnecken gegeben, vielleicht habe das damit zu tun. Dass die Narrenzunft im November die Fastnacht startet, geht auf die ursprünglich 40-tägige adventliche Fastenzeit zurück. Glattacker: "Damals haben die Bauern die Tiere geschlachtet, die sie nicht durch den Winter bringen wollten." Nach dem Festmahl war dann Fasten angesagt.

Luther und der heilige Martin

Das Dreiländermuseum lädt sämtliche Martinas, Martins und alle, die eine Variante des Namens tragen, um 11 Uhr zu einem Gruppenfoto mit Apéro ein. Doch was hielt Martin Luther, zu dessen Reformation das Museum unter anderem ausstellt, überhaupt von der Heiligenverehrung? "Er hatte dazu eine sehr differenzierte Beziehung", sagt Kurator Peter Kunze. Luther kritisierte, dass Gläubige im Mittelalter Bilder und Statuen von Heiligen in Kirchen aufstellen ließen – um sich mit diesem "guten Werk" eine kürzere Leidenszeit im Fegefeuer zu kaufen. Luther war auch gegen das Anbeten der Heiligen. Doch so radikal wie die Schweizer Reformatoren, die aufriefen Heiligenbilder zu stürmen, war Luther nicht. Er begrüßte, dass sich die Menschen Heilige als Vorbilder nahmen, um schwierige Lebenssituationen zu meistern.

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Martinsumzug von St. Bonifatius
Wenn die Berichte über Martin von Tours zutreffen, taugt er mit Sicherheit zum Vorbild. Beim Umzug des Kindergartens St. Bonifatius am Montag steht das Teilen im Vordergrund. "Das geht schon beim Frühstück mit den Vanillegipfeln los", sagt Kindergartenleiterin Tatjana Brunz. Abends beim Laternenumzug werden die Eltern Brezeln und Brötchen verkaufen. Mit dem Erlös sollen die Turnbeutel der Kinder bedruckt werden. "Da kommen Garderobenzeichen wie Blume oder Schaukelpferd drauf, damit die Kinder ihren Beutel wiederfinden", sagt Brunz. Während des Umzugs werden die Kinder nachspielen, wie Martin seinen Mantel mit einem Bettler teilte. "Sie sollen lernen, sich gegenseitig zu unterstützen", sagt Brunz. Der Bettler gab sich hinterher übrigens als Christus zu erkennen.

Die Legenden der Martinsgans
Es gibt zwei Überlieferungen: Die erste berichtet, dass Martin sich in einem Stall versteckte, weil er nicht zum Bischof ernannt werden wollte. Doch die Gänse verrieten ihn, und Martin konnte seiner Wahl nicht entgehen. Die zweite Legende dürfte Markus Dorner vom Gasthaus zum Kranz noch besser gefallen: Während Martin als Bischof predigte, schnatterte eine Schar Gänse in die Kirche und unterbrach die Messe. Die Gemeinde soll die Gänse eingefangen und verspeist haben. Dorner bekommt seine Gänse von einem Bauern aus Fahrnau.

Heimeliger Martinimarkt
Der Markt findet von 12 bis 18 Uhr in der Alten Halle in Haagen statt. Das Besondere: "Die heimelige Atmosphäre", sagt Organisatorin Vera Hollermann-Müller. "Man trifft einfach jeden und kann sich in Ruhe unterhalten." Sowohl junge als auch ältere Leute haben die Möglichkeit, sich auszutauschen. Dafür hat Hollermann-Müller Stühle und Tische zwischen den Marktständen aufgebaut. "Es ist warm und trocken. Da kommen die Leute gerne", sagt sie. Ein Teil des Erlöses aus Kaffee- und Kuchenverkauf wollen die Organisatoren dem Hospiz spenden. Ganz im Sinne von St. Martin.

Autor: Jannik Jürgens